Wie Klaus Baumgartner die Berner Stadtentwicklung prägte

In Klaus Baumgartners Amtszeit entstanden mehrere Grossprojekte in der Stadt Bern, von Brünnen bis zum neuen Stadion. Als Tief­punkt gilt die Regierungskrise 2003.

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  • Vier Jahre, nachdem Klaus Baumgartner vom Stadtrat in den Gemeinderat gewählt wurde, entschied er 1992 den Kampf ums Stadtpräsidium gegen den bürgerlichen Kandidaten Josef Bossart (CVP) klar für sich. Baumgartners Wahl zum Nachfolger des Freisinnigen Werner Bircher komplettierte die politische Wende in Bern. Nach acht Jahren bürgerlicher Dominanz erreichte die Rot-Grün-Mitte-Koalition mit vier Sitzen die Mehrheit im Gemeinderat, der damals noch sieben Mitglieder zählte. Erstmals nahmen drei Frauen Einsitz im Gemeinderat: Joy Matter, Therese Frösch und Theres Giger. Auch im Stadtrat kippten die Mehrheitsverhältnisse zugunsten des Rot-Grün-Mitte-Bündnisses.
  • 1996 bestätigte das Volk Baumgartner komfortabel im Amt. Er heimste ohne Gegenkandidatur 75 Prozent der Stimmen ein.
  • 1997 sagten die Stadtberner Stimmberechtigten Ja zum Neubau des Wankdorf-Stadions. Baumgartner hatte sich für das «wirtschaftlich bedeutsame Projekt» eingesetzt. Im gleichen Jahr fuhr Baumgartner aber auch eine schmerzliche Niederlage ein, als das Stimmvolk den Schanzentunnel ablehnte. Der Tunnel hätte die Verkehrssituation am Bahnhof entschärfen sollen.
  • Zwischen Polizei- und Fürsorgedirektion klappte die Zusammenarbeit nicht mehr. Baumgartner griff resolut in die Drogenpolitik ein und machte diese zur Chefsache. Eine stadträtliche Untersuchung stellte später fest, dass Polizeidirektor Kurt Wasserfallen die städtische Drogenpolitik aus politischem Kalkül unterlaufen hatte. Baumgartner hatte Erfahrung in der Drogenpolitik. Von 1988 bis 1992 hatte er die Fürsorgedirektion geleitet und sich dabei vor allem mit der offenen Drogenszene, die sich damals im Kocherpark befand, beschäftigt.

Stadtentwicklung vorangetrieben

  • In den folgenden Jahren trieb Baumgartner mehrere Grossprojekte der Stadt wie das Zentrum Paul Klee, die Überbauung Brünnen sowie die Umgestaltung des Bahnhofplatzes und die Sanierung des Parks auf dem Gurten voran. So war etwa die Planung Brünnen während Jahrzehnten blockiert. Mehrere Projekte scheiterten – weil sie zu gross angedacht wurden, weil Überbauungen im Grünen keine politische Mehrheit fanden oder weil sich die Projekte nicht finanzieren liessen. Die Blockade fand ein Ende, als der damalige Stadtpräsident an der richtigen Türe anklopfte: bei der Migros.
  • 1999 sagten die Bernerinnen und Berner schliesslich Ja zur Planungsvorlage Brünnen, die südlich der Gäbelbach-Überbauung ein Freizeit- und Einkaufszentrum der Migros, das vorerst «FEZ» genannt wurde (das heutige Westside), und 800 Wohnungen ermöglichte. Damit erhielt auch die Überdeckung der Autobahn Brünnen Zuspruch.
  • 2000 wurde Baumgartner erneut wiedergewählt. Er setzte sich gegen den FDP-Kampfkandidaten Kurt Wasserfallen durch und holte 54 Prozent der Stimmen.
  • Mit 78 Prozent Ja-Stimmen-Anteil wurde 2001 das Zentrum Paul Klee im Schöngrün-Quartier angenommen. Als oberster Kulturverantwortlicher hatte der Sozialdemokrat die Planung massgeblich geprägt.
  • Im gleichen Jahr wurde Baumgartner von einer Affäre eingeholt, welche die Stadt an den Rand einer politischen Krise führte: Die Mietzinsaffäre. Der «Stapi» hatte als Mieter einer städtischen Herrschaftswohnung die Mietzinserhöhung um 800 Franken angefochten, die er als Politiker selber mitbeschlossen hatte. Dabei geriet er immer mehr ins Visier der Medien, wurde selbst von der SP kritisiert, bis er schliesslich mit seiner Familie aus der Wohnung auszog und sich in Oberbottigen ein Eigenheim kaufte.
  • 2002 scheiterten Baumgartners Pläne, die Olympischen Winterspiele 2010 statt nach Davos nach Bern zu holen. Das Volk stoppte diese mit einem wuchtigen Nein. Baumgartner hatte für das Projekt gar einen Dienstwagen geopfert, als er – auf Werbetour in Graubünden – einen Unfall baute und das Auto von einer Stützmauer gestoppt wurde.
  • Wohl als Tiefpunkt seinerAmtszeit gilt die Regierungskrise 2003 rund um die Absetzung Kurt Wasserfallens als Polizeidirektor. Baumgartner wurde von der parlamentarischen Untersuchungskommission später vorgehalten, er habe in der Krise

  • Auf Ende 2004 trat Klaus Baumgartner mit 67 Jahren zurück. Sein Amt übergab er nach 16 Jahren im Gemeinderat, wovon zwölf als «Stapi», an Alexander Tschäppät (SP).
(Der Bund)

Erstellt: 10.12.2015, 19:33 Uhr

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