«Wir wollen kein Providurium»

Die Bar au Lac am Berner Egelsee ist seit einer Woche geöffnet. Aus dem Quartier kommen die meisten Besucher, aber auch kritische Stimmen: Die Interessengemeinschaft Egelsee fürchtet Lärm und Abfall.

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Auf dem Vorplatz des ehemaligen Entsorgungshofs am Berner Egelsee sitzen drei Frauen auf roten Stühlen unter Sonnenschirmen und farbigen Girlanden. Um die Tische herum stehen Kisten und Harassen mit Blumen. Von hier hat man einen guten Blick auf den idyllischen Moränensee. Nur der Autolärm der Muristrasse im Rücken beeinträchtigt die gemütliche Atmosphäre. Die Frauen bestellen drei Salate mit Ziegenfrischkäse aus dem Eriz, dazu kalte Getränke: Die seit dem 30. Juni geöffnete Bar au Lac – es tönt wie eine Anspielung auf das Zürcher Nobelhotel Baur au Lac – in den Innenräumen des früheren Entsorgungshofs bietet leichte Speisen an, passend zur heissen Jahreszeit. Zwar ist der Betrieb nur im Sommer geöffnet – aber Widerstand hat sich bereits gebildet.

Die Interessengemeinschaft Egelsee – laut Mitglied Thomas Probst besteht sie aus Anwohnerinnen und Anwohnern des Egelsees – wehrt sich gegen Vandalismus, Littering und die «regelmässige kommerzielle Nutzung des Areals am Egelsee bis in die späten Abendstunden». Probst ist neben Ulla Steiner einer der Initianten der IG, zu der rund zehn Personen gehören, unter ihnen ein Mitglied des Angler- und Fischervereins Bern (AVB). Dieser reichte ebenfalls bereits Beschwerde ein. Doch Probst sagt: «Wir grenzen uns klar vom Fischerverein ab.»

Noch keine Beschwerden

Die Gruppe ist neu, die Kritik aber bekannt. Die Gastronomen der Caffè Bar Sattler aus der Länggasse wollten bereits letzten Sommer an den Egelsee expandieren – gedacht als Zwischennutzung des ehemaligen Entsorgungshofes. Nach nicht bewilligungsfähigen Baugesuchen und Einsprachen von Anwohnern und dem Angler- und Fischerverein Bern zog der Sattler das letzte Baugesuch zurück. Der Fischerverein befürchtete vermehrte Lärmemissionen und Littering.

Inzwischen hat Regierungsstatthalter Christoph Lerch die Bewilligung für eine dreimonatige Zwischennutzung in den Innenräumen erteilt: Die Bar au Lac ist geboren. Darüber ist der Angler- und Fischerverein Bern nicht erfreut. Seit der Eröffnung wurden jedoch noch keine Beschwerden vonseiten des Vereins eingereicht. «Nach einer Woche kann man auch noch keine Bilanz ziehen», sagt Vereinspräsident Ronald Sonderegger.

Ein warmer Empfang

Während sich die einen Anwohner an einem kommerziellen Gastrobetrieb stören, nehmen die andern das Angebot der neuen Bar gerne in Anspruch. «Das Quartier hat uns einen warmen Empfang bereitet», sagt Micha Flach, Co-Geschäftsführer der Caffè Bar Sattler. Es seien vor allem Leute aus der Schosshalde, die hier einen gemütlichen Abend verbrächten – die Rückmeldungen seien sehr positiv. Am Mittag ist die Kundschaft noch überschaubar. In den Innenräumen des ehemaligen Entsorgungshofes sind fast alle Plätze frei. Trotzdem ist Flach zufrieden: «Um die Mittagszeit ist bis jetzt nie viel los – die meisten kommen zwischen fünf und zehn Uhr abends.»

Diskussion am runden Tisch

Auch wenn von ihrer Seite noch keine Beschwerden gegen die Bar au Lac eingegangen sind, will die IG an einem runden Tisch die Zwischennutzung kritisch begleiten. Gestern Freitag kamen die Vertreter von Stadt, Bar au Lac und Einsprecher zusammen. Nach dem Treffen ist für Probst aber immer noch vieles unklar. Zum Beispiel, was nach der Zwischennutzung passiert. «Wir wollen auf jeden Fall verhindern, dass aus der Zwischennutzung ein Providurium wird», sagt Probst. Die Interessengemeinschaft übt nach wie vor Kritik an der Stadt Bern. Für die dreimonatige Zwischennutzung musste vom Sattler kein Baugesuch eingereicht werden. Somit wurde ein weiteres Baubewilligungsverfahren umgangen. «Das macht es viel schwieriger, Einsprache einzulegen», bedauert Probst. «Wir beurteilen das Vorgehen der Stadt als fragwürdig.» Micha Flach hofft aber dennoch, dass der Betrieb nach den drei Monaten weitermachen kann. «Mit dem runden Tisch wollen wir natürlich im Gespräch bleiben», betont er.

Der Bund

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