«…weil wir eine Stadtpräsidentin wollen»

Für die designierte Co-Präsidentin des Grünen Bündnisses (GB) hat in den nächsten Stadtberner Wahlen die «Bündelung linker und grüner Kräfte» Priorität.

Polit-Aktivistin Rahel Ruch (links) schlägt bereits sehr präsidiale Töne an. Rechts die Co-Präsidentin des Grünen Bündnisses (GB) Ursina Anderegg.

Polit-Aktivistin Rahel Ruch (links) schlägt bereits sehr präsidiale Töne an. Rechts die Co-Präsidentin des Grünen Bündnisses (GB) Ursina Anderegg. Bild: Adrian Moser

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Frau Ruch, übernehmen mit Ihnen und Ursina Anderegg die Fundis das Grüne Bündnis (GB)?
Ich weiss nicht genau, was ein Fundi sein soll. Es geht auch nicht um eine Machtübernahme, weil das GB nicht so funktioniert: Die Positionen werden nicht von oben nach unten, sondern von unten nach oben gebildet. Wir sehen unsere Rolle im Co-Präsidium denn auch nicht als Richtungsgeberinnen, sondern als Moderatorinnen und Repräsentantinnen der Parteihaltung.

Sie setzten sich für SP-Frau Ursula Wyss im Stadtpräsidium ein. Welchen Eindruck haben Sie von Alec von Graffenried?
Er treibt viele Bauprojekte voran: Viererfeld, Gaswerkareal. Da geschieht etwas in einem Thema, das für die Stadt von hoher Wichtigkeit ist. Allerdings geschieht das nicht immer nach unseren Wünschen. So musste der Stadtrat den Bau von Eigentumswohnungen auf dem Gaswerkareal verhindern. Es ist schwierig, dass Alec von Graffenried in vielen Themen nicht immer eine klare Haltung vertritt. Aber es gibt Verbesserungen zu verzeichnen. So hat er zum letzten Polizeieinsatz auf der Schützenmatte Stellung bezogen.

Hat er die Situation vor der Reitschule beruhigt?
Mit dem Aufgleisen der dreijährigen Zwischennutzung geht die Politik im Raum Schützenmatte in die richtige Richtung.

In Sachen Parkplätze auf der Schützenmatte setzte er sich aber für einen Kompromiss ein, wonach ein Teil der Abstellflächen erhalten bleiben soll.
Wir wünschen uns sicher nicht den Erhalt von Parkplätzen auf der Schützenmatte. Immerhin konnte man aber einen Kompromiss schmieden, der die Weiterentwicklung des Platzes ohne rechtliche Auseinandersetzungen ermöglicht. Da musste man pragmatisch sein.

Wird das GB von Graffenried zur Wiederwahl verhelfen?
Das GB hat bei den letzten Wahlen in der Stichwahl Ursula Wyss unterstützt, weil wir eine Stadtpräsidentin wollen. Das GB wird vor den nächsten Wahlen entscheiden, wen wir unterstützen. Es ist heute noch zu früh, über Stadtpräsidiumskandidaturen zu spekulieren.

Wird das GB die Wiederwahl von Graffenried auch dann unterstützen, wenn die Bürgerlichen mit einer weiblichen Kandidatur antreten?
Ich bin ja gespannt, ob sich die Grünliberalen wirklich mit der SVP zusammentun und eine Liste bilden wollen. Das würde mich doch sehr erstaunen.

Aber Sie wollen von Graffenrieds Partei bei Rot-Grün-Mitte behalten, obwohl Sie vor den letzten Wahlen sagten, dass auf sie nicht immer Verlass sei?
Die SP steht mir persönlich näher als die Grüne Freie Liste (GFL). Aber angesichts des Rechtsdralls in der kantonalen und nationalen Politik müssen linke und grüne Kräfte in den Städten zusammenarbeiten. GB und GFL decken unterschiedliche Spektren ab, was der grünen Bewegung zugutekommt.

Eine Fusion mit der GFL ist demnach kein Thema mehr?
Diese Frage hat man vor den letzten Wahlen diskutiert. Sie liegt heute nicht auf dem Tisch.

Sie reden wie eine Politfunktionärin, dabei waren Sie bisher als Basisaktivistin bekannt.
Das widerspricht sich im GB nicht. Mir ist klar, dass die Übernahme des Co-Präsidiums auch ein Rollenwechsel bedeutet.

Im Januar 2016 haben Sie noch nichts von einem grünen Stadtpräsidenten gehalten. Haben Sie Kreide gegessen?
Das GB hat bei den letzten Wahlen in der Stichwahl Ursula Wyss unterstützt. Die Stimmbevölkerung hat anders entschieden.

Die Treue zum Bündnis von Rot-Grün-Mitte (RGM) hat für Sie wohl oberste Priorität?
Für uns hat die Bündelung linker und grüner Kräfte oberste Priorität. Bei Proporzwahlen ist es nicht zielführend, sich intern zu zersplittern.

Haben Sie Ihre politische Seele verkauft?
Nein. Für mich war und ist ein klares links-grünes GB-Profil wichtig. Bei Wahlen muss man aber pragmatisch sein. Was ich kritisierte, ist der RGM-Mythos.

Was ist das?
Man muss nicht meinen, RGM sei ein Block, in dem alle gleich sind. Es gibt unterschiedliche Ausprägungen und auch Uneinigkeit in einigen Dingen.

Alec von Graffenried kann nach diesem Interview wohl ruhiger schlafen, weil Sie sich klar zu RGM bekennen.
Ich bin nicht für den Schlaf von Alec von Graffenried zuständig.

Was wollen Sie anders machen als Ihre Vorgängerin?
Wir werden Stéphanie Penhers Arbeit weiterführen. Sie hat viel zum GB-Erfolg beigetragen, indem sie die Arbeit der Aktiven gebündelt und gegen aussen vertreten hat. Angesichts der kantonalen und nationalen Abbaupolitik im Sozialbereich wollen wir Rezepte entwickeln, wie die Stadt hier vorangehen kann. Auch wollen wir die Gentrifizierung stärker bekämpfen. Wir müssen Antworten auf Verdrängungsprozesse suchen, damit alle in der Stadt leben können. Dafür braucht es zum Beispiel mehr günstigen Wohnraum. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.10.2018, 06:43 Uhr

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