Wenn rot-grüne Pawlow-Reflexe in die Irre führen

Von Stadtrats-Irrungen und einem, der sich ins Fäustchen lacht.

Verwirrte Stadträte: Falscher Knopf gedrückt, und prompt sind die Velo-Gelder gekürzt.

Verwirrte Stadträte: Falscher Knopf gedrückt, und prompt sind die Velo-Gelder gekürzt. Bild: Franziska Scheidegger (Archiv)

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Nach 22 Uhr befindet sich der Berner Stadtrat meist in Auflösung. Obwohl die Sitzung noch eine halbe Stunde dauert, steigt der stets hohe Lärmpegel noch an. Die Stimmung ähnelt derjenigen in einer Schulklasse in der letzten Lektion vor der Mittagspause. Die Kinder sind mit dem Kopf schon ganz woanders, müssen sich aber trotzdem noch den langweiligen Monolog der Lehrperson anhören. Ungefähr so muss es am Donnerstagabend auch Patrik Wyss ergangen sein.

Wie ein routinierter Eleve muss der Kommissionssprecher der Fraktion GFL/EVP bereits auf Autopilot gewechselt haben. Nur so ist erklärbar, dass die gemeinderattreuste Fraktion aus Versehen einem Antrag zum Erfolg verhalf, der das Geld für die Velo-Kampagne des Gemeinderats mehr als halbiert. «Ich habe den Ratspräsidenten falsch verstanden», sagt Wyss. Daher wies er seine Fraktionsgspänli an, Grün statt Rot zu drücken. Da die GFL/EVP das Zünglein an der Waage spielt, hat damit das Parlament der Velostadt Bern einen Kredit für eine Velo-Kampagne gekürzt.

Nur einer lacht sich dabei ins Fäustchen: SVP-Fraktionschef Alexander Feuz. Tritt er ans Rednerpult, wissen die rot-grünen Ratsmitglieder in der Regel, was kommt, und hören häufig nicht mehr genau zu. Am Ende ist ja eh bloss wichtig, dass der Knopf gegen den Antrag Feuz gedrückt wird. Doch die laute Stimme des SVPlers ist beim Kürzungsantrag für einmal ausgeblieben. «Wenn man in der Minderheit ist, darf man nicht immer gleich vorgehen», sagt Feuz. Wenn er ein «markiges Votum» für den Antrag gestellt hätte, wäre dieser vielleicht abgelehnt worden, sagt der SVP-Politiker.

Iwan Petrowitsch Pawlow hätte Freude daran gehabt. Er hatte bewiesen, dass man Geräusche mit einem bestimmten Reflex verbinden kann. Im Stadtrat ist dieses Geräusch die Stimme von Alexander Feuz. Sie löst bei der Mehrheit den Reflex aus, gegen Feuz zu stimmen. Bleibt der Reflex aus, brauchte es eine Auseinandersetzung mit dem Vorgebrachten. Aber die ist im Autopilot-Modus eben nicht mehr möglich. (Der Bund)

Erstellt: 18.11.2017, 08:23 Uhr

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