Wyss schnappt sich das Familien-Thema

Stapi-Kandidatin Ursula Wyss schlägt vor, die Kita-Gutscheine grosszügiger zu verteilen. Damit tritt sie ins Gärtchen von Stapi-Kandidatin Franziska Teuscher.

Ursula Wyss schlägt grosse Änderungen im im städtischen Kinderbetreuungswesen vor.

Ursula Wyss schlägt grosse Änderungen im im städtischen Kinderbetreuungswesen vor. Bild: Adrian Moser

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Es ist erst ein paar Jahre her, dass die Berner Stimmbürger dem grundlegenden Umbau des städtischen Kinderbetreuungswesens zugestimmt haben. Trotzdem schlägt Gemeinderätin und Stadtpräsidiumskandidatin Ursula Wyss (SP) nun gewichtige Änderungen vor: Geht es nach ihr, sollen die Betreuungsgutscheine grosszügiger verteilt werden.

Zusätzlich sollen besonders Eltern mit mittlerem Einkommen mehr Geld für die familienexterne Kinderbetreuung bekommen. «Es gibt viele Leute, die nicht immer von 8 bis 17 Uhr arbeiten und deshalb eine gewisse Flexibilität brauchen», sagt Wyss. «Ihnen wäre geholfen, wenn man das Pensum der Gutscheine etwas erhöhen würde, zum Beispiel um einen halben Tag pro Woche.» Das Gutscheinsystem, das die Stimmbürger 2012 unterstützt haben, sieht vor, dass Eltern in der Stadt Bern dann Anrecht auf Kita-Subventionen haben, wenn sie zusammen mehr als 100 Prozent arbeiten und höchstens 157'000 Franken pro Jahr verdienen.

Bei einem Pensum von 140 Prozent zum Beispiel bekommen sie einen Gutschein für 40 Prozent, das heisst für zwei Tage pro Woche. Wyss möchte die Gutscheine aller Eltern um 10 Prozentpunkte erhöhen, also zum Beispiel von 40 auf 50 Prozent. Wyss, heute Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün, macht damit zweierlei. Erstens rüttelt sie am Grundprinzip des Gutscheinsystems: Eltern sollen gemäss dessen Befürwortern nur für jene Zeit Kita-Subventionen erhalten, in der sie unbedingt darauf angewiesen sind. Und zweitens tritt sie Franziska Teuscher (GB) ordentlich ins Gärtchen.

Teuscher möchte ebenfalls Stadtpräsidentin werden und ist als Direktorin für Bildung, Soziales und Sport heute für Kitas zuständig. «Der Idee, die familienexterne Kinderbetreuung zu stärken, stehe ich positiv gegenüber», sagt sie. Als Sozialdirektorin war sie nun aber einen Grossteil ihrer Amtszeit damit beschäftigt, das Gutscheinsystem einzuführen, und, wie sie sagt, «nach all den teils ideologischen Diskussionen wieder Ruhe in das Kita-Wesen zu bringen».

Nun erneut an der Kita-Finanzierung zu schrauben und besonders für die mittleren Einkommen mehr Geld bereitzustellen, hat für sie offenbar keine Priorität. «Mein Fokus bei der Kinderbetreuung liegt auf der Chancengleichheit», sagt sie. «Daher ist es mir wichtig, die Frühförderung auszubauen und mehr sozial benachteiligten Kindern den Besuch einer Kita zu ermöglichen.»

Kritische Gutschein-Befürworter

Die Befürworter des Gutscheinsystems äussern sich kritisch zu Wyss’ Vorschlägen. «Wir können uns vorstellen, die Gutscheine auch für weitere Tätigkeiten wie politisches Engagement oder die Pflege der Eltern zu vergeben», sagt GLP-Co-Fraktionspräsidentin Melanie Mettler.

«Aber einfach allen 10 Prozent mehr zu geben, ist nicht im Sinn des Systems. Der Gutschein ist nicht da, um Freizeit zu ermöglichen.» Ähnlich äussert sich Bernhard Eicher, Fraktionschef der FDP: «Die Kriterien zur Bemessung des Pensums wurden damals bewusst restriktiv gewählt. Es geht darum, Erwerbstätige und Leute in Ausbildung zu entlasten.» Ausserdem handle es sich um eine «typische SP-Forderung»: «Einfach mal mehr Geld fordern, ohne genau zu wissen, wofür.»

Ursula Wyss dürfte das egal sein. Sie markiert bei ihrer Wählerschaft Präsenz und demonstriert den Anspruch, auch bei Themen mitzureden, die weder in die Zuständigkeit der Tiefbaudirektorin noch in jene des Stadtpräsidenten fallen.

Ab Dienstag wird sie dabei auch ein «Elternkomitee» unterstützen: Eine Gruppe von (SP-)Eltern, darunter Nationalrätin Evi Allemann und Co-Generalsekretärin Flavia Wasserfallen, die «wissen, wovon sie reden» und in Wyss die Wunsch-Stadtpräsidentin der Berner Eltern sehen. Der Wahlkampf ist lanciert. (Der Bund)

Erstellt: 14.06.2016, 07:27 Uhr

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