Wieder schliessen in Bern zwei Poststellen

Der Sandrain-Leist protestiert gegen den Verlust der Poststelle im Quartier.

Leist-Präsident Paul Klarenberg ist über die Pläne der Post empört.

Leist-Präsident Paul Klarenberg ist über die Pläne der Post empört. Bild: Adrian Moser

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Gleich zwei Hiobsbotschaften der Post waren am Mittwoch in zahlreichen Berner Briefkästen. Die Sulgenbach- und die Felsenau-Post schliessen im kommenden November beziehungsweise Februar. Sie werden durch in Läden integrierte Poststellen ersetzt. Die Sulgenbach-Post zieht in die Weissenbühl-Apotheke, die Felsenau-Post vom Rossfeld in den Maxi-Laden in der Tiefenau. Vor allem dem Quartierleist Schönau-Sandrain stossen die Pläne der Post sauer auf. Das Weissenbühlquartier erhalte so eine zweite Poststelle, sagt Leistpräsident Paul Klarenberg. Schönau-Sandrain hingegen habe dann keine mehr. Für einige Bewohner bedeute dies, dass der Weg zur Post doppelt so lang werde. Klarenberg kritisiert, dass er gewissermassen vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei: «Nur wenige Tage vor den Sommerferien sind wir schachmatt gesetzt worden.»

Insgesamt gleich viele Poststellen

Mit der Eröffnung der Berner Hauptpoststelle im Post-Parc schloss im Februar die Post am Bärenplatz. Zwei weitere Schliessungen sind bereits angekündigt. Werden in Bern noch weitere Poststellen zugehen? «Wir überprüfen das Poststellennetz laufend», sagt Post-Sprecher Markus Werner und weicht damit der Frage nach der Strategie für die nähere und mittlere Zukunft aus. «Wir werden in Zukunft aber mit einem Mix aus traditionellen und integrierten Poststellen arbeiten», erklärt er.

Seit dem Aufkommen von E-Mail und SMS habe der Brief an Bedeutung verloren, erklärt Werner. Andererseits habe der Online-Handel der Paketpost ein neues Gewicht verliehen. Weil die Menschen aber mobiler geworden seien, seien sie seltener zu Hause. Dies erschwere die Paketzustellung. Die Post suche daher neue Lösungen wie die Zusammenarbeit mit bestehenden Geschäften. So könne man sich etwa ein Paket in einen Laden in der Nähe des Arbeitsorts schicken lassen.

Lässt man die in Läden integrierten Postangebote gelten, ist die Zahl der Poststellen in den letzten Jahren stabil geblieben. 2007 gab es in Bern nach Angaben der Post 17 Filialen. Heute sind es 15 traditionelle und zwei integrierte. Die aufgehobene Poststelle im Riedbach wurde durch einen Hausdienst ersetzt.

Eine Chance für Quartierläden

«Postschliessungen sind immer sehr emotional», sagt Hans-Jürg Gerber, Leiter des städtischen Wirtschaftsamts. Obwohl die Stadt die Schliessung der Sulgenbach-Post bedauere, verstehe sie die betriebswirtschaftlichen Überlegungen. Ausserdem werde die Dienstleistung weiterhin angeboten. Das Argument, dass für die Bewohner des Sandrain-Quartiers die Distanz zur nächsten Filiale grösser werde, erachtet Gerber nicht als grosses Problem. Es bedeute nämlich auch, dass die Distanz für andere kürzer werde. Auch den Unmut der Leistvertreter findet Gerber übertrieben. «Am Informationsanlass letzten Montag signalisierte die Post Offenheit für die Bedürfnisse aus den Quartieren», sagt er. Die integrierten Posstellen sieht Gerber zudem als Chance für Quartierläden. «Sie werden eine höhere Kundenfrequenz haben.» (Der Bund)

Erstellt: 29.06.2016, 19:31 Uhr

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