«Wir müssen eine zweite Schicht einführen»

Die grösste Swatch-Tochter beliefert immer weniger Händler – eröffnet dieses Jahr in den USA und Asien aber 25 neue Boutiquen. Omega-Chef Stephen Urquhart im Interview.

Adrian Sulc@adriansulc

Herr Urquhart, weshalb kaufen sich Jahr für Jahr hunderttausend Menschen eine teure Omega?

Wir sind der offizielle Zeitnehmer der Olympischen Spiele, die Nasa-Astronauten auf dem Mond trugen Omega-Uhren, das spricht für uns. Zudem bauen wir neue Uhrwerke mit unserer Co-Axial-Hemmung, was unsere Uhren wohl zu den verlässlichsten und entwickeltsten überhaupt macht. Aber kaum jemand wird die Uhr nur wegen des raffinierten Werks kaufen. Sie verkaufen nicht nur eine teure Uhr, sondern eine Geschichte dazu . . .

Sehen Sie, wer heute in ein Omega-Geschäft kommt, benötigt keine Uhr, um die Zeit abzulesen. Aber er oder sie mag unsere Marke.

Weshalb haben Sie die Rezession vergleichsweise gut überstanden?

In der Krise waren wir – wie die ganze Swatch-Gruppe – sehr konsistent. Wir haben die Preise nicht gesenkt. Wir gerieten nicht in Panik, wir hielten die Produktion aufrecht und behielten unsere Angestellten. Das war eine starke Botschaft. In unseren eigenen Boutiquen, wo es keine Rabatte und kein Gemauschel gab, haben wir in den USA sogar 2009 an Umsatz zugelegt. Das Geschäft in den Staaten schrumpfte damals aber insgesamt, weil die Uhrenhändler keine Kredite erhielten, um ihre Lager zu füllen.

Deshalb verfolgen Sie nun die Strategie, mehr eigene Läden zu betreiben und weniger Händler zu beliefern? Vor zehn Jahren belieferten wir 8000 Händler, heute nur noch 3000. Als grosse Marke mit einer grossen Geschichte brauchen wir einen eigenen Rahmen. Ende 2000 haben wir an der Zürcher Bahnhofstrasse unsere erste eigene Boutique eröffnet. Heute haben wir weltweit 80 eigene Geschäfte. Das war eine wichtige Entscheidung. Das Personal muss Omega gut kennen – denn dank dem Internet wissen die Kunden unglaublich viel über unsere Uhren. In den USA gab es Händler, bei welchen das Personal nicht einmal wusste, welche Uhren mechanisch und welche batteriebetrieben sind.

Und Sie bauen das Omega-eigene Vertriebsnetz weiter aus?

Ja, in den USA wollen wir dieses Jahr 15 neue Omega-Boutiquen eröffnen, 10 gibt es dort bereits. Wir fahren fort in Asien – insbesondere China und Indien. Dort werden es wohl 10 Geschäfte sein. Also mindestens 25 neue Geschäfte dieses Jahr. Wir lassen uns aber Zeit. In Frankfurt etwa sind wir seit fünf Jahren auf der Suche nach dem richtigen Standort. Wir eröffnen die Boutiquen nicht bloss, um dort Werbung zu machen. Sie müssen profitabel sein.

Aber wird das letztjährige Wachstum von Omega anhalten?

Wir erwarten auch ein Wachstum für dieses Jahr. Auch die langsameren Märkte wie die USA sind wieder im Kommen. Es gibt jedoch Unsicherheiten bezüglich der Wechselkurse und des Goldpreises.

Doch Sie stocken Ihre Produktion auf . . .

Ja, in der Produktion in Saint-Imier müssen wir 2011 aufgrund der grossen Nachfrage eine zweite Schicht einführen.

Sie haben Ihren Hauptsitz und den Grossteil der Produktion im Kanton Bern – wird dem so bleiben?

Die Geschichte von Omega begann, als die Söhne des Firmengründers 1880 von La-Chaux-de-Fonds nach Biel hinunterzogen. Wir sind hier zwischen der industriellen Deutschschweiz und den Uhrmacherkantonen der Westschweiz – auch wenn Biel nicht weltbekannt ist, das ist unser Zuhause, und wir werden unseren Sitz hier ausbauen.

Ist es überhaupt sinnvoll, heute mechanische Uhren noch weiterzuentwickeln?

Man kann immer noch etwas verbessern. Wir überprüfen die Materialzusammensetzung für Uhren und Uhrwerke. Zum Beispiel gibt es eine Nachfrage nach mechanischen Uhren für Frauen. Sie mussten bisher meist auf Quarzuhren oder mechanische Männeruhren ausweichen. Nun haben wir unsere mechanische «Ladymatic» lanciert.

Der Bund

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