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Worb: Neues Reglement schürt alte Ängste

Am 13. Juni stimmt Worb über das Bildungsreglement ab. Ein darin enthaltener Sonderartikel reisst alte Wunden auf: die unsichere Zukunft der Aussenschulen.

Worbs Parteien sind sich im Grundsatz einig: Das Bildungsreglement ist eine gute Sache. Bis auf Artikel 29. An diesem scheiden sich die Geister. Heissen die Stimmberechtigten das Reglement mit dem darin enthaltenen Sonderartikel am 13. Juni gut, so werden in Richigen, Enggistein und Vielbringen künftig noch so lange Klassen geführt, wie mittelfristig ein Bestand von mindestens 15 Schülern der 1. bis 6. Klasse gegeben sind. Bei den Gegnern des Reglements ist deshalb von «Salamitaktik» die Rede, davon, dass die Bestimmungen im neuen Worber Bildungsreglement «Tür und Tor zur Schliessung der Aussenschulen» öffnen. Die Befürworter loben das Reglement hingegen als Mehrwert für die Bildungsqualität und sehen in ihm weniger einen Abbau bei den Aussenschulen denn einen Abbau an Bürokratie.

SVP: «Schliessung in Tranchen»

Dezidiert gegen die Bestimmungen betreffend die Aussenschulen nimmt die SVP Stellung. Mit ihrer Forderung, wonach die Mindestschülerzahl statt der vom Gemeinderat vorgeschlagenen 15 Schüler auf 12 gesenkt werden soll, blitzte die Partei im Dezember im Parlament ab. In der Folge ergriff sie gegen das Bildungsreglement das Referendum. Das neue Bildungsreglement ziele auf eine «verdeckte Schliessung der Aussenschulen in Tranchen» und müsse daher noch einmal überarbeitet werden. «Wir sind nicht bereit, jetzt Schulen zu schliessen und Schulhäuser zu verkaufen, um später bei der Einführung der Basisstufe wieder Schulraum im Zentrum zu bauen», schreibt das Referendumskomitee in seiner Stellungnahme in der Abstimmungsbotschaft. Die Mindestschülerzahl pro Klasse soll bei 12 Schülern, wie vom Kanton Bern vorgegeben, belassen werden.

«12 Schüler wäre Traumlösung»

Guy Lanfranconi (FDP) vom «Komitee für gute Worber Schulen» zeigte kürzlich an einer Podiumsdiskussion wenig Verständnis für die Forderung der SVP. «12 Schüler wäre eventuell eine Traumlösung für die Aussenorte. Aber wir bestrafen damit Worb und Rüfenacht.»

Während zwar die kantonalen Richtlinien für die Mindestgrösse bei Klassen mit sechs Jahrgängen 12 Kinder vorsähen, verlange der Kanton aber auch, dass die durchschnittliche Klassengrösse pro Gemeinde zwischen 20 und 21 Kindern liege. Insofern hätte die Reduktion der Mindestschülerzahl zur Folge, dass die Klassen von Worb und Rüfenacht dies mit höheren Schülerzahlen kompensieren müssten.

Überhaupt gehe es bei der Abstimmung gar nicht um die Schliessung der Aussenschulen, sagte Lanfranconi. Schliesslich habe der Gemeinderat beschlossen, in den nächsten Jahren keines dieser Schulhäuser zu schliessen. Das «Komitee für gute Worber Schulen», in dem sich nebst der FDP auch EVP, Grüne und SP stark machen, kritisiert die Forderung des Referendumskomitees denn auch als «übertrieben und ungerecht». Auch rügte Lanfranconi das von der SVP gewählte Vorgehen als wenig durchdacht: Anstatt das Referendum zu ergreifen und damit zu riskieren, dass das Reglement am 13. Juni als Ganzes ersatzlos verworfen wird, hätte die SVP die «Abstimmungsvariante 12 Schüler» per Volksvorschlag fordern können.

Werde das Bildungsreglement nun an der Urne bachab geschickt, so stehe die Gemeinde vor einem Scherbenhaufen. Die im August 2008 erfolgte Revision des Volksschulgesetzes bedingt die Anpassung des bestehenden Schul- und Kindergartenreglements innert zweier Jahre. Wird das Bildungsreglement von den Stimmberechtigten verworfen, so muss ein neuer Vorschlag ausgearbeitet werden.

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