Zum Hauptinhalt springen

«Wer betrogen hat, soll entlassen werden»

Beim Challenge-League-Spiel Thun - Gossau, das die Berner Oberländer klar mit 4:0 gewannen, diskutierten die Fans eifrig über den Wettskandal.

Bei den Zuschauern im Thuner Lachen-Stadion war nicht das Spiel gegen Gossau das grosse Thema, sondern der Wettskandal. (Manuel Zingg)
Bei den Zuschauern im Thuner Lachen-Stadion war nicht das Spiel gegen Gossau das grosse Thema, sondern der Wettskandal. (Manuel Zingg)

«Der hat halt gewettet», ruft ein älterer Herr in der vierten Spielminute auf der Tribüne. Thun-Spieler Roland Bättig hat mit seinem Schuss gerade die Latte getroffen. «Das musste er so machen», lästert wenig später sein Sitznachbar, als auch Stefan Glarner nur die Latte trifft. Beim Challenge-League-Spiel Thun - Gossau fallen viele solche Sprüche. Der Wettskandal ist auf den Zuschauerrängen das Thema Nummer 1.

«Ich habe letztes Jahr das Buch ‹Sichere Siege› von Declan Hill gelesen. Dass die Wettmanipulationen nun die Schweiz und insbesondere den FC Thun erfasst haben, überrascht mich nicht», sagt der Thuner Ralph Gluch, der die manipulierten Spiele von der Tribüne aus verfolgt hat. «Mir ist damals nichts aufgefallen. Für den Laien ist es schwierig, zwischen echtem Unvermögen und einer manipulierten Spielaktion zu unterscheiden.» Jetzt müsse untersucht werden, ob die Spiele systematisch manipuliert worden sind.

Sauber ist nur Völkerball

Auch auf den Stehplätzen diskutieren die Fans. «Der Verein kann nichts dafür, wenn Arbeitnehmer Scheisse bauen», sagt Dany Kuster aus Spiez. Er denkt, dass die Fankurve künftig wegen des Skandals leerer sein wird. Für ihn unverständlich. «Wer 100 Prozent sauberen Sport sehen möchte, müsste an ein Völkerballspiel des Frauenturnvereins gehen.»

Fanclubmitglied Simon Zaugg bedauert, dass der FC Thun für Aussenstehende immer mehr zum Skandalverein wird. Dabei sei doch der Verein unschuldig, bestechlich seien einer oder mehrere Spieler. «Wer betrogen hat, soll fristlos entlassen werden und nie mehr für Thun spielen», sagt Zaugg. Der Frutiger Rolf Zürcher stimmt ihm zu. «Da diese Spieler dem Klub geschadet und die Karriere des damaligen Trainers Hansruedi Baumann zerstört haben, sollten sie dem Fussball für lange Zeit fernbleiben», sagt Zürcher.

«Spiel nicht manipuliert»

In der Pause hält Thun-Präsident Markus Stähli auf dem Spielfeld im Lachen-Stadion eine Rede. «Ich verspreche, dass der FC Thun solche Machenschaften nicht toleriert und den Fairplay-Gedanken künftig wieder durchsetzt», sagt Stähli.

Der Oberdiessbacher Reto Vogt, der heute in Winterthur lebt, hört ihm genau zu. Vogt ist Gossau-Fan, er hat an Spielen der Schweizer Nationalmannschaft die kleine Ostschweizer Fanszene kennengelernt. «Die Vereinsleitungen in Thun und Gossau bewältigen die Krise gut», meint Vogt. Als Thun nach der Pause drei Tore schiesst, bleibt er ruhig. «Es wäre falsch, nun jeden Penalty zu hinterfragen. Dieses Spiel ist sicher nicht manipuliert», sagt Vogt. Der Ruf des FC Gossau sei aber ohnehin ruiniert.

Thun siegt in diesem Spiel problemlos mit 4:0. «Es war für uns wichtig, das letzte Meisterschaftsspiel vor der Winterpause zu gewinnen», sagt Sportchef Andres Gerber. In der Mannschaftskabine sei der Wettskandal kein Thema. «Wir haben keinen besonderen Druck gespürt und auch nicht miteinander über die Verdächtigungen gesprochen.»

Verteidiger Yves Zahnd bestätigt dies: «Klar stand ich letzte Saison bei vielen Niederlagen auf dem Platz. Aber ich will mir nicht den Kopf zerbrechen, warum wir damals so viele Tore erhalten haben.» Wichtig sei der heutige Sieg. Sportchef Gerber wird aber doch noch nachdenklich: «Gespielt habe ich in der Rückrunde ja nicht, ich war verletzt.» Aber er habe natürlich hautnah miterlebt, wie der Verein verzweifelt den Weg aus der sportlichen Krise gesucht habe. «In den letzten Tagen habe ich häufig an Trainer Hansruedi Baumann und Sportchef Helmut Dapp gedacht, die wegen der Niederlagenserie ihre Stelle verloren haben», sagt Gerber.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch