Wie weiter mit den diskreten Waldmenschen?

Im Nordberner Wylerholz haben sich junge Autonome niedergelassen.

Calum MacKenzie@CalumMacKenzie0

«Wenn ein Baum im Wald fällt, und niemand ist da, um es zu hören, macht der Baum dann ein Geräusch?», lautet eine bekannte philosophische Denkaufgabe. Für das Wylerholz im Norden der Stadt Bern könnte die Frage lauten: «Wenn Anarchisten auf ein Grundstück ziehen, und keiner nimmts wahr, ist das Grundstück besetzt?» Denn seit letztem Herbst wohnen fünf junge Menschen und ein Hund in zwei Bauwagen unter dem Autobahnviadukt, das hoch über dem Waldstück schwebt.

Und während solche autonomen Wohnlösungen oft für Empörung sorgen, hat die Siedlung im Wylerholz keine Wellen geschlagen: Im anliegenden Wylergutquartier weiss keiner davon; im Platzgerclub Wyler, dessen Vereinshaus auch unter dem Viadukt steht, spricht man von «friedlichem Zusammenleben». Man habe die jungen Bewohner kaum je gesehen, sagt Clubmitglied Peter Müller.

Kleine Familie

Bei den von Sperrholz und Transparenten umgebenen Bauwagen grüsst ein freundlicher junger Herr mit deutschem Akzent und Vegan-Symbol-Tätowierung. Er stellt sich als Lukas vor. «Wir sind einfach eine kleine Familie, und wir leben da.» Den abgelegenen Platz habe man gewählt, um niemanden zu stören. Lukas rechnet jedoch damit, dass die Siedlung früher oder später von der Polizei geräumt wird. «Dann suchen wir halt einen anderen Ort.»

Die Kantonspolizei Bern meldet aber, sie habe zur Siedlung keine Reklamationen erhalten. Man habe Personenkontrollen durchgeführt und nichts strafrechtlich Relevantes festgestellt. «Also sehen wir derzeit keinen Handlungsbedarf», sagt Sprecher Christoph Gnägi.

Das besiedelte Land gehört dem Bund und wird vom Bundesamt für Strassen (Astra) verwaltet. «Grundsätzlich wollen wir keine unbewilligten Nutzungen», sagt Sprecher Thomas Rohrbach. «Besteht aber keine Gefahr für Menschen, Fahrzeuge oder Infrastruktur, muss man nicht dringend handeln, und wir haben Zeit, mit den Betroffenen einen gangbaren Weg zu finden.» Die Stadtberner Behörden müssten klären, ob die Parzelle zonenkonform genutzt werde. «Erst dann kann entschieden werden, wie es mit der Siedlung weitergeht.»

Das Berner Bauinspektorat kann zum Wylerholz-Fall nichts sagen. Grundeigentümer seien aber verpflichtet, bei unzulässigen Neunutzungen von Parzellen die Zonenkonformität wiederherzustellen. Ist die Nutzung zulässig, müsse der Eigentümer dafür trotzdem eine Baubewilligung einholen.

Der Bund

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