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Kies statt Asphalt gegen Hitzestress

Im Gegensatz zum Land oder zur Agglo kühlen Städte nachts nur wenig ab. Beim Bauen werde heute zu wenig Rücksicht aufs Klima genommen, sagt ein Berner Forscher.

Moritz Gubler zeigt im Familiengarten Schlossgut einen der 84 Sensoren.
Moritz Gubler zeigt im Familiengarten Schlossgut einen der 84 Sensoren.
Franziska Rothenbühler

Aare, Wald, Museum. Es gibt noch Orte, wo sich die Hitze ertragen lässt. Das Schlafzimmer gehört jedoch immer weniger dazu. Vor allem Menschen in der Stadt ächzen unter den hohen nächtlichen Temperaturen. Denn im Gegensatz zu der weniger dicht bebauten Umgebung kühlen sich Städte nachts viel weniger ab. Wie viel genau, wird derzeit von einer Gruppe Klimatologen der Universität Bern untersucht. Sie wollen mehr über das Berner Stadtklima erfahren.

Forscher des Geographischen Instituts sowie der Berner Firma Meteotest haben dazu auf dem Stadtgebiet 84 Sensoren installiert. «Damit können wir die Hitzebelastung der aktuellen Hitzeperiode hochaufgelöst aufzeichnen», sagt Moritz Gubler, der das Messnetz errichtet hat und betreibt. Die Sensoren messen seit Mai alle zehn Minuten die Lufttemperatur. Die Untersuchungen laufen noch bis Ende September.

«Hotspot» Bollwerk

Eine erste Auswertung zeigt: Auch in der Stadt gibt es grosse Temperaturunterschiede. Beispielsweise zwischen dem Bahnhofplatz und dem Familiengarten Schlossgut in Holligen. In der Nacht ist es beim Familiengarten derzeit fast vier Grad weniger heiss als auf dem Bahnhofplatz. Dass Betonwüsten wie der Bahnhofplatz, das Bollwerk oder die Welle 7 schlecht abschneiden, ist allerdings kaum überraschend. Der dunkle Asphalt absorbiert die Sonnenstrahlen und speichert die Wärme. Auch versiegelte Flächen wirken sich ungünstig aufs Stadtklima aus. «Besser wären Plätze aus Kies», sagt Gubler. Auf ihnen kann Wasser versickern und vom Boden gespeichert werden. Wenn es anschliessend verdunstet, kühlt dies die Umgebung. Natürlich könne man aber nicht einfach den Bahnhofplatz entsiegeln und mit Kies auffüllen, so Gubler. «Aber bei Parkplätzen ist dies durchaus eine Option.»

Gubler wünscht sich, dass seine Erkenntnisse bei künftigen Planungen berücksichtigt werden. Bei vielen Bauvorhaben werde heute noch zu wenig Rücksicht auf das Stadtklima genommen. «In 50 Jahren wird das anders aussehen», ist Gubler überzeugt. Wollen Städte nicht überhitzen, müssen die Planer bei künftigen Bauvorhaben auch den Wind berücksichtigen. Dieser könne besser zirkulieren, wenn Abstände zwischen Gebäuden erhöht würden oder Luftschneisen nicht mit Bauten verstellt werden, sagt Gubler. Um das Stadtklima zu verbessern, könnte die Stadt aber auch vorübergehend Bäume in Töpfen aufstellen lassen. Auch Wasserspiele, Teiche oder das Freilegen von Bächen sorgten für ein angenehmes Stadtklima, sagt Gubler. Ein gutes Beispiels sei etwa der Liebefeldpark in Köniz mit seinem grossen Teich.

Willkommene Alpenluft

Hitzewellen können für die Gesundheit eine ernsthafte Bedrohung sein. Vor allem ältere Menschen, Säuglinge und chronisch Kranke leiden unter den hohen Temperaturen. Im Vergleich zu anderen Schweizer Städten, etwa Basel oder Zürich, steht Bern punkto Stadtklima jedoch noch gut da. Bern liegt geografisch günstig auf der letzten Alpenschwelle. Nachts weht deswegen oft ein kühler Wind von den Alpen her durch den Aaregraben. Auch die Aare selber hat einen positiven Effekt. Wie gross dieser genau ist, kann Gubler derzeit nicht beziffern. Noch nicht.

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