«Wir werden die Fehler der rot-grünen Regierung aufdecken»

Die SVP konnte im Berner Stadtrat zwei Sitze gewinnen. Einer geht an Grossrat Erich Hess. Doch die Partei kannte auch Verlierer wie Alt-Stadtrat Henri-Charles Beuchat.

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Gianna Blum

Bittere Ironie für Henri-Charles Beuchat: Der Kaufmann war schon einmal für die CVP im Stadtrat, die Wiederwahl auf der SVP-Liste ist ihm aber nicht gelungen, obwohl er rein numerisch mehr Stimmen geholt hat als 2008. «Ich bin schon ein bisschen enttäuscht», sagt er gegenüber DerBund.ch/Newsnet, «das ist normal. Ich bin mit dem Ziel angetreten, gewählt zu werden.»

Beuchat war 2008 für die CVP in den Stadtrat gewählt worden, im Februar dieses Jahres ist er aber von allen Ämtern zurückgetreten. Dies einerseits aus Protest über den Umgang der Aufsichtskommission mit dem Disziplinarverfahren um Finanzinspektor Büschi, andererseits gab er damals an, seine Prioritäten im geschäftlichen Bereich setzen zu wollen. Bei der SVP hat Beuchat nun eine neue Heimat gefunden; dass sein Parteiwechsel sein Wahlergebnis beeinflusst hat, glaubt er nicht: «Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich bei der SVP sehr gut getragen worden bin. Mit den programmatischen Inhalten der SVP bin ich sicher am richtigen Ort.»

Beuchat bleibt aktives Parteimitglied

Die Motivation für eine erneute Kandidatur sei aus seinem Umfeld gekommen, sagt Beuchat, «mir wurde oft gesagt, es braucht Menschen die sich für eine Sache einsetzen.» Sein Engagement für die Politik komme stark davon, dass er sein Umfeld gerne mitbestimme.

Obwohl sein Fokus nach wie vor im geschäftlichen Bereich liege, will Beuchat in der Stadtpolitik aktiv bleiben: «Ich habe von Anfang an gesagt, egal wie die Wahl ausgeht, ich engagiere mich weiter, jetzt erst recht», sagt er. Er werde ein aktives SVP-Mitglied bleiben und sich nun auf die Parteiarbeit konzentrieren. Denn innerhalb der SVP gebe es genügend Möglichkeiten, sich zu engagieren.

Hess kehrt zurück

Derweil zählt Beuchats Parteikollege, SVP-Grossrat Erich Hess, zu den Gewinnern: Er kehrt zurück in das Berner Stadtparlament. Der umtriebige Präsident der Jungen SVP sass bereits zwischen 2005 und 2010 im Stadtrat, musste das Mandat aber wegen seiner Wahl in den Grossen Rat vor zwei Jahren abgeben: Ein Ehrenkodex der SVP fordert, dass Parteimitglieder nicht in beiden Räten vertreten sind. «Ein Ehrenkodex war das in dem Sinne nie», sagt Hess gegenüber DerBund.ch/Newsnet. «Die Parteileitung kann solche Ausnahmen genehmigen – das hat sie auch dieses Mal wieder gemacht.» Dass er von seinem hinteren Listenplatz die Wahl in den Stadtrat geschafft hat, habe ihn «sehr überrascht». Ein Problem in der Vereinbarkeit eines Doppelmandats sieht Hess nicht.

Nun ist Hess motiviert für die Arbeit in der Stadtpolitik: «Wir müssen der rot-grünen Regierung in der Stadt Bern etwas entgegenhalten», so Hess. «Es ist wichtig, dass man eine starke Oppositionskraft im Stadtrat hat.» Für eben diese Haltung wurde der SVP-Politiker von seiner Fraktion während seiner früheren Stadtratszeit stark kritisiert – er zwinge der Partei einen zu harten Oppositionskurs auf, bei einer Wiederwahl müsse er sich mehr unterordnen.

Kritik, die Hess nicht nachvollziehen kann: «Ich habe mich immer untergeordnet, wenn es für die Partei nötig war», sagt er, für ihn sei das kein Problem. Leise wird Hess aber auch auf Stadtberner Ebene kaum sein: «Ich werde sicher weiter klipp und klar meine Meinung sagen, wie man das von mir kennt», sagt er, schliesslich erwarteten das seine Wählerinnen und Wählern. Um die zukünftige Zusammenarbeit in der Fraktion macht sich Hess keine Sorgen. «Ich glaube, dass die Fraktion gut zusammengesetzt ist», meint er, «wir werden geschlossen die Fehler der rot-grünen Regierung aufdecken und bessere Alternativen aufzeigen.» Einer dieser Fehler liegt für ihn in der Finanzpolitik. «Die Stadt hat ihr Tafelsilber verscherbelt», kritisiert Hess, «jetzt müssen wir anfangen zu sparen.»

DerBund.ch/Newsnet

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