Warum braucht es das Depot?

Die Ask-Force versucht, das Depot für Schliessfächer im Museum zu rechtfertigen.

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Nachdem im Ask-Force-Briefkasten in der Altjahrswoche gespenstische Leere herrschte, eilte unsere treue Leserin Frau Blankenhorn-Memper sofort zu Hilfe. «Als fleissige Museumsgängerin (ja, ich höre euren Kommentar: Blaustrumpf!) möchte ich wissen, weshalb Besucherinnen und Besucher in den meisten Museen einen Ein- oder Zweifränkler einwerfen müssen, um ihre Wertsachen in den Schliessfächern deponieren zu können.» Sie sehe den Zweck dieses Depots nicht. Das Museum verdiene nicht daran, und für die Besucher sei es ärgerlich, da ihnen oft das nötige Geldstück fehle und sie wieder zurück zur Kasse müssten. Und: «Niemand würde den kleinen Schlüssel klauen wollen und seine wertvollen Sachen im Kästchen lassen.»

Frau Blankenhorn-Memper, gerne gehen wir auf Ihre Frage ein. Allerdings nicht, ohne unsere Verwunderung über Ihren Blaustrumpf-Einschub kundzutun. Sie haben sich offenbar ein klares Bild von uns gemacht. In Ihren Gedanken sitzen wir in einer rauchgeschwängerten Wohnküche irgendwo in einem erst teilweise gentrifizierten Quartier, trinken Jim Beam und geben die Namen der Fragenstellerinnen und -steller in eine einschlägige Suchmaschine ein – und dann wird gelästert. «Ey, seht mal, ein emeritierter Physikprofessor, höhöhö. Abgefahren! Und da, eine Museumsgängerin, krass, so intellektuell und emanzipiert, voll der Blaustrumpf!» Und wenn wir fertig sind, dann geben wir auch noch die Frage in die Suchmaschine ein und machen einen auf ernst. In etwa so stellen Sie sich das vor, nicht wahr?

Wir lassen das jetzt mal so stehen und gehen zurück zur Frage. Das Depot mag ärgerlich sein und es mag dem Museum keine zusätzlichen Einnahmen bescheren, aber es ist nötig. Es braucht ein Geldstück, damit Sie den Schlüssel überhaupt drehen und rausnehmen können. Liesse er sich ohne Gegenleistung rausnehmen, würden viele ihre Wertsachen schnappen und den Schlüssel dann trotzdem mit einpacken. Warum? Weil er gratis ist. Und glauben Sie uns, ist etwas gratis, werden Menschen komisch: Sie gehen zur Teststunde ins Fitnesscenter, freuen sich über das x-te Brillenputztuch oder essen im Bio-Supermarkt einen ganzen Teller Randen-Dinkel-Chips. Freiwillig!

Übrigens: Gut möglich, dass wir Sie demnächst im Museum antreffen. Der Kanton hat uns für unsere Dienste an der Allgemeinheit eine Freikarte zugestellt. Wir haben sie gerne behalten.

Die Ask-Force verlangt für Ihre Fragen kein Depot: askforce@derbund.ch

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