Zum Hauptinhalt springen

Wältis Welt: Was gurren die Auguren?

Kurz vor den Wahlen befragt man gerne ein Orakel oder geht zu Madame Chandelier mit ihrer magischen Kristallkugel.

Da man mit den eigenen Prognosen fast immer falsch liegt, ist es mehr als vernünftig, den Unsinn von jemand anderem verzapfen zu lassen – diesem kann man danach die Schuld in die Schuhe schieben.

Betrachtet man die Wahlprospekte, so scheinen die Schweizer Demokraten die besten Verbindungen zu übersinnlichen Sphären zu haben, prangt doch auf ihrer Broschüre ein imposanter Indianerhäuptling. Werden die Schweizer Demokraten bald in die ewigen Jagdgründe eingehen – so wie der abgebildete Häuptling? Ist es Alter Büffel, der Letzte vom Stamm der Mohikaner? Oder werden die Demokraten – beseelt vom Geist des grossen Manitu – auf den Schwingen des Donnervogels zum Wahlsieg getragen?

Was gurren die Auguren? Viele Parteifunktionäre werden in diesen Zeiten zu Schwarzkünstlern und benutzen diverse Mantiken. Die Chiromantik, die Handlesekunst, finden wir jedoch etwas bieder. («Ihre Wahllinie ist verkürzt.») Auch die Kartomantie wäre eher billig, denn sie liesse sich beim gemütlichen Jass im Fumoir durchführen. («Die Böcke sind mir ausgegangen», «Warum hast du nicht leih gehalten?») Das weitverbreitete Kaffeesatzlesen lassen wir einmal beiseite, die Muscidaephorusmantie (das Befragen von Fliegenträgern) ebenso – und die Schweizer Demokraten sollen weiter an ihrer Manitumantik festhalten.

Wir plädieren stattdessen für die weitgehend unbekannte Kephalonomantie. Man weissagt, indem ein Eselskopf auf glühenden Kohlen geröstet wird – ein gutes Sinnbild für den Wahlprozess. Wie es genau ausgeführt wird, ist leider ein bisschen unklar. Namen von Verdächtigen (Kandidierende) werden rezitiert, tritt ein Knistern zeitgleich mit der Namensnennung auf, so hat man den Schuldigen (den Gewählten) gefunden. Andere warten darauf, dass der Eselskopf die Kiefer bewegt. Sind keine Esel verfügbar, kann man auch Ziegen nehmen. Die Methode soll bei Germanen und Langobarden angewendet worden sein. Einige sagen, barbarischerweise seien auch lebende Tiere benutzt worden, denen man glühende Kohlenstücke auf den Kopf legte.

Suche die Helden in der zweiten Reihe, lautet eine Grundregel, wenn es hart auf hart geht. Nicht selten versagen die grössten Stars und Favoriten, zerbrechen an den Hoffnungen und Erwartungen der Massen. Das entscheidende Tor im Playoff hat schon oft ein bereits teilweise abgehalfterter Wasserträger aus dem Wolldeckensturm erzielt. Zugegeben, bei den Wahlen kommt dies weit seltener vor als im Eishockey. Am besten wird es sein, wir halten uns an die alte Scharlatanenweisheit: «Die einzige Mantik, die reale Ergebnisse liefert, ist die Romantik.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch