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Wie viel Adventslicht darfs noch sein?

Die Berner Weihnachtsbeleuchtung gibt zu Reden in Zeiten des Klimawandels.

Weihnachtsstimmung in der Berner Marktgasse mit viel Licht und einem Nikolaus. (Valérie Chételat)
Weihnachtsstimmung in der Berner Marktgasse mit viel Licht und einem Nikolaus. (Valérie Chételat)

Alle Jahre wieder: Es leuchtet, strahlt, blinkt und glitzert in Berns Gassen, von Hausfassaden und -dächern. Den Stromsparbemühungen zum Trotz scheint Weihnachtsbeleuchtung gefragt zu sein wie eh und je. «Sie gehört halt einfach dazu», so der allgemeine Tenor – auch wenn die dekorativen Lichter keine eigentliche Notwendigkeit darstellen.

Jedenfalls nicht auf den ersten Blick. «Doch, doch, das Licht hat schon einen Zweck. Es schafft Ambiance, löst Gefühle aus, weckt Kindheitserinnerungen», sagt Martin Bühler, Geschäftsführer von Bern City. «Das möchte ich auf keinen Fall missen.» Bern City ist für den Lichterschmuck in der oberen Altstadt zuständig und lässt sich dies pro Jahr 130 000 Franken kosten. 3000 Franken entfallen auf die Stromrechnung. Derzeit seien normale Glühbirnen im Einsatz, so Bühler. Auf nächstes Jahr hin würden aber alternative Beleuchtungskörper geprüft. Doch die Suche sei nicht einfach. «Es wäre sehr schade, wenn das Licht nicht mehr die gleiche Wärme ausstrahlen würde», sagt Bühler.

Sparsame LED-Lämpchen

Auf alternative LED-Lichterketten setzt die Vereinigung «Für Bern» beim Schmuck des Weihnachtsbaums auf dem Bundesplatz. Man habe sich bewusst für die neue Technologie entschieden wegen des tieferen Stromverbrauchs, sagt Geschäftsführerin Brigitta Stutzmann. Das sei auch ein kleines Zeichen nach aussen. «Atmosphärisch und preislich müssen wir aber Nachteile in Kauf nehmen», so Stutzmann. Die Kosten für qualitativ gute LED-Weihnachtsbeleuchtung betragen laut Peter Rast von der zuständigen Beleuchtungsfirma rund das Doppelte von herkömmlichen Lichtern. Der Energieverbrauch der LED-Beleuchtung liege hingegen lediglich bei 20 bis 25 Prozent. Die über 20 000 Lichtpunkte am 14 Meter hohen Weihnachtsbaum haben noch eine Leistung von 1,7 Kilowatt.

Keine Leuchten im Bahnhof

Gar ganz auf zusätzliches Licht verzichtet haben die Verantwortlichen bei der Dekoration der Bahnhofs-Innenräume. Ökologische Überlegungen haben laut Renate Ledermann von der Berner Liegenschaftsverwaltung dabei eine «bedeutende Rolle» gespielt. «Licht haben wir im Bahnhof bekanntlich genug», so Ledermann.

Anders in der unteren Altstadt. Hier sorgen die Leiste für den Gassenschmuck. Eine Diskussion über sparsamere Beleuchtung sei bisher nicht geführt worden, sagt Elektrofachmann André Steiger vom Kramgassleist. Die verwendeten Bäumchen mit ihren 30-Watt-Birnen wiesen aber seit jeher einen relativ geringen Verbrauch auf. In anderen Gassen seien 15-Watt-Glühbirnen im Einsatz. Früher oder später müsse man dennoch umrüsten, schätzt Steiger. Bis dahin werde sich die LED-Technik weiter verbessern. «Bereits heute ist warm-weisses LED-Licht möglich im Gegensatz zum bläulichen giftig-weissen. An Glühbirnen kommt es aber noch nicht heran.»

Wie hoch der Energieverbrauch der Berner Weihnachtsbeleuchtung insgesamt ist, lässt sich kaum exakt eruieren. Der Stromverbrauch sei in den Wintermonaten ohnehin höher wegen Elektroheizungen und kürzeren Tagen, erklärt EWB-Sprecher Florian Knapp. Vor zwei Jahren sei eine grobe Schätzung zum Verbrauch der gesamten öffentlichen Weihnachtsbeleuchtung zum Ergebnis von 70 000 Kilowattstunden gekommen. Dies entspreche ungefähr einem Promille des gesamten jährlichen Stromverbrauchs. Ein weiterer Vergleich: Ein durchschnittlicher Vierpersonenhaushalt mit Elektroboiler verbraucht rund 7000 Kilowattstunden pro Jahr.

«Weniger wäre manchmal mehr»

Der Weihnachtsbeleuchtung kritisch gegenüber steht Natalie Imboden, Präsidentin des Grünen Bündnisses der Stadt Bern. Es gebe eindeutig zu viele zusätzliche Lampen, sagt sie. «Weniger wäre manchmal mehr.» Vor lauter Lichter sehe man mancherorts die einzelnen Elemente gar nicht mehr. So sei ihr der Nutzen vieler Lichter nicht ersichtlich. Und sowieso: «Weihnachten besteht aus viel mehr als aus ein paar Glühbirnen.»

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