Wenn das Innenleben herausmuss

Das Berner Kultur-Casino wird zurzeit saniert. Das gesamte Inventar wurde öffentlich verkauft. Dadurch wurden einige Tonnen Abfall vermieden. Einige Artikel waren jedoch nur schwer vermittelbar.

Dominik Stalder, Fabienne Aebi und Adrian Sager betreiben das Hostel 77 beim Zieglerspital in Bern.

Dominik Stalder, Fabienne Aebi und Adrian Sager betreiben das Hostel 77 beim Zieglerspital in Bern. Bild: Franziska Rothenbühler

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Nein, auf den ersten Blick haben das Berner Kultur-Casino und das Hostel 77 beim Zieglerspital keine Gemeinsamkeiten. Und doch verbindet die zwei Betriebe etwas. Denn als das sanierungsbedürftige Casino vergangenen Juli seine Türen schloss, wurde das Inventar der Öffentlichkeit zum Kauf angeboten. So fanden Besteckstücke, Kaffeemaschine, Weingläser und Toaster den Weg in die Räumlichkeiten des Hostels 77. Es war ein Kauf, der für die Betreiber mehr Wert hat als blosse Erinnerungen. «Hätten wir das alles im Neuzustand gekauft, hätten wir 15 000 Franken mehr bezahlt», sagt Fabienne Aebi, die das Hostel zusammen mit Dominik Stalder im September eröffnet hat.

Gemüsehäcksler war nicht dabei

Zum ganz grossen Glück hat der Griff in den Casino-Fundus dann doch nicht gereicht. «Wir hofften auf einen Gemüsehäcksler, doch leider gab es keinen», sagt Aebi. Zu viel Material wollen die Betreiber des Hostels auch gar nicht anhäufen. Ihr Vertrag läuft nur bis 2023.

Die Weitervermittlung des Casino-Inventars wurde von der Firma Useagain übernommen. Sie hilft Betrieben, die Sanierungen oder einen Grossumbau planen, ihre Mobilien zu verkaufen, um die Gegenstände vor der Verschrottung zu retten. Beim Casino-Projekt hat das gut geklappt. «Unsere Vorstellungen wurden massiv übertroffen. 80 Prozent der Artikel haben eine Wiederverwendung gefunden», sagt Geschäftsführer Daniel Glauser. Dabei seien Teller, Gabeln und Gläser, aber auch Gartenmöbel wie Loungetische am begehrtesten gewesen.

Konzertstühle als Ladenhüter

Zu Glausers Überraschung hat sich hingegen die Konzertbestuhlung als Ladenhüter entpuppt. «Die Stoffsessel sind vielleicht einfach zu wenig alt, um wieder modern zu sein.» Sie hätten wohl mit einem schöneren Stoff überzogen werden müssen, sagt Glauser nachträglich. Schlussendlich sind die unbeliebten Sessel aber dennoch weggekommen. «Das Casino hat sie einem Hilfswerk gespendet.» Als unvermittelbar blieb schlussendlich etwas «Ramsch» zurück. «Ein paar Klapptische konnten wir nicht verkaufen.» Insgesamt wurden online 8430 Artikel aus über 900 Kategorien feilgeboten.

Vieles davon befindet sich nun in Start-up-Unternehmen, neu eröffneten Gastronomiebetrieben oder aber auch in privaten Wohnzimmern. Dass so viel davon verkauft wurde, habe einen ökologischen Vorteil, sagt Glauser. «Dadurch konnten 175 Tonnen Abfall vermieden und 1 400 000 Kilowattstunden eingespart werden.» Zudem habe der Verkauf für die Burgergemeinde als Casino-Eigentümerin monetär eine positive Bilanz gebracht.

Attraktive öffentliche Häuser

Glauser geht davon aus, dass sein Konzept auch in Zukunft bei Firmen Anklang finden wird. Doch die Durchführung sei auch mit Schwierigkeiten verbunden, räumt er ein. «Bauplaner unterschätzen oft die Zeit, die es für ein solches Projekt braucht.» Dennoch habe er bisher nur offene Türen eingerannt. So hat Glauser schon Inventar von Novartis oder Syngenta verkauft. 2019 möchte er das Innenleben des St. Galler Stadttheaters auf den Markt bringen.

Im Raum Bern ist in nächster Zeit kein Inventarverkauf geplant, der es mit der Grösse des Casino-Fundus aufnehmen könnte. Welches wäre denn Glausers Wunschprojekt? Wo würden die Kunden am längsten Schlange stehen? «Es sind eher die Betriebe, die öffentlich zugänglich sind.» So wäre beispielsweise das Inventar des Hotels National oder des Stadttheaters für Glauser ein attraktiver Auftrag. «Bei bekannten Objekten ist die Identifikation gross», sagt Glauser. (Der Bund)

Erstellt: 14.03.2018, 06:47 Uhr

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