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«Wer ist denn hier behindert?»

Der Elsässer Fussballtrainer Gilbert Gress kam nach Bern, um dem FC Domino den letzten Schliff zu geben – am 11. September kämpfen die geistig behinderten Fussballer im Stade de Suisse um den Sieg.

Trotz 68 Jahren mit gutem Beispiel voran: Gilbert Gress beim Einwärmen mit den Fussballern des FC Domino.
Trotz 68 Jahren mit gutem Beispiel voran: Gilbert Gress beim Einwärmen mit den Fussballern des FC Domino.
Adrian Moser

Wenn der junge Gilbert Gress mit seinen Freunden auf den Fussballplatz ging, war August immer dabei. August war der behinderte Sohn der Grossfamilie, die das Haus neben der Familie Gress in Strasbourg bewohnte. Gilbert und seine Freunde zogen August stets in einer Karre hinter sich her und stellten ihn neben das Tor. «Das war ganz normal», sagt Gress. Der Vater von August war gestorben, die Mutter arbeitete viel, und die Schwester, die sich um ihn kümmern sollte, hatte viel zu tun – so sass August meist draussen vor dem Haus. Als die Schwester heiratete, war August alleine – und bald täglich bei der Familie Gress zu Gast. Gilberts Mutter kümmerte sich um August, und wenn er am Freitagabend nach Hause sollte, legte er sich aus Protest auf den Boden und machte keinen Wank mehr – August war nun Teil der Familie Gress. Als Gilbert Gress später bei Stuttgart Berufsfussball spielte, sah er August nur noch in den Ferien. Der wohnte nun wieder bei seiner mittlerweile pensionierten Mutter, «und immer, wenn ich rüberschaute, sass er am Fenster», erinnert sich Gress. Es sind seine letzten Erinnerungen an seinen Jugendfreund, der als 25-Jähriger starb.

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