Wifag-Besetzer rennen offene Türen ein

Die Besetzer im Wyler-Quartier haben das Gelände freiwillig geräumt. Die Liegenschaftsbesitzerin ist zu Verhandlungen über eine kulturelle Nutzung bereit. Auch die Quartiervereinigung begrüsst das Anliegen der Aktivisten.

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Christian Zellweger@@chzellweger
Hanna Jordi

Polizisten, Stacheldraht, Kastenwägen: Die Szenerie am Mittwochmorgen auf dem Wifag-Areal macht den Anschein, als hätte hier soeben eine Räumung stattgefunden.

Tatsächlich hätten die Aktivisten das Gelände jedoch bereits in der Nacht auf Mittwoch verlassen, sagt Christian Kauter. Kauter ist Mitglied des Stifungsrates der Ursula-Wirz-Stifung. Die Stifung ist Besitzerin der Liegenschaft an der Wylerringstrasse 29.

Der Polizeieinsatz kam laut Kauter zu Stande, nachdem Verhandlungen zwischen der Stiftung und den Aktivisten gescheitert waren.

Am Montag habe ein Treffen zwischen Besetzern und der Ursula-Wirz-Stiftung stattgefunden. Das Angebot der Stiftung: Wenn die Besetzer das Gelände bis Dienstagmittag freiwillig räumten, liesse sich über eine späterer kulturelle Nutzung sprechen.

Am Dienstagmittag schlugen die Aktivisten das Angebot jedoch aus. In der Folge habe man sich für eine Anzeige und damit für einen Polizeieinsatz entschieden, sagt Kauter.

Die Stiftung halte fest, dass in der Liegenschaft Zwischennutzungen bereits bestünden, unter anderem auch mit Kulturschaffenden. Solche seien auch künftig nicht ausgeschlossen. «Diese Nutzungen müssten sich aber auf rechtsgültige Vereinbarungen stützen, die Interessen des Quartiers und ihrer Bewohner berücksichtigen und die öffentlichen Vorschriften (Lärmimmissionen, Bewilligungserfordernisse etc.) einhalten. Massenveranstaltungen auf dem Gelände der Eigentümerschaft sind nicht tolerierbar», schreibt die Stiftung in einem Communiqué.

Sympathien der Quartiervereinigung

Auch die Quartiervereinigung Wyler nahm gegenüber DerBund.ch/Newsnet Stellung zur Besetzung in der Nachbarschaft. «Wir sind überzeugt, dass ein einvernehmliches Nebeneinander – auch nach einem misslungenen Start – möglich sein kann», schreibt der Präsident der Vereinigung, Helmut Walz.

Die Party vom Samstag mit mehreren hundert Personen sorgte für Unmut im Quartier. Vor allem die «liederlichen Sprayereien» hätten die Anwohner verärgert, schreibt Walz.

Am Dienstagabend habe aber eine sechsköpfige Delegation der Aktivisten an der Jahresversammlung der Vereinigung teilgenommen. Die Besetzer hätten mit «ihrer Bereitschaft zur Rücksichtnahme und Dialogbereitschaft» das Vertrauen der Anwesenden gewinnen können. «Die jungen Leute wirkten sehr offen, kritikfähig und verantwortungsbewusst», so Walz.

Der Quartierverein sei gerne bereit, die «Rahmenbedingungen quartierverträglich zu gestalten» und den Dialog mit dem Kollektiv zu pflegen, um etwaige Konflikte zu entschärfen.

Besetzung für «selbstverwalteten Freiraum»

Die bisher noch nie öffentlich in Erscheinung getretene Gruppe «Kinder von Bern» hatte sich seit Donnerstag im leerstehenden Gebäude aufgehalten.

Mit der Besetzung der Halle wollte das Kollektiv «einen selbstverwalteten Freiraum schaffen» und sich von «Konsumzwang und Kommerzialisierung distanzieren», wie es in einer Mitteilung an die Nachbarn hiess.

Heute Abend hätte auf dem Areal ein Willkommensanlass für die Nachbarschaft stattfinden sollen. Die Gruppe «Kinder von Bern» äusserte sich bislang gegenüber den Medien nicht zu Wort.

DerBund.ch/Newsnet

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