YB darf nun doch am Pfingstsonntag feiern

Der Kanton lenkt im Zwist um die YB-Meisterfeier ein: Diese darf nun doch am Pfingstsonntag stattfinden. Die Begründung dürfte langjährige YB-Fans zum Schmunzeln bringen.

Die YB-Spieler dürfen auch am Pfingstsonntag feiern.

Die YB-Spieler dürfen auch am Pfingstsonntag feiern.

(Bild: Christian Pfander)

Die Berner Young Boys dürfen ihren Meistertitel wie erhofft am Pfingstsonntag (20. Mai) feiern. Die Stadt Bern fand eine rechtliche Lösung, obwohl der Pfingstsonntag im Kanton Bern ein hoher Feiertag ist.

Grosse nicht-religiöse Veranstaltungen sind an diesem Tag eigentlichen verboten - es sei denn, es handle sich um einen «traditionsreichen Anlass». Genau als das stuft die Stadt Bern die YB-Meisterfeier nun ein.

Das ist nicht unbedingt naheliegend, wenn man bedenkt, dass der letzte Titel 32 Jahre her ist und es 1986 gar keinen Umzug gab. Im Wankdorfstadion wurde damals der Pokal übergeben, das wars dann. Ältere YB-Fans können sich auch nicht erinnern, dass es bei den vier Titeln zwischen 1957 und 1960 eine Meisterfeier in der Stadt gegeben hätte.

Die Stadt Bern argumentiert allerdings anders. Seit über einem Jahrhundert gebe es die Schweizer Fussball-Liga, macht sie in einem Communiqué vom Mittwoch geltend. Und der Titel werde traditionell am Ende der Meisterschaft in der jeweiligen Stadt gefeiert. Die letzte Runde der Super League wird dieses Jahr am 19. Mai ausgetragen.

Regierungsrat Käser lässt sich umstimmen

Die kantonalen Behörden können mit der nun getroffenen Lösung offensichtlich plötzlich leben. Noch am Montag sagte Hans-Jürg Käser, Vorsteher der kantonalen Polizei- und Militärdirektion, dem «Bund», dass er eine Anfrage von YB für eine Meisterfeier am Pfingstsonntag abschlägig beantwortet habe. Woher also dieser Meinungswechsel? Käser wollte auf Anfrage nichts von einem Sinneswandel wissen. «Die schriftlich eingereichte Argumentation der Stadt überzeugte mich», sagte Käser. Laut Gesetz sei es nicht möglich, am Pfingstsonntag Feiern zu veranstalten, die einen Gottesdienst stören könnten. Diesen Standpunkt habe er am Montag vertreten.

«Doch jedes Gesetz lässt einem einen gewissen Ermessensspielraum», sagt Käser. Und diesen Spielraum habe die Stadt nun gut zu wissen genützt. Wer mit dem Entscheid nicht glücklich ist, dem steht gemäss Käser der Rechtsweg offen. Beschwerdestelle wäre der Regierungsstatthalter. Ein allfälliger Entscheid wäre aber wohl frühstens für die nächste Meisterfeier von YB relevant. Bis zum erstinstanzlichen Entscheid dauert es jeweils einige Monate.

Für YB «die ideale Lösung»

Die Young Boys sind glücklich mit dem Entscheid der Behörden, wie Mediensprecher Albert Staudenmann auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. «Wir sind Stadt und Kanton sehr dankbar, dass sie nach konstruktiven Gesprächen diese ideale Lösung gefunden haben.»

Die Meisterfeier soll am frühen Nachmittag auf dem Bundesplatz beginnen. Geplant ist danach ein Autokorso durch die Innenstadt, wie Staudenmann sagte. Der Umzug endet im Stade de Suisse, dort gibt es ein grosses Fest mit Unterhaltung und Freinacht. Wie «heilig» Pfingsten in Zukunft sein wird, wird sich weisen. Das kantonale Gesetz über die Ruhe an öffentlichen Feiertagen wird zurzeit überarbeitet. So hat es der Grosse Rat verlangt. Künftig sollen die Gemeinden auch an hohen Festtagen unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmen vom Ruhegebot bewilligen können

Die Young Boys sicherten sich den Titel am vergangenen Samstag mit einem 2:1 daheim gegen den FC Luzern. Um den Termin der Meisterfeier war in den letzten Tagen viel spekuliert worden. Rechtlich auf jeden Fall unproblematisch wäre der Pfingstmontag gewesen, nur lag der für YB zeitlich zu nahe am Cupfinal YB-FCZ vom 27. Mai.

Ob noch einmal so eine Party ansteht? So hatten die Fans und Spieler am Samstag gefeiert.

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spr/sda

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