«Wo ich hinkam, sah ich Nein-Plakate»

Stadtpräsident Alexander Tschäppäts Reaktion auf das Ja zur Viererfeld-Vorlage

Herr Tschäppät, haben Sie mit einer Annahme der Zonenplanänderungen Viererfeld und Mittelfeld gerechnet?
Ich wäre unehrlich, wenn ich sagen würde, ich hätte einen ruhigen Sonntag gehabt. Ich hatte Angst, weil die Gegnerpropaganda massiv war und zum Teil mit unehrlichen Argumenten operiert wurde. Wo ich hinkam, sah ich Nein-Plakate. Umso erleichterter bin ich, dass die Ja-Argumente obsiegt haben, die zum Glück parteiübergreifend waren.

Eines der unehrlichen Gegner-Argumente war wohl: «Mit dem Viererfeld will sich Tschäppät ein Denkmal setzen.»
Das ist läppisch. Der Wohnungsbau auf dem Viererfeld ist ein sehr altes Anliegen. Das hat nichts damit zu tun, dass ich mir ein Denkmal setzen möchte. Es hat etwas mit einer fortschrittlichen Stadtentwicklung zu tun. Gemäss Raumplanungsgesetz und kantonalem Richtplan soll dort gebaut werden, wo es bereits Infrastrukturen gibt.
Das Viererfeld ist genau der richtige Ort dafür: Es ist gut erschlossen und bahnhofsnah. Mit mir persönlich hat das nichts zu tun. Aber ich gebe zu: Es freut mich natürlich, dass dieses Geschäft am Schluss meiner Amtszeit noch zu einem Ja geführt werden konnte.

Was lief im Abstimmungskampf anders als beim ersten Urnengang 2004, als es ein knappes Nein gab?
Vor zwölf Jahren war die Gegnerschaft ähnlich präsent wie heute. Die Befürworter hingegen waren praktisch nicht präsent. Das ist der grosse Unterschied: Damals hat man die Gegner unterschätzt und nicht viel getan, um die Stimmbevölkerung von einem Ja zu überzeugen.

Die Länggasse als Standort des Viererfelds sagte mit 54,5 Prozent Nein zur Umzonung. Gibt es dort zu wenig Grün?
Die Länggasse hat zu wenig Grünflächen. Aber das Viererfeld ist heute eben nicht der Naherholungsraum der Länggasse, sondern landwirtschaftlich genutztes Land. Ich bin überzeugt, dass die Bewohner der Länggasse dereinst vom Stadtpark profitieren können und daher froh sein werden, dass die Stadt als Ganzes Ja zur Umzonung gesagt hat.

Die Überbauung des Viererfelds ist im Sinne einer Ausnahme vom Raumplanungsgesetz möglich. Wird die Stadt weitere grüne Wiesen überbauen oder auf innere Verdichtung setzen?
In der nächsten Zeit stehen mit dem Gaswerkareal, dem Weyermannshaus und Wankdorf-City keine grünen Wiesen zur Überbauung an. Um grüne Wiesen wird es in Brünnen-Süd oder in Wittigkofen gehen. Aber das wird noch ein, zwei Jahrzehnte dauern.

Köniz sagt Ja zur inneren Verdichtung, Muri hat ein Einzonungsmoratorium beschlossen und die Stadt Bern baut auf grünen Wiesen. Eine ungleiche Entwicklung.
Viele Vorortsgemeinden wollen nicht mehr wachsen. Der Kanton gibt aber ein Wachstum von zwölf Prozent vor. Die Stadt Bern kann wachsen und ist zu über 50 Prozent nicht überbaut. Wir haben noch riesige Landreserven.

Einige Gemeinden im Raum Bern wollen die Ziele des Kantons erfüllen, andere nicht?
Das ist offensichtlich. Damit wird es dem Kanton Bern kaum gelingen, seine Finanzbelastung durch eine moderates Wachstum zu verringern.

bob/mer

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