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Wenn es schneit, kommt die Velo-Offensive ins Schleudern

Die erstmals vom Schnee befreite Berner Velohauptroute weckt Wünsche: Man solle gleich alle Velowege räumen, fordern Velofahrer. Nicht möglich, sagt das Tiefbauamt.

So wie Nicola von Greyerz dürfte es am Mittwochmorgen einigen Bernerinnen und Bernern ergangen sein. Die SP-Grossrätin trotzte mit ihrem Velo dem Schnee – und fiel hin. Ein Sprung aufs Trottoir hat sie vor Schlimmerem bewahrt. «Liebe Velostadt Bern, wie wärs mit Schneeräumen auf dem Velostreifen?», fragte sie deshalb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Sie ist nicht die Einzige. Auch Luzius Theiler von der linksaussen Partei GPB-DA und weitere Personen reklamierten online über schneebedeckte Strassen.

Tatsächlich werden nur sehr wenige Kilometer der Stadtberner Velowege prioritär vom Schnee befreit: Es ist die vom Wankdorf via Nordring und Europaplatz nach Bümpliz führende Velohauptroute, die neuerdings innerhalb von drei Stunden geräumt wird. Der Gemeinderat will mit diesem im Herbst angekündigten Pilotversuch testen, ob es funktioniert, Velowege gleich zu behandeln wie Hauptverkehrsstrassen.

Velorouten räumen gibt zu tun

«Uns war klar, dass dieser Versuch auch in anderen Quartieren Begehrlichkeiten wecken könnte», sagt Martin Schneider, Leiter Strassenreinigung und Winterdienst beim städtischen Tiefbauamt zu den Forderungen der velofahrenden Politikern. Doch dies sei nicht möglich. «Für uns bedeutet dies einen grossen Aufwand.» Zumal Velowege nicht nur mit Salz, sondern zusätzlich mit einer flüssigen Salzlösung behandelt würden.

Dies, weil normales Salz nur in Zusammenspiel mit darüberfahrenden Autos wirkt. Um diese velotaugliche Salzlösung zu verteilen, seien jedoch andere Fahrzeuge notwendig. «Wir besitzen natürlich einige Tanks», sagt Schneider. Aber mehr als die eine Veloroute liege nicht drin: «Sonst brauchen wir mehr Fahrzeuge und mehr Personal.»

Bereits heute über eine Ausweitung des Pilotversuchs zu diskutieren, hält Schneider für unseriös: «Noch wissen wir nicht, was es heisst, die Velowege zu räumen, wenn es einmal richtig schneit.» Bei der herkömmlichen Schneeräumung wird der Velostreifen als Pufferzone genutzt. Der Schnee vom Trottoir und von der Strasse wird dort angehäuft.

Doch wohin mit dem Schnee, wenn dort die Velos fahren sollen? «Wenn es viel Neuschnee gibt, müssten wir den Schnee abtransportieren», sagt Schneider. Das bedeute: Mit einer Fräse würde der Schnee auf einen Lastwagen geschleudert, der den Schnee dann aus der Stadt bringen würde.

Umsteiger belasten ÖV

Schneebedeckte Velowege haben auch Auswirkungen auf das restliche Verkehrssystem. Viele Berner dürften ihr Fahrrad die letzten Tage zu Hause gelassen haben. Dies bekam vor allem Bernmobil zu spüren, in deren Bussen und Trams der Platz deutlich knapper wurde. «Wenn es schneit, steigen viele Velofahrer auf den ÖV um», sagt Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer. Dies zeige sich etwa in der neuen ÖV-Plus-App, wo Bernmobil am Dienstag einen deutlichen Rekordumsatz erzielt habe. «Das ist vor allem auf Gelegenheitsfahrer zurückzuführen», sagt Meyer.

Mit der geplanten Velo-Offensive soll der Anteil Velofahrer bis ins Jahr 2030 verdoppelt werden. Bei Schnee dürften also in Zukunft noch mehr Menschen spontan auf den ÖV umsteigen. «Dies könnte eine Herausforderung werden», sagt Meyer. Aber Bernmobil könne aufgrund solch einzelner Spitzentage unmöglich das Angebot ausbauen.

Dort wo die Velo-Offensive geplant wird, glaubt man, die Velofahrer vom spontanen Wechsel zum ÖV abhalten zu können. «Ein Blick zu unseren nördlichen Nachbarn zeigt, dass auch bei garstigem Wetter Velo gefahren wird», sagt Christof Bähler, Leiter der städtischen Fachstelle Fuss- und Veloverkehr.

Die Velofahrer müssen laut Bähler sicher sein, dass sie wohlbehalten an ihrem Ziel ankommen. Hier sei man mit dem Test zur Schneeräumung auf dem richtigen Weg. Zudem seien Schneedepots auf den künftig geplanten breiteren Radstreifen weniger problematisch. «Wenn die Autos auf Distanz sind, fühlen sich Velofahrer sicherer.»

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