«Weyerli» wird doch nicht zum Naturteich

Die Stadt Bern verzichtet auf eine naturnahe Aufbereitung des Badewassers im Weyermannshaus. Die Konzession für den Grundwasserbezug ist aber abgelaufen.

Leute im Freibad Weyermannshaus am Berner Stadtfest 2016.

Leute im Freibad Weyermannshaus am Berner Stadtfest 2016.

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Ein Naturteich samt Seerosen, Schilf und Kiesfilter hätte beim Berner Freibad Weyermannshaus für die Aufbereitung des Badewassers sorgen sollen. So zumindest sah es einst die Variante einer Machbarkeitsstudie vor, die vom Gemeinderat favorisiert wurde. Fünf Jahre später sind die Träume von einer «rein biologischen» Reinigung des Badewassers ausgeträumt: «Der Gemeinderat hat entschieden, auf eine rein naturnahe Wasseraufbereitung zu verzichten und eine Mischvariante umzusetzen», hält Markus Gasser, stellvertretender Leiter des Sportamts, in einer schriftlichen Stellungnahme fest.

Demnach wird das 15 000 Quadratmeter grosse Becken des «Weyerli» weiterhin mit Frischwassermengen gespeist und mit «geringen Mengen» Chlor versetzt. Damit dieses nicht im Boden versickert, soll der Grund des Beckens mit einer Kunststofffolie abgedichtet werden. Das gebrauchte Badewasser wiederum werde vor der Ableitung in den Wohlensee entchlort, schreibt Gasser.

Sorgen um die Wasserqualität

Der Vizeleiter des Sportamts nennt räumliche und hygienische Gründe für den Verzicht auf die Naturteichreinigung. So hätte rund die Hälfte des Schwimmbeckens oder ein entsprechend grosser Teil der Rasenfläche mit Teich, Schilf und Kiesböden belegt werden müssen. Zudem wäre an warmen, stark frequentierten Tagen die Wasserqualität womöglich ungenügend gewesen. «Es bestünde das Risiko, dass Algenansammlungen und Trübungen die Nutzung stark einschränken», hält Gasser fest. Ähnliche Befürchtungen gab es bereits vor fünf Jahren. Das Generalsekretariat der Sozialdirektion hatte sie aber unter Hinweis auf Bäder in Süddeutschland entkräftet, deren biologisch aufbereitetes Wasser «einwandfrei und nur leicht trüb» sei.

Die nun gewählte «Mischvariante» kommt die Stadt einiges teurer zu stehen als die Naturteichvariante. Der Gemeinderat hatte die Investitionskosten für Letztere einst auf 8,3 Millionen Franken veranschlagt. Die Mischvariante hingegen wird nach Angaben des Sportamts Anlagekosten von rund 19 Millionen Franken verursachen. Zudem gibt es für die Reinigung des riesigen «Weyerli»-Beckens noch keine Lösung, weil der sonst übliche Einsatz von Pool-Robotern mit integriertem Hochdruckgerät aufgrund der Grösse des Beckens «nur beschränkt» möglich ist. «Lösungen zur Reinigung des Beckens müssen noch erarbeitet werden», sagt Gasser.

Stadt liess Konzession verfallen

Die Hoffnungen auf eine Lösung mit Wasseraufbereitung waren offenbar derart gross, dass die Stadt die Konzession zum Bezug des Frischwassers verfallen liess. Eine solche ist nötig, weil das Badewasser aus einem Grundwasseraufstoss stammt. Nach Angaben des Kantons ist die Konzession Ende letzten Jahres abgelaufen. «Das Verfahren zur Erneuerung ist noch im Gang», sagt Olivia Lauber vom kantonalen Amt für Wasser und Abfall (AWA). Bis zum Beginn der Badesaison ist die Zeit dafür aber knapp. Bei der Stadt gibt man sich dennoch gelassen: «Wir gehen von einer nachträglichen Konzessionsgenehmigung aus», sagt Dagmar Boss von Immobilien Stadt Bern (ISB), der Eigentümerin der Anlage. Zur Not wäre der Kanton offenbar auch zu einem Entgegenkommen bereit. Laut Lauber ist als «äusserste Massnahme» auch der Erlass einer provisorischen Verfügung zum Wasserbezug denkbar.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt