Weniger Bargeld, weniger Probleme

Nach der Cashless-Katastrophe von 2013 will das Festival noch einmal ohne Bargeld auskommen. Bis jetzt bewährt sich das System, Besucher zeigen Skepsis.

Im Verlauf des Nachmittags verschoben sich die Schlangen vom Cash-Point zu den Getränkeständen.

Im Verlauf des Nachmittags verschoben sich die Schlangen vom Cash-Point zu den Getränkeständen. Bild: Marco Raho

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Vor dem diesjährigen Gurtenfestival war vor allem eine Frage in aller Munde: Wird das neue Cashless-System funktionieren? Erste Experimente mit bargeldloser Zahlung am Festival waren nämlich in der Ausgabe von 2013 spektakulär gescheitert. Bereits am ersten Tag sorgte ein Softwarefehler für den Absturz des Systems, danach musste man erneut mit altertümlichen Zahlungsmitteln wie Münzen und Noten handeln.

Somit war es eine Überraschung, als die Festivalleitung im Vorfeld verkündete, man wolle einen zweiten Anlauf wagen. Das neue Cashless-System funktioniert über eine Karte, die jedem registrierten Besucher ausgehändigt wird. Online oder an speziellen Cashless-Points auf dem Gelände kann man Geld auf die Karte laden.

Ein Selbstversuch zeigt: Der Registrierungsprozess könnte einfacher sein. Nach etwas blindem Durchklicken scheint jedoch das Geld vom Kreditkartenkonto auf das Gurten-Kärtchen übertragen zu sein. Vor Ort auf dem Hügel funktioniert eine erste Transaktion scheinbar reibungslos, es dauert nur wenige Sekunden, bis man ein kühles und angenehm schäumendes Bier in der Hand hält.

«Gar nicht mal so mies»

Einige Besucher bleiben jedoch skeptisch – auch, weil die Warteschlangen bei den Auflade-Stationen zunächst beachtlich sind. «Jetzt muss man vielleicht nicht mehr an der Bar anstehen», sagt eine junge Frau. «Dafür warten wir hier lange.» Technische Schwierigkeiten habe sie jedoch keine erlebt. Eine andere Frau wiederum, die bargeldlos einen Hamburger erwerben konnte, meldet, sie habe bei der Registrierung einen Bug erkannt. «Am Mittwochabend war auf der Seite alles auf Tschechisch!» Später habe aber alles funktioniert. «Jetzt läuft alles bestens. Ich merke, dass ich weniger lang anstehen muss.»

Das Urteil eines Herren: «Das Cashless-System ist gar nicht mal so mies.» Er habe erwartet, dass es gar nicht funktioniere, das Gegenteil sei aber der Fall. Ein Problem hat er aber ausgemacht. «Ich kann nicht mehr einfach dem Kollegen etwas Geld in die Hand drücken, damit er mir ein Bier holt.»

Die Mitarbeiter der Essens- und Trinkstände sind vom System überzeugt. «Es ist super praktisch», sagt die Eisverkäuferin der Gelateria di Berna. «Wir arbeiten schneller, jetzt müssen wir nicht mehr kopfrechnen», sagt eine Frau an der Mixerbar. Einen grossen Nachteil gebe es aber schon: «Jetzt kriegen wir kein Trinkgeld mehr.»

Technische Schwierigkeiten habe es noch keine gegeben, sagt Simon Haldemann, Sprecher des Festivals. In den Jahren seit dem Flop von 2013 hätten sich sowohl Cashless-Technologie wie auch die Sensibilität der Besucher gegenüber dem Konzept weiterentwickelt. Über Ausweichpläne will er nicht sprechen. «Das gleiche System hat letzte Woche am Open Air Frauenfeld problemlos funktioniert», sagt er. «Das wird es auch am Gurtenfestival.» (Der Bund)

Erstellt: 11.07.2018, 21:14 Uhr

Mehr Platz – weitere Wege

Neuerungen Neben dem Cashless-System (siehe Haupttext) und dem Verzicht auf Sponsoring von Tabak- und Spirituosen-Herstellern («Bund» vom Montag) hat sich auch sonst einiges geändert auf dem Gurten. Am deutlichsten bemerkbar macht sich – vor allem in den Beinen der Festivalbesucher – die neue Lage der Zeltbühne. Statt in Sichtweite der Hauptbühne ist diese nun am Hang Richtung Kehrsatz aufgebaut, da wo früher ein Teil des Zeltplatzes war. Das sorgt für längere Wege zwischen den Bühnen, bringt aber auch Platz auf dem bisherigen Gelände, das sich offener präsentiert.

Ebenfalls neu gelegen ist die Waldbühne, die bisher am Fuss des steilen Hangs Richtung Spiegel positioniert war. Jetzt ist sie ungefähr da, wo die Zeltbühne stand. Der neue Standort bietet weniger Platz für Publikum als der alte Hang. Auch das Zelt, in dem das Mischpult untergebracht ist, nimmt vielen Zuschauern die Sicht. Wie sich die neue Position der Waldbühne bewährt, wird sich an den kommenden, ausverkauften Tagen zeigen. Ebenfalls umplatziert wurde der Zeltplatz. Hier wird es für einige Festivalbesucher wohl umbequeme Nächte geben, stehen doch einige Zelte in steilem Gelände.

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