Von wegen märchenhaft

Der Plan des Kantons, mit dem Verkauf von Schlössern und Amtssitzen viel Geld einzunehmen, ist gescheitert.

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Wer ein Schloss ansieht, denkt an grosse Könige, an schöne Prinzen und Prinzessinnen und an reiche Fürsten. Die Realität ist anders. Schlösser sind vor allem eines: teuer im Unterhalt. Der Kanton Bern weiss das. Deshalb wollte er unter anderem Trachselwald loswerden. Wer die knarrenden Holztritte zum Schlosshof hochsteigt, merkt warum: Die winzigen und dunklen Gefängniszellen im Turm von Schloss Trachselwald sind Zeugen einer grausamen Zeit. Eine Fläche von gerade mal zwei auf anderthalb Meter hatten die inhaftierten Täufer im 16. Jahrhundert in den kalten Mauern zur Verfügung.

Das Schloss Trachselwald ist eines der Negativbeispiele für den Kanton Bern. Dieser wollte mit dem Schlösser- und Liegenschaftsverkauf, der 2007 beschlossen wurde, 50 Millionen einnehmen. Das Ziel wurde aber verfehlt. Der Immobilienexperte Donato Scognamiglio sagt, dass der Kanton bei den Verkäufen einen «schweren Stand» gehabt habe. Der erfolgreiche Verkauf eines solchen Objekts wäre ein «Glücksfall». Besitzer des Schlosses ist weiterhin der Kanton Bern, verwaltet wird es aber von einem Tourismusbüro. «Hier finden zahlreiche Hochzeiten statt», sagt Monika Grunder von den Emmental Tours. Zudem würden ab und zu auch Firmen und Vereine ein Essen veranstalten.

Eigentlich will der Kanton das Schloss schon lange nicht mehr. Im Jahr 2008 machte er ein Verkaufsangebot an die 1000-Einwohner-Gemeinde Trachselwald. Verschiedene Nutzungen standen zur Diskussion, darunter auch die naheliegende Überlegung, ein Museum über die Geschichte der Täufer einzurichten. Gelder sollten von Täufergemeinschaften aus dem Ausland fliessen. Aus den Plänen wurde jedoch nichts: vor allem aus finanziellen Gründen. Deshalb steht das Schloss jetzt meistens leer.

Burgdorf nimmt Geld in die Hand

Lediglich ein paar Kilometer entfernt liegt das Schloss Burgdorf. Es konnte an eine Stiftung abgegeben werden und gilt als Erfolg für den Kanton. Trotzdem geht es nicht ohne Investitionen der öffentlichen Hand. Besitzer ist seit 2017 die Stiftung Schloss Burgdorf: «Wir sind erst der vierte Eigentümer», sagt Urs Weber, Geschäftsführer der Stiftung, während er die drei Wappen der Vorbesitzer ansieht. Es wird gearbeitet, die Holzböden sind herausgerissen, Baustaub wirbelt herum.

Über der Stadt thront das geschichtsträchtige Schloss auf einem Sandsteinberg. Das Projekt Schloss Burgdorf ist «einzigartig», wie Weber sagt. Ein Museum und eine Jugendherberge sollen hier entstehen. Diese mieten sich in Zukunft bei der Stiftung ein. Dann sei die Stiftung aufgestellt wie eine «normale Immobilienverwaltung». Die Übergänge zwischen beiden Bereiche seien fliessend. Die Projekte sollen sich gegenseitig befruchten, sagt Weber: «Wenn jemand in das Museum geht, will er danach noch etwas trinken.» Wer in der Jugendherberge übernachte, «schaut sich bestimmt auch das Museum an».

Die Erwartungen sind hoch: Die Jugendherberge rechnet mit 20'000 Übernachtungen, das Museum mit 10'000 Besuchern. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf rund 16,5 Millionen Franken. Dank dem, dass das Schloss nun einer Stiftung gehört, unterstützt der Lotteriefonds das Projekt. Ausserdem sprachen die Stadt Burgdorf, der Kanton und Gönner Geld. Die ursprüngliche Finanzierungslücke von 3,1 Millionen Franken konnte mittlerweile durch verschiedene Geldgeber stark reduziert werden: «Sie beträgt nun noch 1,3 Millionen Franken», sagt Weber. Man sei zuversichtlich, dass man auch diese Lücke in den nächsten Monaten schliessen könne, sagt er. Die Fertigstellung ist für Frühjahr 2020 geplant. Den Kredit für das Grossprojekt erteilte der Grosse Rat 2015.

7,6 Millionen für Schloss Wyl

Einer der künftigen Mieter ist das Museum Schloss Burgdorf. Museumsleiter Daniel Furter beschäftigt sich seit langem mit der Entwicklung der Schlösser im Kanton Bern. Er beobachtet, dass zahlreiche Schlösser in Stiftungen überführt wurden. Der Grund, warum in Burgdorf eine gute Nutzung entstehen könnte, sei einerseits die Lage.

«Burgdorf liegt zentral und ist gut erschlossen.» Auch die Voraussetzungen für ein Museum seien bereits gegeben. «Hier waren bereits vorher drei Museen», Trachselwald habe keine Sammlung. Das Museum Schloss Burgdorf hat eine Sammlung von rund 60 000 Exponaten. Auch der starke Einsatz der Stadt im grossen Rat dürfte eine Rolle gespielt haben. Furter sagt, dass man in Bern «wieder stolz auf seine Schlösser ist». Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Schlossmuseen entwickelte sich positiv. «Wir legen dabei Wert darauf, dass jedes Schloss seinen ganz eigenen Charakter erhält», sagt Furter.

Ein Idealfall, wie ihn sich der Kanton wohl vorgestellt hat, ist Schloss Wyl. Dort setzt sich seit 2011 eine Privatperson mit viel Geld für den Erhalt und den öffentlichen Zugang zum Schloss ein. Matthias Steinmann, ehemaliger Medienprofessor und Unternehmer, kaufte das Schloss für 4,2 Millionen Franken. Warum macht er das? «Auf dem Jakobsweg überlegte ich, was ich der Öffentlichkeit noch zurückgeben kann», sagt der 75-Jährige. Mittlerweile hat er laut eigenen Angaben 7,6 Millionen Franken in das Schloss investiert, eine Stiftung gegründet und dafür gesorgt, dass regelmässig Ausstellungen stattfinden. Steinmann dürfte wohl ein Einzelfall bleiben. (Der Bund)

Erstellt: 12.05.2018, 08:45 Uhr

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«Manche Objekte sind schlicht unverkäuflich»

Der Immobilienexperte Donato Scognamiglio findet, dass der Kanton sein Bestes gegeben habe. Manche Objekte seien jedoch schlicht unverkäuflich.

Herr Scognamiglio, warum ist es so schwierig, ein Schloss zu verkaufen?
Die grösste Hürde sind die hohen Unterhalts- und Sanierungskosten. Strenge Auflagen zum Denkmalschutz, eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten und abgelegene Standorte machen die Sache nicht einfacher. Oft sind die Preisvorstellungen deshalb schlicht überzogen. Benötigt ein Käufer für die Finanzierung zudem eine Bank, wird er von dieser in der Regel höchstens die Hälfte des Kaufpreises erhalten. Ein Kredit von 2,5 Mio. CHF für den Kauf eines Schlosses von 5 Millionen Franken setzt neben 2,5 Millionen Franken Eigenmitteln ein Jahreseinkommen von über 500'000 Franken voraus.

Hätte der Kanton anders vorgehen sollen?
Nein. Er hat einen schweren Stand. Nehmen wir das Beispiel Trachselwald: Dieses liegt nicht gerade an zentraler Lage, der Investitionsbedarf ist gross. Ein solches Schloss ist kein Renditeobjekt. Man investiert mehr, als man durch eine Nutzung einnehmen kann.

Der Gemeindepräsident von Trachselwald bezeichnete das Verkaufsangebot des Kantons von 2 Millionen Franken als überrissen.
Wertvorstellungen sind immer relativ. In den begehrtesten Berner Gemeinden wird so viel für ein Einfamilienhaus bezahlt. Manche Objekte sind aufgrund ihrer Lage und Grösse aber schlicht unverkäuflich.
Schloss Wyl hingegen konnte nach mehreren Anläufen schliesslich verkauft werden – ein Glücksfall. Hier zeigt sich, dass man eine ganz bestimmte «Fangruppe» ansprechen muss. Die grosse Mehrheit der Vermögenden ist aber nicht an solchen Objekten interessiert. Ist man erst einmal im Besitz eines Schlosses, muss es zudem in vielen Fällen für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben, sprich: Die Leute spazieren Ihnen an manchen Tagen möglicherweise durch den Garten.

Also ist die Strategie, in Trachselwald Hochzeiten und Feste zu organisieren, eine gute Option?
Ich denke schon. Jeder Franken, den sie einnehmen, ist ein Franken, den sie nicht ausgeben.

Weshalb macht man überhaupt Vorgaben? Ohne sie wäre es doch deutlich einfacher, die Objekte loszuwerden.
Durchaus. Aber schliesslich handelt es sich hier um historische Objekte, die alle eine eigene Geschichte erzählen. Hier muss die öffentliche Hand Verantwortung übernehmen und investieren.

Ist das ein Berner Problem?
Nein, das Angebot an Schlössern ist in ganz Europa grösser als die Nachfrage. Schauen sie nach Italien oder Frankreich! Dort gibt es unzählige Schlösser und Burgen, die zwar wunderschön anzusehen sind, die aber niemand haben will. Das kulturelle Erbe zerfällt so leider oft.

Kann ein ambitioniertes Projekt wie dasjenige im Schloss Burgdorf funktionieren?
Das werden wir sehen. Aber ich finde, dass das Konzept gut gelungen ist. Es handelt sich aber auch um Investitionen in der Höhe von 16 Millionen Franken. Auch dort werden sich die Einnahmen in Zukunft wohl in Grenzen halten.

Donato Scognamiglio ist CEO der Firma Iazi, die Immobilien auf ihren Wert schätzt. Zudem ist er selbst in einem historischen Berner Patrizierhaus aufgewachsen und interessiert sich für die Berner Schlosslandschaft.

Schlosssaison 2018: Darauf kann man sich freuen

Erstmals treten die Berner Schlösser diese Saison gemeinsam auf. Dies aufgrund der «Museumsschlossstrategie» des Kantons Bern. So soll jedes Museumsschloss einen eigenen Charakter und Schwerpunkt haben, und die Zusammenarbeit soll verstärkt werden. Hier ein paar Highlights:


  • Schloss Laupen: Am 20. Mai von 13.30 bis 16.30 Uhr werden das Schloss und das Museum geöffnet.


  • Schloss Trachselwald: Besichtigungen sind täglich ohne Begleitung möglich. Für Führungen kann das Tourismusbüro Emmental Tours kontaktiert werden.


  • Schloss Münsingen: Am 10. Mai 2018 eröffnet die Sonderausstellung «Dr Bach chunnt». Sie handelt von der Geschichte des Hochwassers.


  • Schloss Laupen: Schloss- und Museumsöffnung am 20. Mai und am 3. Juni.


  • Schloss Thun: Am 24. Juni beginnt um 11 Uhr die neu gestaltete Dauerausstellung zur Geschichte des Schlosses.


  • Schloss Wyl: Tag der offenen Tür am 26. Mai. Schlossführungen werden um 10, um 11 und um 13 Uhr angeboten. Weitere Öffnungszeiten und Anlässe unter:
    www.mmbe.ch/web/kategorien/schlösser

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