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Wie sicher sind Staumauern, wenn die Erde bebt?

Bebt die Erde, halten Schweizer Staumauern länger als Gebäude. Ein Besuch im Innern der Räterichsbodenstaumauer auf der Grimsel eröffnet Perspektiven.

Auf der  Räterichsbodenstaumauer.
Auf der Räterichsbodenstaumauer.
Adrian Moser
Mit 94 Metern Höhe liegt die Staumauer zwar nur auf Platz 26 der höchsten Talsperren der Schweiz.
Mit 94 Metern Höhe liegt die Staumauer zwar nur auf Platz 26 der höchsten Talsperren der Schweiz.
Adrian Moser
Bebt die Erde, halten Schweizer Staumauern länger als Gebäude.
Bebt die Erde, halten Schweizer Staumauern länger als Gebäude.
Adrian Moser
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Ein Strich in der Landschaft – aber was für einer: Während der Fahrt auf die Grimsel baut sich die Räterichsbodenstaumauer immer imposanter vor dem Betrachter auf. Mit 94 Metern Höhe liegt sie zwar nur auf Platz 26 der höchsten Talsperren der Schweiz. Ihrer Wirkung tut dies jedoch keinen Abbruch.

Ingenieur Andres Fankhauser ist sich die Dimensionen der acht Grimselstaumauern gewohnt. Für deren Betreiberin, die Kraftwerke Oberhasli KWO, kontrolliert er mit seinem Team die massiven Betongiganten in regelmässigen Zyklen. Der «Bund» begleitet Fankhauser auf einen Rundgang in der Räterichsbodenstaumauer. Hinter der schmalen Eingangstüre öffnet sich eine mehrere Meter breite Fuge, die sich in der Höhe verliert. Die Luft ist kalt, es riecht nach feuchtem Beton. Und still ist es in der Staumauer. Die unvorstellbare Kraft ist nicht hörbar – bis zu 25 Millionen Kubikmeter Wasser drücken seit 60 Jahren gegen die 278'000 Kubikmeter Beton. Nicht ohne Folgen: Füllt sich der See, verformt er die Mauer zwei bis drei Zentimeter. Dies ist beabsichtigt: «Durch die spezielle Bauform wird der Druck an den Boden abgeleitet», sagt Andres Fankhauser. Doch die Mauer muss nicht nur von Seeseite grossem Druck standhalten, sondern auch von unten. «Der Wasserdruck, der stösst, ist gleich gross wie der Auftrieb», erklärt Fankhauser. Dass die Mauer vom Wasser nicht gehoben und weggeschwemmt wird, ist der Ingenieurskunst zu verdanken: Ein Dichtungsschirm unterhalb der Staumauer hält den Grossteil des Wassers vom Eindringen ab, Drainagesysteme und Sickerleitungen erledigen den Rest. Die kathedralenartigen Fugen – in der Räterichsbodenstaumauer an die 20 – reduzieren zusätzlich den Auftrieb, weiss der Ingenieur.

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