Wenn die Hauptstadt nicht die wichtigste Stadt ist

Die Universität Bern hat die wirtschaftlichen Strategien von Bern, Den Haag, Ottawa und Washington untersucht.

Blick vom Bundeshaus Richtung Gurten. Bern ist nur «sekundäre Hauptstadt».

Blick vom Bundeshaus Richtung Gurten. Bern ist nur «sekundäre Hauptstadt». Bild: Alessandro della Valle/Keystone

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Paris, Rom, London, Madrid: Dass das politische auch das wirtschaftliche Zentrum des Landes ist, scheint der Normalfall zu sein. Doch wie können sich die kleinen Regierungsstädte behaupten? Ein Team der Universität Bern hat sich in vier solchen Städten umgesehen: in Bern, der niederländischen Regierungsstadt Den Haag, der kanadischen Hauptstadt Ottawa und in Washington D. C.

Die vier Städte gehören jeweils nicht zu den drei grössten Städten ihres Landes und sie verfügten nie über eine grosse Industrie. Entsprechend müssen sie sich wirtschaftlich gegen grosse Konkurrenten behaupten. Die Studienautoren formulieren zehn Empfehlungen an die Akteure der «Sekundären Hauptstädte». Bern setzt bereits einiges davon um. Etwa, dass sich die Stadt aktiv als Bundesstadt vermarktet und durch entsprechendes Lobbying erreicht hat, dass es hierzulande neben den drei grossen Metropolitanräumen noch den Spezialstatus der Hauptstadtregion gibt.

Bern soll Bund besser einbeziehen

Wie die Autoren finden, könnte die Region Bern wirtschaftlich aber noch mehr von der Bundesverwaltung profitieren. Sie verweisen auf Washington und Den Haag, wo Organisationen existieren, die im Rahmen der öffentlichen Beschaffung innovative Unternehmen fördern. So existiert in Den Haag eine Cluster-Organisation für den Sicherheitsbereich. In dieser kann sich der Staat mit privaten Zulieferern, in der Stadt vertretenen internationalen Organisationen und Universitäten austauschen.

Mit dem Fokus auf Cybersecurity wird eine zukunftsträchtige Branche, die von Staatsaufträgen profitieren kann, in der eigenen Stadt gefördert. In der US-Hauptstadt, wo die Budgets ungleich grösser sind, gibt es mehrere Organisationen für den Austausch zwischen den Zulieferern, dem Staat und den Hochschulen.

In Bern existierten solche Gremien für den Austausch von lokalen Unternehmen mit der Bundesverwaltung kaum, sagt Heike Mayer, Studienautorin und Berner Professorin für Wirtschaftsgeografie. Die regionalen Wirtschaftsorganisationen sollten den Bund viel stärker einbeziehen, fordert Mayer.

Was Bern in den Augen der Autoren richtig macht: Die Stadt verlange für ihre Rolle als Bundesstadt Geld vom Bund. Doch während etwa Ottawa pauschal entschädigt werde, müsse Bern für verschiedene Abgeltungen hart lobbyieren.

Heike Mayer, Fritz Sager, David Kaufmann, Martin Warland: The Political Economy of Capital Cities. Routledge, London 2018.

Braucht es einen Halbkanton oder einen Hauptstadtdistrikt? Welche Probleme brächte eine Trennung mit sich? Inwiefern profitieren Stadt und Land voneinander?Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch». (Der Bund)

Erstellt: 21.03.2018, 06:43 Uhr

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