Wer ans Gurtenfestival will, muss im Voraus planen

Im Kampf gegen den Schwarzmarkt führt das Gurtenfestival personalisierte Tickets ein. Was dem Konsumentenschutz gefällt, freut nicht alle Festivalgänger.

Die Zeit der spontanen Ticketkäufe ist am Gurtenfestival vorbei. (Archiv)

Die Zeit der spontanen Ticketkäufe ist am Gurtenfestival vorbei. (Archiv)

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Der Run auf die Gurtentickets hatte in der Vergangenheit nicht nur Vorzüge. Kurz nachdem die begehrten Tickets ausverkauft waren, fand man sie zu weit teureren Preisen auf Onlineplattformen wie Ebay. Zunehmend gab es auch Fälle, in denen Fälschungen oder bereits entwertete Tickets verkauft wurden.

Dem will man beim diesjährigen Festival (14. bis 17. Juli) mit einem neuen Ticket­system entgegentreten: Die Eintrittskarten sollen personalisiert werden. Das heisst, der Name des Besitzer wird neu auf den Tickets stehen. Auf das Festivalgelände wird man also nur mit einem passenden Personalausweis kommen.

Das stösst einigen Festivalgängern sauer auf. Dem langjährigen Gurtenbesucher und DJ Ueli-Bartley Brönnimann ist das System zu unflexibel: Wenn man kurzfristig verhindert sei, gebe es nun keine Möglichkeit mehr, sein Ticket weiterzuverkaufen. Selbst wenn man eine Ticketversicherung abgeschlossen habe und krank werde, brauche man nun ein Arztzeugnis, um das Geld für die Tickets zurückzuerhalten. «Ich habe von vielen gehört, die es sich nochmals überlegen, ob sie einen Festivalpass kaufen wollen.»

Simon Haldemann, Mediensprecher des Gurtenfestivals, ist sich der Problematik bewusst: «Die Sache mit der Übertragbarkeit ist ein zweischneidiges Schwert.» Zum einen verliere der Kunde an Flexibilität, weil er das Ticket nicht mehr ohne weiteres weitergeben könne. «Zum andern werden in diesem Jahr viel mehr Leute an ein Ticket zum regulären Preis kommen als in den Jahren zuvor.» Man wolle sich aber in schwerwiegenden Fällen kulant zeigen. «Wir können den Ticketpreis aber nicht wegen schlechten Wetters oder Ähnlichem zurückerstatten.»

Bei der Stiftung für Konsumentenschutz, welche seit langem Massnahmen gegen den Schwarzmarkt fordert, kommt das neue System gut an. Gemäss Michael Grütter von der Rechtsabteilung des Konsumentenschutzes müsse es sich aber noch in der Praxis weisen, ob es zu Problemen komme. Für Beschwerden stellt der Konsumentenschutz ein Forum auf seiner Homepage zur Verfügung.

Ticketverkauf läuft gut

Ein unflexibles Ticketsystem legt den Verdacht nahe, dass sich weniger Leute für einen frühzeitigen Ticketerwerb entscheiden. Ein Blick auf die Seite von Starticket zeigt: Selbst für den Headliner Muse am Donnerstagabend sind noch Tickets zu finden. Ausverkauft sind bisher nur die Drei- und die Viertagespässe.

Haldemann beteuert, dass der Ticketverkauf auch in diesem Jahr gut angelaufen sei. «Es ist zudem schwierig, die diesjährigen Zahlen mit denen vom letzten Jahr zu vergleichen.» Grund dafür sei, dass die Tickets neu in zwei «Wellen» verkauft würden (siehe Kasten). «Ich vermute, dass die Leute die zweite Welle abwarten und dann versuchen, einen Vier- oder Dreitagespass zu ergattern», so Haldemann. Erst wenn diese ebenfalls ausverkauft seien, informiere man sich darüber, für welche Tage sich ein Ein- oder Zweitagespass lohne.

Der Bund

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