War es der Gärtner?

Die Wiesen in den Stadtbädern sind trocken. Die Hitze scheint der Stadtverwaltung zu Kopf gestiegen zu sein: Niemand will den Rasen giessen müssen.

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Das Lorrainebad hat sich in eine Savanne verwandelt. Niemand würde sich wundern, wenn nächstens ein Zebra um die Ecke käme. Mit dem Schlimmsten rechnend, geht man dem Hinweis eines Lesers nach, der sich über die trockene Wiese im Lorrainebad beschwert hat. Tatsächlich ist der Boden trocken, und der Rasen hat braune Stellen. Er sieht aus, als hätte er schon lange kein Wasser mehr bekommen. Stimmts? Der Bademeister will dazu nichts sagen und verweist auf die Leitung des Marzilibads. Diese ist auch für den Betrieb des Lorrainebads zuständig.

Marzili-Chef Beat Wüthrich sagt auch nichts, er ist in den Ferien. Und sein Stellvertreter Martin König hat an diesem Tag frei. Neben dem ungeheuerlichen Verdacht der Dienstverweigerung am Rasensprenger gibt es einen weiteren brisanten Punkt zu klären: Wer ist eigentlich verantwortlich für die Badi-Dürre, neben dem Wetter, versteht sich?

Dem empörten «Bund»-Leser ist nämlich zu Ohren gekommen, dass neuerdings Stadtgrün Bern (die frühere Stadtgärtnerei) für die Bewässerung der Liegewiesen in den öffentlichen Bädern zuständig sei und die Bademeister darum nicht mehr selber bewässern dürften. Ein Bademeister im Marzili bestätigt das Gerücht: Letzte Woche sei eine entsprechende Weisung «von oben» gekommen. Das würde bedeuten, dass es Stadtgrün ist, das die Rasen vertrocknen lässt.

Schlimmstenfalls nachsäen

War es also der Gärtner? Ja und nein. Stadtgrün bewässert derzeit nur einen Teil der Wiesen und Wildsträucher auf dem Stadtgebiet. Grosse Rasenflächen wie etwa der Rosengarten oder der Hang neben dem Lorrainebad bleiben trocken. «Bei der Hitze ist es unmöglich, Wiesen so zu bewässern, dass sie grün bleiben», sagt Christoph Teuscher von der Grünflächenpflege bei Stadtgrün. Für die Pflanzen könne nicht unbegrenzt Trinkwasser abgezapft werden.

In Zahlen ausgedrückt: Bei 30 Grad Celsius im Schatten verdunsten circa 40 Liter Wasser pro Quadratmeter Rasenfläche pro Tag. Das ist doppelt so viel wie bei 25 Grad Celsius. Zudem, so Teuscher, regenerierten sich gerade Wiesen nach einer längeren Regenperiode schnell. Schlimmstenfalls könne Rasen nachgesät werden.

Keine Zeit fürs Giessen

Was aber ist mit den enttäuschten Badegästen, die saftig-grüne Matten erwarteten? Von der neuen Aufgabe für Stadtgrün in den Berner Freibädern weiss Teuscher nichts. Mähen, Blumen sowie Bäume giessen tue man dort, aber nicht den Rasen bewässern. Dafür sei das Sportamt zuständig. Dieses jedoch verweist wieder auf Stadtgrün. Das Pingpong geht weiter, bis Bernhard Zumbrunn vom Sportamt am Telefon ist. Er sagt, die angebliche Weisung sei ein Missverständnis. Weiterhin sollen die Bademeister die Wiesen giessen. «In den letzten vier bis fünf Wochen hatten sie dazu aber keine Zeit.»

Der Ansturm bei dem schönen Wetter sei einfach zu gross, vor allem in den Bädern mit Aarezugang. Schon nur beim Aufpassen und Putzen stosse das Personal an seine Grenzen. Ohnehin habe «Sicherheit und Sauberkeit» für die Bademeister Priorität. So gilt für die Stadt bei ihren Bädern offenbar das Credo: Eine saubere Savanne ist besser als eine dreckige und wilde. Schlechte Aussichten für ein Zebra.

DerBund.ch/Newsnet

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