«Wozu hat die Stadt überhaupt einen Vertreter im Stiftungsrat?»

Politischer Unmut in Sachen Konzert Theater Bern: Im Parlament gibt es Kritik an der Haltung der Stadt.

Die Nichtinformationspolitik bei der Absetzung von Stephanie Gräve wurde zum Fehler erklärt.

Die Nichtinformationspolitik bei der Absetzung von Stephanie Gräve wurde zum Fehler erklärt. Bild: Adrian Moser

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Er teile die Haltung des Stiftungsrats nicht, erklärte Stadtpräsident Alexander Tschäppät kurz nach dem Eklat vom 21. Januar: Die Öffentlichkeit habe sehr wohl einen Anspruch auf Information über die Gründe für die Absetzung von Stephanie Gräve, der Leiterin der Schauspielsparte am Stadttheater Bern.

Das war vor einem Monat. Diese Woche hat der Stiftungsrat seine Nichtinformationspolitik zum Fehler erklärt und den Schritt an die Öffentlichkeit gemacht: Er habe Gräve freistellen müssen, weil die Chemie zwischen ihr und ihrem Chef, Intendant Stephan Märki, unrettbar vergiftet gewesen sei.

Kein Handlungsbedarf

Am Donnerstag hat die Stadtregierung im Parlament Stellung zur Affäre Gräve genommen. Sie «begrüsst» es, dass der Stiftungsrat nun «mehr Transparenz hergestellt» habe, schreibt sie in der Antwort auf die kleine Anfrage, die die damalige Stadträtin Daniela Lutz-Beck (GFL) im Parlament eingereicht hat.

Zugleich bestätigt der Gemeinderat, was Alexander Tschäppät dem «Bund» schon nach dem Eklat erklärt hatte: Die Regierung habe über die Hintergründe der Absetzung zunächst so wenig gewusst wie die Öffentlichkeit. Erst am 1. Februar habe der Stiftungsrat den Stadtpräsidenten «grob» über die Hintergründe des Entscheids orientiert.

Bedeutet das Handlungsbedarf, aus Sicht der Stadt? Bei aller Kritik an der anfänglichen Informationspolitik des Stiftungsrats – nach der Kurskorrektur von dieser Woche sieht Tschäppät sein Anliegen erfüllt, wie er auf Anfrage erklärt: das «Öffentlichkeitsprinzip».

Er sieht auch kein Problem darin, dass die Stadt zunächst nicht besser informiert war als die Öffentlichkeit. In Personalentscheide mische sich die Subventionsgeberin ohnehin nicht ein. Das seien «operative Entscheide», so Tschäppät: «Der Stiftungsrat trifft sie, und er muss sie verantworten.» Zudem habe die Stadt einen Vertreter im Stiftungsrat, der die städtischen Interessen vertrete. Er sei aber so unabhängig wie der übrige Stiftungsrat.

Ruf nach Untersuchung

Anders sieht es Daniela Lutz-Beck, die die kleine Anfrage eingereicht hat: «Wozu hat denn die Stadt überhaupt einen Vertreter im Stiftungsrat?» Dessen Aufgabe sei es doch gerade, den Informationsfluss zum Subventionsgeber sicherzustellen.

Zudem habe die Stadt nicht nur ein Interesse, sondern auch eine Verantwortung, so Lutz, dass am Stadttheater mit den personellen und den finanziellen Mitteln «professionell» umgegangen werde. «Warum gab es im Konflikt zwischen Stephanie Gräve und Stephan Märki keine richtige Mediation?

Warum wurde das öffentliche Interesse an dieser Personalie derart unterschätzt? Diese Verantwortung konnten die Subventionsbehörden nicht wahrnehmen, weil ihre Vertreter im Stiftungsrat sie nicht informierten.»

Nicht zufrieden mit der Haltung des Gemeinderats sind auch die Organisatoren der Petition «Transparenz bei Konzert Theater Bern», die mittlerweile knapp 600 Unterschriften zählt.

Es sei «Aufgabe der Subventionsgeberin einzugreifen, wenn unternehmensinterne Vorgänge rufschädigend für KTB werden», hält das Komitee fest. Hinter den zwischenmenschlichen Friktionen, mit denen der Stiftungsrat die Freistellung Gräves begründe, verberge sich eine «Willkür», die in einem öffentlich subventionierten Kulturhaus nicht vorkommen dürfe. «Eine unabhängige Untersuchungskommission ist nötiger denn je.» (Der Bund)

Erstellt: 03.03.2016, 23:21 Uhr

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