Wärmespeicher unter Berner Boden

EWB prüft den Bau eines Abwärme-Speichers bei der Energiezentrale Forsthaus. Dafür sollen mehrere tiefe Bohrungen durchgeführt werden.

Die EWB-Energiezentrale Forsthaus in Bern.

Die EWB-Energiezentrale Forsthaus in Bern.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Calum MacKenzie@CalumMacKenzie0

Der Stadtberner Energieversorger EWB treibt ein Grossprojekt voran. Neben der Energiezentrale Forsthaus in der Stadt Bern soll die Möglichkeit eines Abwärme-Speichers geprüft werden. Dazu will EWB maximal sechs Testbohrungen auf dem Areal durchführen und hat nun ein entsprechendes Gesuch eingereicht.

Bei der Verbrennung von Kehricht, Holz und Erdgas in der Energiezentrale entsteht Wärme. Diese wird in das Fernwärmenetz der Stadt Bern eingespeist. Im Winter kann die Wärme zum Heizen verwendet werden, im Sommer hingegen wird sie nicht vollständig genutzt. «Das Ziel des Speichers ist es deshalb, die in den Sommermonaten ungenutzte Abwärme in den Sandsteinschichten unter der Erde zu speichern», sagt EWB-Sprecher Raphael Wyss. Als Energieträger diene heisses Wasser, das in den Boden gepumpt wird und die Gesteine im Untergrund erwärmt. EWB geht davon aus, dass so Abwärme mit einer thermischen Leistung von 3 bis 12 Megawatt gespeichert werden könnte. Das wäre genug, um die halbe untere Altstadt über ein ganzes Jahr mit Wärme zu versorgen. Zudem könnten damit bis zu 7000 Tonnen CO2 vermieden werden.

Grundbesitzerin wartet ab

Die geplanten Bohrungen in eine Tiefe von bis zu 500 Metern sollten den Untergrund auf dem Areal erkunden und die technische Machbarkeit des Speichers an diesem Standort prüfen, so Wyss. Mit den Bohrungen wolle man frühestens ab Oktober beginnen, sofern es keine Einsprachen gebe. Die Einsprachefrist läuft am 10. August ab. Die Testbohrungen sollen für EWB «unter 10 Millionen Franken» kosten. Zusätzlich wurden beim Bund und bei der EU im Rahmen eines europäischen Forschungsprogrammes Fördergelder beantragt. Dies, weil die Erkenntnisse aus den Testbohrungen in Bern auch für weitere Projekte in der Schweiz genutzt werden könnten.

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Das von den Bohrungen betroffene Land gehört der Berner Burgergemeinde. Als Eigentümer habe man EWB die Erlaubnis dafür erteilt, schreibt die Burgergemeindeschreiberin Henriette von Wattenwyl. Für den Bau des Abwärme-Speichers hat die Gemeinde jedoch noch kein grünes Licht gegeben. «Wir werden das Projekt beurteilen, wenn die Ergebnisse und Auswertungen der Probebohrungen vorliegen.»

Stadträtin Regula Tschanz (GB) ist gespannt auf die Ergebnisse der Bohrungen. «Wir stehen hinter der Energiewende und dem städtischen Energierichtplan. Die Idee eines Abwärme-Speichers zum Ausgleich von saisonalen Schwankungen im Energiebedarf scheint darum sinnvoll.» Die Tests klären ab, ob das Projekt technisch machbar, betriebswirtschaftlich sinnvoll und risikofrei sei. Umweltschäden befürchtet sie jedoch keine. «Die geplanten Bohrungen von 500 Metern Tiefe entsprechen herkömmlichen Erdwärmesondenbohrungen.»

Kritischer äussert sich Thomas Fuchs (SVP). «Den Bau des Speichers kann man durchaus prüfen, aber nur realisieren, wenn es sich finanziell lohnt», sagt er. «Für mich tönt es aber nach Öko-Aktivismus.»

Der Bund

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