Wie die Stadt Bern verändert wird

Halbzeit für die Stadtregierung: Wo der Gemeinderat vorwärtsmachte und wo er scheiterte in Zahlen.

In den Quartieren Berns soll die Zahl der Parkplätze weiter zurückgehen.

In den Quartieren Berns soll die Zahl der Parkplätze weiter zurückgehen.

(Bild: Adrian Moser)

Simon Preisig@simsimst

In den vergangenen Jahrzehnten wurde in Bern zu wenig gebaut. Entsprechend knapp ist der Wohnraum: Nur 0,45 Prozent der Wohnungen stehen leer. Ob sich die Bemühungen des aktuellen Gemeinderats wirklich auszahlen, wird sich zeigen. Doch erste Entwicklungen sind erfolgversprechend. So wurden letztes Jahr 519 neue Wohnungen fertiggestellt, so viele wie seit 10 Jahren nicht mehr. Zudem sind zurzeit um die 500 Wohnungen in Bau, so etwa bei der Migros Breitenrain oder beim ehemaligen Post-Hauptsitz. Bei Projekten, wo die Stadt selber baut oder das Land an Genossenschaften abgibt, steht der Bau von weiteren 500 Wohnungen kurz bevor, so etwa im Warmbächli, an der Mutachstrasse und an der Reichenbachstrasse. Mit den Grossprojekten Viererfeld, Gaswerkareal und Weyermannshaus rückt die Realisierung von bis zu 3000 Wohnungen näher.

Die Schaffung von vergünstigten Wohnungen, seit Jahren ein politischer Auftrag des Gemeinderates, kommt hingegen nur schleppend voran. So konnten 2017 nur zusätzliche 24 Familien oder Personen mit tiefem Einkommen von einer vergünstigten Miete profitieren. 2018 dürften es 31 sein. Mit Modulbauten und indem vergünstigte Wohnungen in grossen Überbauungen integrierten werden, will der Gemeinderat den Anteil künftig stärker steigern.

Mehr Leben draussen

In diesem Sommer belebten so viele temporäre Bars wie noch nie den öffentlichen Raum. Direkt an der Aare eröffneten drei neue Cafés, im Jahr zuvor hatten auf der Grossen Schanze und auf anderen städtischen Plätzen Sommer-Bars ihren Betrieb aufgenommen. Der Gemeinderat fördert diese Entwicklung mit einer vereinfachten Bewilligungspraxis. Doch die Behörden waren auch selber aktiv: 12 Plätze wurden neu möbliert, das bedeutet, sie wurden mit Sitzgelegenheiten, Tischen und allenfalls auch Spielgeräten ausgestattet. 13 neue Parkanlagen und Spielplätze wurden eröffnet. Und: Auf 11 Plätzen oder Strassen wurde mit temporären Massnahmen die Aufenthaltsqualität gesteigert, darunter fällt die Testnutzung auf dem Waisenhausplatz und die Sperrung der Mittelstrasse. Die verschiedenen Angebote erfreuen sich wachsender Beliebtheit: So konnte etwa der Wirt des Summer Beach auf der Grossen Schanze diesen Sommer zum ersten Mal mehr als 100'000 Gäste begrüssen. Kritiker monieren, dass durch die Cafés Randständige und Jugendliche verdrängt würden.

Mehr Velos, weniger Parkplätze

An schönen Tagen steht man in Bern mit dem Velo seit neustem im Stau. Auf Berns Strassen sind 35 Prozent mehr Velofahrer unterwegs als noch vor drei Jahren. Tendenz weiter steigend. Für die von Gemeinderätin Ursula Wyss verkündeten Velo-Offensive wurde fleissig umgebaut und ummarkiert: So hat das Tiefbauamt zwei Velohauptrouten in Betrieb genommen und 36 neue Begegnungs- sowie Tempo-30-Zonen geschaffen. Zudem starteten mit Publibike und Smide zwei Veloverleihdienste, die in Bern an die 1000 Velos anbieten. Gleichzeitig läuft in Bern der grosse Parkplatzabbau: Über 300 Parkplätze sind seit 2016 verschwunden. Parkplätze aufzuheben, löst oft Widerstand aus. Dennoch ist es dem Gemeinderat gelungen, für grossflächigen Parkplatzrückbau Kompromisse zu finden. So auf der Berner Schützenmatte, wo 142 Parkplätze aufgehoben wurden, und in der Berner Altstadt, wo die Anwohner vermehrt in den Parkhäusern parkieren sollen. In Zukunft soll die Zahl der Parkplätze auch in den Quartieren abnehmen, dafür sorgt das neue Parkplatzkonzept.

Schwachpunkt Finanzen

Dem Gemeinderat steht jedes Jahr mehr Geld zu Verfügung: Um fast 30 Millionen Franken nahm der Steuerertrag 2017 zu, und er soll 2019 um weitere 20 Millionen auf 544 Millionen Franken wachsen. Ein Grund dafür sind steigende Einwohnerzahlen, was wiederum mehr Arbeit für die Verwaltung bedeutet. Doch die Stadtregierung schuf 2017 und 2018 insgesamt 58 neue Vollzeitstellen, das Stellenwachstum ist somit im Verhältnis zur Bevölkerungszunahme überproportional. Auch 2019 sollten 51 neue Jobs dazukommen. So wären unter anderem eine Stelle «für die Verstärkung der aufsuchenden Partizipation bei Verkehrsprojekten» und eine Stelle für «Urban Gardening» geschaffen worden. Die Begründung des Gemeinderates, warum es diese Stellen brauche, vermochte das Parlament nicht zu überzeugen. Der Gemeinderat musste zurückbuchstabieren. Nun werden nur 40 neue Stellen geschaffen. Vorausgesetzt, das Volk stimmt am Sonntag dem Budget zu.

Quellen: Berner Fachstelle für Wohnbauförderung, Direktion für Finanzen, Personal und Informatik Stadt Bern, Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün Stadt Bern

DerBund.ch/Newsnet

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