Von der «Steinzeit» bis ins digitale Zeitalter

Die neue Ausstellung im Schulmuseum Bern soll die Geschichte des Schreibunterrichts erlebbar machen.

Richtig und Schön schreiben will gelernt sein: Dies zeigt auch eine neue Ausstellung im Schulmuseum.

Richtig und Schön schreiben will gelernt sein: Dies zeigt auch eine neue Ausstellung im Schulmuseum. Bild: Jockel Finck/Keystone

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«Die heutige Jugend kann nicht mehr schön schreiben!» Wer sich das schon einmal anhören musste, kann beruhigt sein. Die «Verliederlichung der Schrift» sei in den letzten 250 Jahren schon oft heraufbeschworen worden, sagt Andreas Urfer.

Er ist Kurator der Sonderausstellung «Von der Feder zum Touchscreen» im Schulmuseum Bern in Köniz. Die Ausstellung führt den Besucher zurück in eine Zeit, als «Schönschreiben» noch ein Schulfach war.

Das Video zeigt ein Auto beim Malen eines Buchstabens:

Aufwendige Schriftarten wie die deutsche Kanzleischrift waren gar nur besonders begabten Schülern vorbehalten. Heute steht die Schule am Übergang von Schulschrift zur Basisschrift. Sie soll den Schülern in erster Linie leicht von der Hand gehen.

Buchstaben werden nur noch dort verbunden, wo der Stift ohne Umwege zum Ziel kommt. Auch schön muss sie laut Lehrplan 21 nicht mehr sein, dafür aber «leserlich, geläufig und persönlich».

Diese aktuelle Entwicklung nahmen die Organisatoren zum Anlass für die Ausstellung über die Geschichte der Schulschrift und der Schreibwerkzeuge. Denn nicht nur die Schrift unterlag einem steten Wandel, sondern auch der Stift.

Die Jüngsten unter den Museumsbesuchern dürften den roten Caran-d’Ache-Füller mit dem silbernen Metalldeckel bereits nicht mehr kennen. Geschweige denn den Kampf gegen Tintenkleckse bei der Reinschrift. Die neuste Generation der Schulstifte ist kleckerfrei und die Tinte ist radierbar.

Umso besser, dass ausprobieren und anfassen explizit erlaubt ist. So können auch die «Digital Natives» mit dem Schiefergriffel über die Schiefertafel kratzen, bis sich die Nackenhaare aufstellen, oder mit der mechanischen Schreibmaschine Buchstaben aufs Blatt hämmern.

Umgekehrt können ältere Besucher erleben, wie Schule im Computerzeitalter funktionieren kann. An die Stelle der Schiefertafel rückt das Tablet. «Im Idealfall kommen die Grosseltern mit ihren Enkeln vorbei», sagt Martha Häberli, Projektleiterin der Sonderausstellung. «So können beide Generationen aus ihrem Erfahrungsschatz berichten.» (Der Bund)

Erstellt: 27.01.2016, 07:23 Uhr

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