Wyss will Bern zur Velohauptstadt machen

Die Berner Verkehrsdirektorin Ursula Wyss hat gestern die Umsetzungsphase ihrer Velo-Offensive lanciert.

Velofahrer sollen künftig mehr Platz bekommen: Verkehrssituation auf der Standstrasse.

Velofahrer sollen künftig mehr Platz bekommen: Verkehrssituation auf der Standstrasse.

(Bild: Manu Friederich)

Adrian M. Moser@AdrianMMoser

Für einmal orientiert sich die Stadt Bern an den ganz Grossen: Kopenhagen, München, Amsterdam. «Breite Veloboulevards in attraktivster Lage», «durchgehende Velobahnen für den schnellen Berufsverkehr» und «Velospuren von drei Metern Breite und mehr» gebe es dort, heisst es im am Montag erschienenen Bericht zur Velo-Offensive der Berner Verkehrsdirektorin Ursula Wyss (SP). Wyss möchte, dass das auch in Bern Realität wird. Dafür wird sie in den kommenden Jahren keinen Aufwand scheuen.

Was vor einem Jahr als «verwaltungsinterner Prozess» begonnen hat, nimmt nun konkrete Formen an; mehr als 100 kleine und grosse Massnahmen sollen helfen, bis 2030 den Anteil des Veloverkehrs am Gesamtverkehr von 11 auf 20 Prozent zu erhöhen. Bern soll dann die Velohauptstadt der Schweiz sein.

Zusammen mit drei Chefbeamten aus drei Direktionen trat Wyss am Montag vor die Medien, um einmal mehr die Werbetrommel für ihr Prestigeprojekt zu rühren. Kern der Velo-Offensive bleibt der Ausbau der Infrastruktur für Velofahrende. Den Anfang soll im kommenden Jahr die Velohauptroute Wankdorf machen. Vom Bahnhof bis zum Wankdorfplatz sollen Velofahrende mehr Platz, durchgehend eine eigene Spur und streckenweise eine grüne Welle erhalten.

Von nun an will Wyss jedes Jahr eine weitere Hauptroute in Betrieb nehmen. Weitere Grossprojekte sind die Velobrücke Breitenrain-Länggasse (über die das Volk wird abstimmen können), zusätzliche Velostationen, die Fuss- und Veloverkehrspasserelle Ausserholligen und ein umfangreiches Veloverleihsystem. Hinzu kommen unzählige kleinere Infrastrukturmassnahmen.

«Es geht nicht darum, die Leute zu überzeugen.»Ursula Wyss (SP), Verkehrsdirektorin

In den nächsten zwei Jahren will Wyss ihre Pläne zusammen mit Interessenvertretern, Parteien und weiteren Betroffenen weiterentwickeln. Eine Volksabstimmung über die Velo-Offensive als Ganzes wird es voraussichtlich aber nicht geben.

Parallel zur Bereitstellung einer besseren Infrastruktur sollen die Bernerinnen und Berner mit einer ganzen Reihe weiterer Massnahmen zum Velofahren animiert werden. Geht es nach Wyss, wird in Bern eine Velokultur entstehen. Erst dadurch werde aus einer «velofreundlichen Stadt» eine «richtige Velostadt», heisst es im Bericht.

Besonders viel Aufmerksamkeit sollen bei diesen Bemühungen die Kinder bekommen. Es gibt nämlich ein Problem: Die Zahl der velofahrenden Kinder und Jugendlichen ging in den vergangenen Jahren zurück. Wyss will nicht weniger als eine Trendumkehr bewirken.

Schokolade für die Vorbildlichen

Dabei helfen sollen Velokurse für Kinder, Veloangebote in Ferienlagern, und eine Pumptrack-Roadshow. Pumptracks sind Bike-Rundkurse mit Wellen und Steilwandkurven, meist aus Erde aufgeschüttet. Das Sportamt will nun mit einer transportablen Version aus anderem Material die Schulhäuser abklappern, um die Jugendlichen für das Velofahren zu begeistern.

Für die Erwachsenen soll im Jahr 2017 eine Velo-Kampagne starten. Plakate mit Bildern von Velofahrenden sollen für die Velohauptstadt Bern werben, Herz-Kleber an Trams und Bussen zu gegenseitiger Rücksichtnahme aufrufen und vorbildliche Velofahrer mit Schokolade belohnt werden.

Wyss bemühte sich am Montag, den Eindruck zu vermeiden, sie wolle den Bernerinnen und Bernern etwas aufzwingen – mit diesem Vorwurf sieht sie sich etwa aus dem bürgerlichen Lager konfrontiert. «Wir wollen die Leute einladen, Velo zu fahren», sagte sie. Es gehe nicht darum, «die Leute zu überzeugen oder ihnen zu sagen, dass Velofahren etwas Gutes ist». Im Vorwort zum Bericht schreibt Wyss: «Das Velo ist für die Stadt das ideale Verkehrsmittel. Es ist schnell, günstig, gut für die Umwelt, hält gesund und steht für einen urbanen Lebensstil.»

Der Bund

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