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Wählbar:Bereits verblüht?

CVP-Nationalratskandidat Jürg Binz wirbt in Form eines Briefleins mit Ringelblumen-Samen. Ist die Verbindung von Ringelblumen und einer Nationalratskandidatur nicht doch etwas gesucht?

Jürg Binz von der CVP setzt im Wahlkampf auf die Kraft der Naturheilkunde. Er empfiehlt sich der Wählerschaft in Form eines Briefleins mit Ringelblumen-Samen und erteilt auf dessen Rückseite gleich «Wahlempfehlungen». Zum Beispiel helfe die Ringelblumen-Tinktur bei Verbrennungen, Schürfwunden und Erfrierungen. Binz’ Politlinie verhelfe zu Linderung, wenn die aktuelle Politik Unzufriedenheit, Hitzewallungen und Kälteschauer auslöse.

Die beiden Tipps mögen sich auf den ersten Blick ergänzen, beim näheren Hinschauen wirkt eine Verbindung von Ringelblumen und einer Nationalratskandidatur doch etwas gesucht. Calendula Officinalis stellt laut Fachliteratur keine besonderen Ansprüche an ihren Standort und gedeiht sogar auf Schutt. Es handelt sich um eine robuste und pflegeleichte Gartenschnittblume, deren Inhaltsstoffe auch optimal für einen gut funktionierenden Kompost sind. Des Weiteren verabscheuen Schnecken ihren Duft. Damit eignet sich die krautig wachsende Pflanze überaus gut zur Bekämpfung frecher Salatfresser.

Bezeichnet Jürg Binz also indirekt die grosse Kammer als «Schutt», «nährstoffarm» oder gar als «Kompost»? Sein Slogan «Kompetenz in Komplementärmedizin» lässt zum guten Glück vermuten, dass er sich und seine Politik eher mit der Heilwirkung der Ringelblume gleichsetzt denn mit ihren Ansprüchen oder sonstigen Eigenschaften. Doch nur weil die Ringelblume in der Parteifarbe blüht und zum Hauptanliegen von Binz passt, ist bei solchen Werbehilfen Vorsicht geboten – die «Nebenwirkungen» sind nicht zu unterschätzen. Denn blühen tut das eher unspektakuläre Pflänzchen nur bis Oktober, aussähen sollte man es dementsprechend im Frühling, und eine Überwinterung ist bei der einjährigen Blume kaum möglich.

Sind solche Eigenschaften für die Wahlpropaganda von Vorteil? Wohl eher nicht. Jürg Binz sollte nämlich bis Ende Oktober in voller Blüte stehen und müsste bei einer Wahl in den Nationalrat mehrfach «überwintern» können.

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