Waldau eröffnet neue Station für straffällige psychisch Kranke

Der Kanton Bern schliesst eine Lücke bei der Behandlung von psychisch Kranken im Strafvollzug und gewaltbereiten Menschen mit fürsorgerischem Freiheitsentzug. Für sie gibt es neu 14 Plätze auf dem Waldau-Areal der Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) Bern.

Für Inhaftierte, die eine stationäre psychiatrische Behandlung brauchen, existieren nur wenig geeignete Plätze.

Für Inhaftierte, die eine stationäre psychiatrische Behandlung brauchen, existieren nur wenig geeignete Plätze.

Regierungsrätin Barbara Egger hat die forensisch-psychiatrische Station am Freitag eröffnet. Die neue Abteilung wurde im Gebäude Alte Klinik untergebracht; die Baukosten betrugen zwölf Millionen Franken. Die Station erfüllt hohe Sicherheitsanforderungen. Der Kanton bezeichnet sie als ausbruchsicher.

Für inhaftierte Menschen, die psychisch schwer krank sind und die eine stationäre psychiatrische Behandlung dringend brauchen, sind geeignete Plätze heute Mangelware, wie Regula Mader, Vorsitzende der UPD-Geschäftsleitung, in Erinnerung rief.

«Wir sollten nicht vergessen: Auch Menschen, die sich strafbar gemacht haben, haben ein Anrecht auf Behandlung, wenn sie krank sind», betonte Mader gemäss Redetext. «Und das betrifft psychische Krankheiten ebenso wie körperliche.»

Behandelt werden sie in der neuen Station von Fachleuten aus Medizin, Pflege und Sozialarbeit, die mit Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten zusammenarbeiten. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer soll laut Mader rund 30 Tage betragen.

«Keine Gefängnisatmosphäre»

Trotz der besonderen Sicherheitsanforderungen herrsche in der neuen Station keine Gefängnisatmosphäre, stellte Regierungsrätin Egger fest. Die Räume seien lichtdurchflutet, die Wände in Farben mit beruhigender Wirkung angestrichen. Ausserdem «hat es keine hässlichen Gitter vor den Fenstern».

Das ändere nichts daran, dass die neue Abteilung eine geschlossene Station sei: Die Patienten erhalten keinen Ausgang und dürfen nur im internen Garten spazieren gehen, einige sogar nur auf dem Dach des Neubaus. Schliesslich sei die Aufgabe einer forensisch-psychiatrischen Station nicht nur Therapie und Resozialisierung. «Wir haben auch die Gesellschaft zu schützen», betonte Egger.

Eine Therapieabteilung für gefährliche, psychisch gestörte Straftäter führt seit kurzem auch die Strafanstalt Thorberg. Ihre 24 Plätze sind bereits besetzt. Schweizweit gibt es gemäss Experten einen Mangel an geeigneten Therapieplätzen.

gbl/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...