Will Bern den Cupfinal zurück?

Stadtpräsident Alec von Graffenried möchte den Cupfinal zurück in Bern. Doch Sicherheitsdirektor Reto Nause warnt vor den Kosten und bevorzugt einen Turnus mit Zürich, Basel und Genf.

Bilder, die Nause nicht mehr sehen will: Bei den Fanmarschen vor dem Cupfinal 2014 kam es zu Ausschreitungen.

Bilder, die Nause nicht mehr sehen will: Bei den Fanmarschen vor dem Cupfinal 2014 kam es zu Ausschreitungen. Bild: Tobias Anliker (Archiv)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es war während Jahrzehnten ein fixer Termin im Schweizer Fussballjahr: der Cupfinal in Bern. Von 1937 bis im Jahr 2000 fand er ununterbrochen im alten Wankdorfstadion statt. Der Bruch kam mit dem Stadioneubau zwischen 2001 und 2005: In dieser Zeit fand das Endspiel im Basler St.-Jakob-Park statt, von 2006 bis 2015 gastierte der Grossanlass in unregelmässiger Abfolge im Stade de Suisse oder im Basler St.-Jakob-Park. Die letzten beiden Austragungen schliesslich fanden in Zürich und Genf statt, nachdem der Schweizerische Fussballverband (SFV) angekündigt hatte, den Grossanlass künftig im Rotationsprinzip an die Städte mit den grossen Stadien vergeben zu wollen.

«Gesamtpaket stimmt nicht»

Bern indessen kam seit dem Final von 2014 nicht mehr zum Zug: Damals war es vor dem Spiel FCB - FCZ am Ostermontag im Rahmen von Fanmärschen zu Ausschreitungen in der Innenstadt gekommen, der SFV und die Stadt Bern haben das Heu seither offenkundig nicht mehr auf derselben Bühne: Die Stadt liess durchblicken, an weiteren Cupfinals vorerst nicht interessiert zu sein – und SFV-Exponenten betonten mehrfach, sich in Bern «nicht mehr willkommen» zu fühlen. Streitpunkt zwischen Stadt und Verband war und ist dabei, welchen Anteil an den Sicherheitskosten ausserhalb des Stadions der SFV als Organisator zu tragen hat. Das Gesamtpaket der Stadt Bern habe in den letzten Jahren diesbezüglich «nicht mehr gestimmt», sagt dazu SFV-Mediensprecher Marco von Ah diplomatisch.

Doch bevor der SFV-Zentralvorstand am 26. Januar über die Vergabe des Cupfinals 2018 entscheidet, scheint nun Bewegung in die Sache zu kommen. Den Anstoss dazu geben die 27 Berner National- und Ständeräte im Bundeshaus. In einem Brief, den der «SonntagsBlick» heute publik machte, fordern sie vom zuständigen Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP), mit den Verantwortlichen des SFV das Gespräch zu suchen «und alles daran zu setzen, dass wir im nächsten Jahr den Cupfinal in der Stadt Bern feiern können».

Initiant des Schreibens ist SP-Nationalrat Corrado Pardini: «Es ist klar, dass der Cupfinal in die Bundesstadt gehört», sagt der bekennende YB-Fan. In allen bedeutenden Fussball-Ländern finde das Cup-Endspiel in der Hauptstadt statt. Bern sei nicht nur «verkehrstechnisch für den Grossanlass prädestiniert», findet Pardini: «Es geht auch um eine Tradition.» Reiche man den Cupfinal «wie eine heisse Kartoffel herum», verliere der Anlass «an Charakter und Bedeutung».

Nause: «Im Turnus»

Die Crux aus Sicht der Bern-Promotoren: Dem Adressaten Reto Nause schwebt als Ideallösung tatsächlich vor, dass der sicherheitstechnisch heikle Grossanlass abwechslungsweise in Bern, Basel, Genf und Zürich ausgetragen wird. Zu einer jährlichen Durchführung in Bern sage er «heute und mit Blick auf zu erwartende hohe Sicherheitskosten klar Nein», erklärt Nause gegenüber dem «Bund».

Erste Schritte zur Etablierung eines Turnus hat der CVP-Mann in der Stadtberner Exekutive bereits unternommen: An einer gemeinsamen Sitzung mit den Sicherheitsdirektoren der Städte Zürich und Genf sowie jenem des Kantons Basel-Stadt wurde vor wenigen Wochen der Entwurf zu einer Cupfinal-Vereinbarung zwischen den vier Städten verabschiedet, welche zuhanden der Entscheidungsträger beim SFV den Turnus-Vorschlag beinhaltet. Geeinigt haben sich die vier Sicherheitsdirektoren in dem Entwurf zudem auf einen gemeinsamen Standard zur Abgeltung der Sicherheitskosten. «Wir sind uns einig, dass wir uns in dieser Frage nicht vom SFV gegenseitig ausspielen lassen wollen», erklärt Nause. Details zum Entwurf will er noch keine nennen, um damit den anstehenden Gesprächen mit dem SFV nicht vorzugreifen.

Von Graffenried: «Nach Bern!»

Politisch pikant ist die Tatsache, dass der Vorstoss der Berner Bundespolitiker bei Stadtpräsident Alec von Graffenried auf deutlich positivere Resonanz stösst als beim zuständigen Sicherheitsdirektor: Für von Graffenried ist «klar, dass der Cupfinal wieder nach Bern gehört».

Der Stadtpräsident kündigt gegenüber dem «Bund» an, «zusammen mit Nause» darauf hinarbeiten zu wollen, in Gesprächen mit dem SFV «einen beidseitig akzeptablen Rahmen» für eine Sicherheitsvereinbarung zu finden. Vonseiten SFV gebe es «ermutigende Anzeichen», dass eine Lösung realisiert werden könne. Der von Nause erwähnte Entwurf sei dafür «eine gute Gesprächsgrundlage» und aus seiner Sicht «keine Verpflichtung» gegenüber den anderen möglichen Standorten. Es sei ja nicht unbedingt so, dass sich die anderen Städte um den Cupfinal reissen würden.

Tatsächlich will sich auch Nause einer Bern-Lösung nicht völlig verschliessen: Zentral sei dabei aber, dass man nicht nur betreffend der Kostenübernahme eine für die Stadt akzeptable Lösung finde. Der SFV müsse mit geeigneten Massnahmen, «etwa einem Kombiticket», auch Hand bieten, dass künftig bei Cupfinals in Bern ein Fanmarsch durch die Innenstadt verhindert werden könne.

SFV-Sprecher Marco von Ah stellt in Aussicht, dass die Vorschläge mit den potenziellen Austragungsorten Mitte Januar diskutiert werden sollen. Man bleibe «mit allen vier Städten im Gespräch, die für den Final derzeit realistischerweise infrage kämen». Bern habe dank seiner zentralen Lage Vorteile, sagte von Ah. Klar sei jedoch, dass der SFV den Final dort zur Austragung bringe, wo er sich «damit willkommen» fühle und wo «Herausforderungen sowie Nutzen gemeinschaftlich verteilt» würden. (Der Bund)

Erstellt: 18.12.2017, 07:23 Uhr

Artikel zum Thema

Wirrwarr um Cupfinal in Bern

Am Ostermontag soll in Bern der Cupfinal-Spiel zwischen FC Basel und FC Zürich ausgetragen werden. Ob und unter welchen Bedingungen, ist unklar. Mehr...

Der Cupfinal steht auf der Kippe

Ob der Cupfinal zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich am Ostermontag in Bern stattfindet, ist unklar. Die Stadt möchte Fanmärsche wie jene vom letzten Jahr verhindern und erwägt, dem Spiel keine Bewilligung zu erteilen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Werbung

Urban und trendy?

Mal im Selbstversuch, mal beim Ortstermin. Oft mit Nachgeschmack. Immer allumfassend.

Die Welt in Bildern

Nur die Wendeltreppe ist übrig geblieben: Die anhaltenden Flächenbrände in Kalifornien haben auch zahlreiche Häuser in der Villen-Ortschaft Malibu zerstört. (10. November 2018)
(Bild: Ringo H.W. Chiu/AP) Mehr...