Wie krank sind die Alleebäume?

Berner Tramkritiker präsentieren ein neues Gutachten: Die Bäume an der geplanten Tramlinie nach Ostermundigen seien gesünder, als vom Berner Gemeinderat behauptet.

Die Allee an der Ostermundigenstrasse. (Archiv)

Die Allee an der Ostermundigenstrasse. (Archiv) Bild: Michael Schneeberger

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Ein Gutachten kommt zum Schluss, dass die Allee an der Ostermundigenstrasse gesünder ist, als die Berner Stadtbehörden annehmen. Die Stadt hatte im Abstimmungskampf argumentiert, dass ein Drittel der Alleebäume krank oder wachstumsschwach sei und ohnehin gefällt werden müsse.

An diesem Argument brachte die «Freie Arbeitsgruppe Städtebau und öffentlicher Verkehr» Zweifel an. Sie beauftragte einen Experten für ein entsprechendes Gutachten. Der Gutachter kommt zum Schluss, dass lediglich 18 der 221 vom Tramprojekt tangierten Bäume in einem gesundheitlich schlechten Zustand seien und kurzfristig ersetzt werden müssten. Selbst wenn man diejenigen Bäume einbezieht, die aufgrund ihrer Art an diesem Standort nicht zukunftsträchtig sind, kommt der Experte auf rund 16 Prozent der Alleebäume, die mittelfristig ersetzt werden müssten.

Damit steht für die «Freie Arbeitsgruppe» fest, dass die Aussage der Projektverantwortlichen in der Abstimmungsbotschaft nicht zutrifft. Darin hiess es: «Die neue Tramlinie betrifft auch bestehende Baumalleen entlang der Strecke. Rund ein Drittel dieser Bäume ist krank oder wachstumsschwach und müsste in den nächsten 15 Jahren ohnehin durch Jungbäume ersetzt werden.»

Markante «Zukunftsbäume»

Dem Gutachten entnimmt die Arbeitsgruppe auch, dass der Ersatz bestehender Bäume durch Jungbäume den «ökologischen Schaden in keiner Weise kompensieren kann», wie es in ihrer Mitteilung vom Donnerstag heisst.

Weiter verweist die Arbeitsgruppe auf die Aussage des Experten, dass die Allee an der Ostermundigenstrasse einige markante Zukunftsbäume beheimatet, die aus ökologischer Sicht besonders schützenswert wären.

Die Gegner der geplanten Tramlinie von Bern nach Ostermundigen reichen das Gutachten dem Bundesgericht nach. Dort ist eine Abstimmungsbeschwerde hängig. Einer der gerügten Punkte betrifft die Aussage der Behörden, dass ohnehin jeder Dritte der betroffenen Bäume krank oder wachstumsschwach sei.

Nachdem die beiden Gemeinden Bern und Ostermundigen dem 264 Millionen Franken schweren Projekt zugestimmt hatten, überstand der Kantonsbeitrag von 102 Millionen Franken an das Projekt im März eine Referendumsabstimmung nur relativ knapp. Das Tram Bern–Ostermundigen soll dereinst die Buslinie 10 ersetzen. (zec/sda)

Erstellt: 08.11.2018, 13:19 Uhr

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