Wettrennen um einen Studienplatz

Für das Sportstudium gilt in Bern neu ein Numerus clausus. Nur die 150 Fittesten werden aufgenommen. Mitte April findet eine Ausscheidung statt – mit sportlichen Prüfungen und einem Intelligenztest.

Studienplatzanwärter müssen unter anderem 2000 Meter rennen. (Peter Schneider)

Studienplatzanwärter müssen unter anderem 2000 Meter rennen. (Peter Schneider)

Reto Wissmann@RetoWissmann

Was für angehende Mediziner schon lange eine Selbstverständlichkeit ist, gilt nun auch für Sportwissenschaftler. Bevor sie in Bern ein Studium beginnen, müssen sie ihre Eignung unter Beweis stellen. Wie der Regierungsrat Mitte März entschieden hat, wird die Zahl der Studienplätze ab kommendem Herbstsemester erstmals auf 150 beschränkt. Steigt die Zahl der Voranmeldungen über 180, müssen alle zum zweitägigen Eignungstest antreten. Unterdessen ist die Frist abgelaufen. Laut Achim Conzelmann, Leiter des Instituts für Sportwissenschaft der Uni Bern, bewerben sich 208 Personen um einen Studienplatz. Damit ist klar: Am 15. und 16. April findet die Ausscheidung statt.

Ein erstes Ziel wurde mit dem neuen Numerus clausus für die Sportwissenschaften schon vor den Test erreicht. Die Zahl der Anmeldungen ist von rund 300 auf gut 200 zurückgegangen. «Früher hatten wir im praxisorientierten Grundstudium grosse Probleme mit Leuten, die zum Beispiel nicht schwimmen konnten», sagt Conzelmann. Dies habe dazu geführt, dass fast ein Drittel das Propädeutikum nach zwei Semestern nicht überstanden habe. Der Institutsleiter geht davon aus, dass sich unsportliche Leute nun gar nicht mehr anmelden. Der Aufwand für den Test ist erheblich. Um gut abzuschneiden, ist ein Training erforderlich. Ausserdem werden 200 Franken Gebühren erhoben.

Um dem Ansturm der Studierenden Herr zu werden, wollte das Institut ursprünglich lediglich Minimalstandards voraussetzen. Die Anzahl Studienplätze wäre damit nicht begrenzt worden. Für einen Studienplatz hätten lediglich gewisse sportliche Mindestleistungen erbracht werden müssen. Nun hat sich der Grosse Rat bei der letzten Revision des Universitätsgesetzes jedoch für einen Numerus clausus entschieden. Die StudentInnenschaft der Uni Bern (SUB) kann sich damit überhaupt nicht anfreunden. «Wir sind grundsätzlich gegen jede Zulassungsbeschränkung», sagt Ayse Turcan vom SUB-Vorstand. Ein Numerus clausus schränke die Chancengleichheit ein, werte die Matura ab und komme einer Bevormundung der Studierenden gleich. Anders sehen das die Direktbetroffenen. Die Fachschaft Sportwissenschaft unterstützt die Zulassungsbeschränkung. «Damit steigt die Qualität des Studiums», sagt Präsident Nik Jud. Die enormen motorischen Niveauunterschiede unter den Studierenden hätten den ganzen Unterricht gebremst. Auch für jene, die den Eignungstest nicht schaffen, sei es besser, von vornherein Klarheit zu haben, anstatt nach einem Jahr abbrechen zu müssen.

An der Uni Basel ist der Zugang zum Sportstudium ebenfalls limitiert. Und in Zürich wird das Studium zunehmend akademisch. Der praktische Teil, der bei vielen Studierenden so beliebt ist, wird zunehmend unbedeutend, weshalb viele nach Bern ausweichen. Rund die Hälfte der Berner Absolventinnen und Absolventen geht nach dem Studium an die Schulen, um Sport zu unterrichten. «Dafür müssen sie gute motorische Leistungen erbringen», sagt Conzelmann. Diese hätten aber bisher bei einigen Abgängern zu wünschen übrig gelassen. «Deshalb war der Ruf des Studiums an den Schulen nicht mehr der beste.» Mit dem Numerus clausus soll sich dies wieder ändern.

Der Bund

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