«Wir erwarten von der Polizei, dass sie deeskalierend eingreifen kann»

Berns Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) kritisiert sowohl Polizei als auch die Krawallmacher vor der Reitschule. Er will auf der Schützenmatte «keinen rechtsfreien Raum».

Alec von Graffenried (GFL) ist von den jüngsten Ereignissen auf der Schützenmatte enttäuscht.

Alec von Graffenried (GFL) ist von den jüngsten Ereignissen auf der Schützenmatte enttäuscht. Bild: Franziska Rothenbühler

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Das Neustadtlab soll die Situation auf der Schützenmatte beruhigen. Das hat nun nicht geklappt. Was ist geschehen?
Vorab: Was geschehen ist, ist eine bodenlose Enttäuschung. Zum Ereignis selbst habe ich aber noch nicht alle Fakten. Etliches ist noch unklar, und wir müssen viele Abklärungen treffen.

Was ist noch unklar?
Wir müssen den genauen Ablauf des Ereignisses kennen. Wir hören uns von der Reitschule die Vorwürfe an die Polizei an. Der Draht zur Reitschule ist offen. Dann muss die Polizei zu den Vorwürfen Stellung nehmen können. Bisher hatten wir noch keine Rücksprache mit der Polizei. Aber wir werden als Gesamtgemeinderat mit ihr sprechen, sobald sie das Ereignis aufgearbeitet hat.

Hat das Neustadtlab als deeskalierende Pufferzone versagt?
Die Polizei muss ihre Arbeit machen können. Wenn eine Polizeipatrouille nicht über die Schützenmatte gehen kann, stimmt etwas nicht. Es gibt keinen rechtsfreien Raum, das akzeptieren wir nicht. Hingegen erwarten wir von der Polizei, dass sie deeskalierend eingreifen kann. Das ist ihr offenbar nicht gelungen. Die Lage ist eskaliert. Das darf nicht passieren.

Ist durch das Ereignis die Zukunft des langjährigen Neustadtlabs infrage gestellt?
Nein, diese Frage stellt sich nicht. Es gibt keinen Hinweis, dass die Lage wegen des Neustadtlabs eskaliert ist. Für die Zukunft müssen aber die Vorfälle vom Samstag dahingehend berücksichtigt werden, dass solche Situationen nicht mehr vorkommen.

Die revolutionäre Jugend spricht von einem Kampf um den Platz: Ist das so?
Nein, das ist nicht so. Wir wollen, dass auf dem Platz Aktivitäten stattfinden können und dass Menschen dort in den Ausgang gehen können. Wir wollen auf dem Vorplatz keine Drogendealer haben, und die Situation dort soll organisiert und betreut sein. Das ist das erklärte Ziel, das wir erreichen können.

Jugendliche provozierten mit Wasserballonen, die Polizei antwortete mit Gummischrot: Das ist doch unverhältnismässig. Was sagen Sie dazu?
Ich habe aber auch gehört, dass die Polizei nicht bloss mit Wasserballonen beworfen wurde, sondern dass man versuchte, sie zu vertreiben. Wir müssen die Ereignisse untersuchen.

Kritiker werfen der Polizei vor, sie habe in eine Menge Unbeteiligter geschossen und auch nicht mit dem Megafon kommuniziert. Riskiert sie damit nicht verletzte Unbeteiligte?
Die Polizei soll verhältnismässig handeln. Sie kennt ihre Regeln und hält sich daran. Wenn sich der Einsatz, auch der Einsatz des Gummischrots, als nicht verhältnismässig herausstellen sollte, dann war es ein Fehler. Dasselbe gilt für die Aufforderung, den Platz zu verlassen. Die Polizei fordert Anwesende immer auf, eine solche Situation zu verlassen. Ich gehe davon aus, dass sie das auch am Samstag gemacht hat. Wenn es nicht geschehen ist, müssen wir herausfinden, warum nicht.

Ihre Kinder sind manchmal auch in der Reitschule. Haben Sie keine Angst um sie?
Nein. Es waren am Samstag viele Leute unterwegs, und man konnte sich jederzeit entfernen. Zudem sind meine Kinder längst erwachsen.

Welchen Auftrag hat die Kantonspolizei vom Gemeinderat auf der Schützenmatte?
Sie hat den gleichen Auftrag wie in der ganzen Stadt. Sie soll Präsenz zeigen. Wenn es mehr Leute hat, wie an einem Samstagabend, muss sie sich mehr zeigen. Die Menschen sollen wissen, wohin sie sich wenden können, wenn etwas geschieht. Darum darf die Polizei nicht unsichtbar sein. Sie soll auch den Menschen im Ausgang ein Sicherheitsgefühl vermitteln.

Reitschule und Kommentarschreiber werfen der Polizei vor, der Einsatz sei geplant gewesen: Kastenwagen standen bereit, Gummischrot war mit Grussbotschaften bemalt. Wird der Gemeinderat den Vorfall untersuchen lassen?
Das kann ich noch nicht sagen. Zuerst werden wir die Frage im Gemeinderat diskutieren. Unter Umständen kommt vom Stadtrat ein entsprechender Auftrag. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.09.2018, 16:40 Uhr

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