Weil es im Stadttheater zu heiss ist, erhält Nachtclub mehr Platz

Das Nähatelier des Stadttheaters Bern kann seine neue Werkstatt an der Nägeligasse einrichten. Der nicht freiwillige Umzug löst derweil viel Bewegung aus – am Bollwerk.

Der Wegzug von Oliver Busato und seinem Velogeschäft aus der Nägeligasse steht fest. In seinem Laden soll künftig das Nähatelier des Stadttheaters einziehen.

Der Wegzug von Oliver Busato und seinem Velogeschäft aus der Nägeligasse steht fest. In seinem Laden soll künftig das Nähatelier des Stadttheaters einziehen. Bild: Franziska Scheidegger (Archiv)

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Velos raus – Kostüme rein: Anfang September wird der bekannte Veloladen Visionen, der während zwölf Jahren an der Berner Nägeligasse wirtschaftete, ins Bollwerk 35 umziehen. Die Stadt Bern hat den Mietvertrag nicht weiter verlängert. In naher Zukunft wird nun aber dort das Nähatelier des Stadttheaters einziehen. Dieses ist derzeit noch im Dachstock des neu sanierten Stadttheaters untergebracht. Doch dort ist es zu heiss für das Personal. Weil dort gebügelt wird, sind die Hitze und die Luftfeuchtigkeit sehr hoch und darum ein Problem.

Vom Standort Nägeligasse erhofft sich das Stadttheater nun bessere Arbeitsbedingungen. Der Auszug des Veloladens geschieht aber nicht ganz freiwillig. Olivier Busato, Geschäftsführer von City Cycles, hatte die Kündigung seinerzeit angefochten – allerdings erfolglos. Der neue Standort am Bollwerk ist für ihn aber jetzt durchaus ein Glücksfall. Dort gebe es zwar ein «paar Quadratmeter weniger Verkaufsfläche», dafür aber mehr Laufkundschaft.

An der Nägeligasse sei es nämlich eher schwierig gewesen, Neukunden anzulocken, sagt Busato. Der Vermieter vom Bollwerk lege zudem grossen Wert auf Nachhaltigkeit, und ein Veloladen passe deshalb gut an diesen Ort; einen Schuhladen habe man nicht gewollt. Seit dem Auszug des Pico Bollo im Mai war man dort auf der Suche nach geeigneten Mietern. Nun wird der Veloladen im September direkter Nachbar des Restaurants O’bolles.

Dominospiel am Bollwerk

Und das Pico Bollo? Die Filiale des Arbeitsintegrationsprojekts Drahtesel ist bereits im vergangenen Mai ausgezogen, ebenfalls nicht ganz freiwillig. Obwohl der Vermieter sie gerne behalten hätte, sagt Paolo Richter, Unternehmensleiter des Drahtesels. Ein Grund sei unter anderen der zunehmende Kostendruck auf die Arbeitsintegration durch den Kanton, sagt Richter. Das habe den Drahtesel zur Zusammenlegung bewogen. Sämtliche Arbeitsbereiche der sozialen Firma werden nun an einem Ort zentralisiert.

Unter dem Namen Dreigänger ist der Laden beim Drahtesel im Liebefeld provisorisch wieder eröffnet worden. Ab September werde man dort den Verkaufsladen mit dem Veloservice und dem neuen Dreigänger-Restaurant verbinden, sagt Richter. Der letzte Wechsel betrifft den Laden Velo-Service, seit Jahrzehnten ebenfalls am Bollwerk. Der kleine Veloladen zwischen Kapitel und Crêperie ist die älteste Filiale von City Cycles. Nachdem dort der Vermieter gewechselt hatte, verdoppelte sich laut Busato die Miete für den Laden. Busato zahlte – und erhielt zwei Monate später trotzdem die Kündigung, «grundlos», wie er sagt.

Deshalb werde die Filiale Velo-Service aufgegeben und im September mit Visionen am neuen Standort neben dem O’bolles zusammengelegt. Laut Busato gehen dabei keine Arbeitsplätze verloren. Das Kapitel hat für den Standort des jetzigen Velo-Service bereits Interesse angemeldet. Mehr wollte oder konnte man aber am Mittwoch noch nicht sagen, es sei noch nichts «spruchreif», hiess auf Anfrage. (Der Bund)

Erstellt: 17.08.2017, 06:50 Uhr

Leidige Vorgeschichte

Als vor zwölf Jahren ein Veloladen in die Berner Nägeligasse einzog, waren darüber nicht alle begeistert. Insbesondre die Jazz- und Theaterszene hatte sich eine andere Nutzung erhofft. 2003 kaufte die Abteilung Kulturelles der Stadt Bern für 4,5 Millionen Franken die Räumlichkeiten der ehemaligen Kornhauspost. Geplant waren ein neues Jazzlokal und eine Bühne für alternatives Theater – die Vidmarhallen existierten damals noch nicht.

Doch die Stadt hatte die Rechnung ohne die französische Kirchgemeinde gemacht. Diese besass den obersten Stock der alten Post und hegte keine Absichten auszuziehen – obwohl ihr die Stadt das jetzige Kornhausforum angeboten hatte. Die Projekte mussten fallen gelassen werden, der Kulturort Kornhauspost war nach anderthalbjährigen Bemühungen gescheitert.

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