Wohl doch kein Asylzentrum auf dem Berner Kasernenareal

Bevor Verhandlungen über ein Bundesasylzentrum im Berner Breitenrainquartier beginnen konnten, wischt das VBS die Option nun vom Tisch.

Das VBS beansprucht das Berner Kasernenareal bis 2048 für sich. Platz für ein Bundesasylzentrum gibt es laut VBS deshalb nicht.

Das VBS beansprucht das Berner Kasernenareal bis 2048 für sich. Platz für ein Bundesasylzentrum gibt es laut VBS deshalb nicht. Bild: Valerie Chetelat

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Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) erteilt dem angedachten Asylzentrum auf dem Kasernenareal in der Stadt Bern eine Abfuhr: Bereits im Juli letztes Jahr hat das VBS den Waffenplatzvertrag mittels einseitiger Erklärung bis 2048 verlängert. Bis dahin bleibt das VBS also Mieter in den Kaserne-Räumlichkeiten des Kantons Bern. Das geht aus einer Antwort des Regierungsrats auf eine Motion hervor. In der Motion fordern die SP-Grossräte David Stampfli und Stefan Jordi, der Regierungsrat solle mit dem VBS Verhandlungen aufnehmen für eine Asylunterkunft auf dem Areal der Stadtberner Kaserne.

Solche Verhandlungen werden nun aber obsolet: Die Armee benötige den Standort weiterhin, um ihre Aufgaben erfüllen zu können, sagte VBS-Sprecher Lorenz Frischknecht am Dienstag gegenüber der «Berner Zeitung». Der Standort im Berner Breitenrainquartier kommt für ein Bundesasylzentrum in der angedachten Grösse von rund 350 Personen also nicht mehr infrage. Das VBS verlängerte den Vertrag, bevor eine Machbarkeitsstudie zum Kasernenareal überhaupt eingeleitet wurde.

VBS widerspricht Arbeitsgruppe

Dementsprechend ist die Arbeitsgruppe «Bundesasylzentrum Bern» von Bund, Kanton und Stadt nach wie vor auf der Suche nach einem geeigneten zweiten Standort.

Das Kasernenareal bleibt aber offenbar ein Thema.

Trotz des Dämpfers der vorzeitigen Vertragsverlängerung des VBS bleibt das Kasernenareal aber offenbar ein Thema in der Arbeitsgruppe, wie Claudia Mannhart, Generalsekretärin der Direktion für Bildung, Soziales und Sport, der BZ bestätigte. Es sei auch eine Teilnutzung denkbar, der Evaluationsprozess sei noch im Gang. Doch auch die Möglichkeit einer Teilnutzung wischt Frischknecht sogleich vom Tisch. Die Fläche werde für Ausbildungszwecke, für die Vorbereitung von Unterstützungseinsätzen sowie für Materialmagazine benötigt.

Bis 2023 muss ein zweites Zentrum her

An der gemeinsamen Asylkonferenz von Bund, Städten und Kantonen im März 2014 wurde beschlossen, dass im Kanton Bern bis 2023 mindestens zwei Bundesasylzentren realisiert werden müssen. Eines davon ist in der Gemeinde Kappelen nach baulichen Anpassungen bereits bereit. Bis 2021 wird ein Erweiterungsgebäude gebaut, dann bietet es Platz für 270 Asylsuchende.

Das zweite Zentrum wollte der Bund zuerst in der Nachbargemeinde Lyss errichten, in nur rund 800 Meter Entfernung zum Zentrum in Kappelen. Die Gegenwehr der Gemeinde stiess auch beim Kanton auf Verständnis. Der Regierungsrat erklärte im Herbst 2017, von Lyss als Standort für das zweite Asylzentrum abzusehen. Mit der Abfuhr des VBS bleibt Lyss nun aber bis auf weiteres im Sachplan des Bundes und wird als Möglichkeit weiterhin in Betracht gezogen.

Weil aber 2023 auch die Zwischennutzung auf dem Areal des ehemaligen Zieglerspitals endet, wo derzeit Asylsuchende untergebracht werden, muss eine Alternative her für einen zweiten Standort. Sonst könnte der Kanton Bern seinen Verpflichtungen aus der Asylkonferenz nicht nachkommen.

In diesem Zug brachte Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) das Kasernenareal in der Stadt Bern für ein Bundesasylzentrum ins Spiel. Die Bevölkerung in der Stadt sei offen gegenüber Flüchtlingen, begründete Teuscher damals ihren Vorschlag. (Der Bund)

Erstellt: 06.02.2019, 11:42 Uhr

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