«Wir suchen Konsumenten, die regelmässig kiffen»

Die Stadt Bern sucht einen Weg, Cannabis legal zu verkaufen. Die Uni Bern will mit einer Umfrage herausfinden, wer bereit wäre, bei der nötigen Studie mitzumachen.

Die Universität Bern sucht Kiffer, die an einer Studie zum Verkauf von Cannabis in Apotheken teilnehmen. (Symbolbild)

Die Universität Bern sucht Kiffer, die an einer Studie zum Verkauf von Cannabis in Apotheken teilnehmen. (Symbolbild) Bild: Thomas Egli

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Im Vorfeld des Versuchs, Cannabis in speziellen Apotheken zu verkaufen, führt die Universität Bern zusammen mit den Universitäten Basel, Genf und Zürich eine Online-Umfrage zum Cannabis-Konsum durch. Regen Sie damit nicht vielmehr zum Kiffen an?
Die Umfrage richtet sich an Menschen, die bereits Cannabis konsumieren. Ich glaube nicht, dass jemand dadurch motiviert wird, mehr oder weniger zu kiffen. Mit dem Ausfüllen der Umfrage allein kommt man nicht an Cannabis heran. Bei der Anmeldung zur eigentlichen Studie werden wir aber genau hinschauen.

Wie werden Sie das tun?
Die Leute müssen bei der Anmeldung zur Studie Fragen zu ihrem bisherigen Konsum beantworten. Wir wollen herausfinden, ob sie eher leichte oder eher schwere Konsumenten sind. Zusätzlich werden wir eine Haarprobe analysieren.

Was ist genau das Ziel der aktuellen Online-Umfrage, im Vorfeld des Versuchs?
Wir wollen damit abtasten, wie hoch die Bereitschaft ist, an einer Studie zum regulierten Cannabis-Verkauf in Apotheken, wie wir sie planen, teilzunehmen. Wir wollen herausfinden, wie viele mitmachen würden und unter welchen Bedingungen.

Dann wird die Studie aufgrund der Online-Umfrage formuliert?
In Bern ist das Studienprotokoll schon sehr weit fortgeschritten. Wir haben bereits Kommentare von der Ethikkommission zurückerhalten. Aber je nachdem, was wir aus der Online-Umfrage erfahren, werden wir unsere Studie anpassen. Die Umfrage hilft uns, die Studie zu verbessern.

Kann die Umfrage auch dazu führen, dass die Studie abgebrochen wird?
Ja, das ist nicht ausgeschlossen. Wenn wir sehen, dass die Studie nicht so machbar ist, wie wir sie uns vorstellen, müssen wir sie neu entwerfen. Das wäre etwa der Fall, wenn die Umfrage zeigt, dass andere Leute bei der Studie mitzumachen bereit sind, als wir uns wünschen. Wenn etwa vor allem Menschen mitmachen möchten, die Cannabis aus medizinischen Gründen konsumieren. Mit ihnen könnten wir die Fragestellung der Studie nicht gut beantworten.

Wer sollte also mitmachen?
Wir suchen Konsumenten und Konsumentinnen, die regelmässig kiffen, aber keinen problematischen Umgang mit der Substanz haben: Freizeitkiffer. Denn wir wollen herausfinden, wie sich der Freizeitkonsum von Cannabis besser organisieren lässt und sich der Schaden vermindern lässt. Wir gehen davon aus, dass der Staat das Kiffen nicht unterbinden kann. Aber die Situation mit den Schwarzmärkten ist problematisch. Darum wollen wir herausfinden, was geschieht, wenn Cannabis nicht mehr auf dem Schwarzmarkt gekauft werden muss. Die Studienteilnehmer werden pro Monat etwa 25 Gramm in einer Apotheke kaufen können.

Dann können die Studienteilnehmer in der Apotheke auch die ganze Monatsration als Stoff für die Party holen?
Theoretisch ja. Die 25 Gramm Cannabis, die ein Teilnehmer pro Monat zugutehat, kann er auch zusammen mit Freunden auf einmal konsumieren. Allerdings können pro Kauf nur 5 Gramm bezogen werden. Wir wollen wissen, was geschieht, wenn die Leute eine Alternative zum Schwarzmarkt haben. Wenn wir aber zum Beispiel von den Schulen erfahren, dass sie viel mehr bekiffte Schüler haben, seit die Studie läuft, dann müssen wir reagieren. Die Studie kann auch zeigen, dass Cannabis nicht reguliert verkauft werden sollte. Als Wissenschaftler sind wir offen für den Ausgang der Studie.

Eine Frage ist, ob die Teilnehmer und Teilnehmerinnen bereit wären, für die Dauer der Studie ihren Fahrausweis abzugeben. Was machen Sie, wenn niemand sagt, er wäre dazu bereit?
Wir haben intern noch nicht entschieden, ob wir von den Teilnehmenden verlangen sollen, dass sie den Fahrausweis abgeben. Mit der Umfrage wollen wir herausfinden, wie hoch die Bereitschaft dazu wäre.

Dann ist es gar nicht zwingend, dass sie für die Dauer der Studie auf den Führerschein verzichten?
Bekifft fahren ist illegal, weil es gefährlich ist. Das gilt auch bei Alkoholkonsum. Aber wer ab und zu ein Glas Wein trinkt, muss seinen Fahrausweis nicht abgeben. Er oder sie soll das Auto zu Hause lassen. Dasselbe gilt für den Cannabis-Konsum. Wer gekifft hat, darf zwei Tage lang kein Auto steuern. Es ist somit nicht zwingend, dass die Studienteilnehmer ihren Führerschein abgeben. Wir gehen davon aus, dass die Studienteilnehmer sich wie mündige Erwachsene verhalten. Tun sie es nicht, müssen sie die Konsequenzen tragen.

Laut Betäubungsmittelgesetz ist Cannabis-Konsum illegal. Erhält die Polizei Zugriff auf die Daten der Studie, wie eine Frage in der Online-Umfrage vermuten lässt?
In Bern ist klar, dass die Daten derer, die an der Studie teilnehmen, nicht zur Polizei gelangen. Denn die Gesetze gelten weiterhin. Den Studienteilnehmenden wird lediglich erlaubt sein, eine bestimmte Menge Cannabis in einer bestimmten Apotheke zu kaufen und dieses zu Hause zu konsumieren. Alles andere bleibt auch für sie illegal. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.11.2016, 18:10 Uhr

Matthias Egger ist Direktor des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin, das die Studie zum Cannabis-Verkauf in Berner Apotheken leiten wird. (Bild: zvg)

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