Vision für ein Schwerpunkt-Quartier

Verkehr, Bauen, Arbeiten: Im Wankdorf werden die nächsten 15 Jahre der Entwicklung aufgegleist. Die Stadt zieht mit – und versucht gleichzeitig, das Quartier zu schützen.

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Das Wankdorf-Quartier im Norden Berns ist ein Boom-Quartier. Wie schnell sich der Stadtteil entwickelt, zeigt sich zum Beispiel beim Fussballstadion Stade de Suisse: «Fast am Stadtrand», sei dies einst gebaut worden, sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL), jetzt stehe es quasi mitten in einem Quartier. Auch der Bahnhof – vor zehn Jahren eröffnet – war damals eigentlich schon zu klein, bald soll er ausgebaut werden. Auch das Wankdorffeld hat sich stark gewandelt, etwa mit dem Bau des SBB-Hauptsitzes.

Das Wachstum an diesem Ort ist kein Zufall: Der Kanton Bern hat das Gebiet als Entwicklungsschwerpunkt (ESP) definiert. Dieser umfasst auch Teile der Gemeinden Ittigen und Ostermundigen. Für diese Gebiete, meist besonders gut erschlossene Standorte, gibt es verbindliche Richtpläne. Diese erlauben einen Blick in die Zukunft dieser Gebiete und beantworten die grossen Fragen – etwa: Wo sollen Wohnungen und Büros gebaut werden? Wohin kommt der Grünraum, wo fliesst welcher Verkehr durch, und wo wird parkiert?

Wieder mehr Wohnraum

Vergangene Woche ist die Vernehmlassung für die aktualisierte Version des Richtplans ESP Wankdorf zu Ende gegangen. Grundsätzlich sind sich Kanton, Gemeinden und auch Anwohnende einig, dass sich das Quartier auch in Zukunft verändern wird, dass Verdichtung und Wachstum an diesem Ort unumgänglich sind. Dennoch sind nicht alle Pläne im Quartier unumstritten, wie Vernehmlassungsantworten zeigen.

Auch für die Stadt sei die Bedeutung des Wankdorf-Quartiers sehr hoch, wie von Graffenried betont. Es gibt aber in der Gemeinde Bern Interessen, die sich von den Ansprüchen etwa des Kantons unterscheiden. «Wir versuchen auch, die Bewohner zu schützen», sagt von Graffenried – etwa gegen zu starken Verkehr in den Quartierstrassen oder gegen die Auswirkungen von Grossveranstaltungen.

Der Stadt sei es ein Anliegen, dass im Wankdorf-Quartier wieder mehr Wohnungen gebaut werden, sagt von Graffenried. Mit den neuen Möglichkeiten, gerade beim Lärmschutz, sei es gut möglich, auch dort Wohnungen zu erstellen, wo es früher undenkbar gewesen wäre – etwa zwischen Geleisen und Autobahn. Der Wohnraum ist auch für die Quartierorganisationen ein Thema. Im Richtplan sei der vorgesehene Flächenanteil für das Gewerbe zu gross, finden sie – auch weil dies automatisch zu mehr Verkehr führe. Zudem setze der Richtplan immer noch zu stark auf den Autoverkehr statt den ÖV.

Neben diesen konzeptionellen Punkten, welche sich nicht an bestimmten Orten festmachen lassen, gibt es Bereiche, bei denen die Absichten des Richtplans konkret sichtbar werden. So etwa beim Springgarten des Nationalen Pferdezentrums (NPZ) (Punkt Nummer 1 auf der Grafik): Dieser ist eine ungewöhnlich grosse Grünfläche mitten in der Stadt. Ein solches Areal weckt Begehrlichkeiten: Die Stadt Bern hat in ihrem Freiflächenkonzept einen Stadtpark vorgesehen – entlang der Bolligenallee soll ein «grosszügiger Grünraum» entstehen. Besitzerin des Areals ist die Burgergemeinde, die eine Nutzungsstudie in Auftrag gegeben hat. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Die Burger streben allerdings ein «attraktives Wohnquartier in gut erschlossenem Umfeld» an, wie es bei der Burgergemeinde heisst – mit einem gleichzeitigen «Nebeneinander der neuen Bebauung mit dem NPZ». Das NPZ selbst fordert in seiner Stellungnahme zum Richtplan, das Vorhaben einer Überbauung nochmals zu überdenken. Eine solche würde dazu führen, dass das NPZ an diesem Standort schliessen müsste – damit ginge der Stadt viel verloren: das Know-how in der Pferdebranche, ein sozial engagierter Arbeitgeber und eine wichtige Grünfläche.

Vordere Allmend (2): Von einem «einmaligen Eventcluster» spricht Stadtpräsident von Graffenried bei der Vorderen Allmend. Hier stehen die Bernexpo-Hallen und das Eishockeystadion. In Planung ist der Ersatz für die Festhalle: die Bemotion-Hall mit einer Kapazität von 9000 Personen. Allerdings ist das Projekt ins Stocken geraten. Bernexpo hat die Planung gestoppt «zwecks Überprüfung konzeptioneller Fragen». Ein weiteres Thema sind auch die Parkplätze, gerade bei Grossanlässen. Das Quartier fühlt sich hier oft «überfallen». Laut Richtplan sollen nun weniger ständige Parkplätze verfügbar sein – nämlich nur noch 2000. Die Quartierkommission Dialog Nord hätte gern noch weniger Parkplätze in diesem Sockelangebot, dafür bei Grossveranstaltungen mehr Hinweise auf die Anreise mit den ÖV.

Bahnhof Wankdorf (3): Der Bahnhof Wankdorf macht das Quartier, zusammen mit der Autobahn, zu einem der besterschlossenen Gebiete der Stadt Bern. Neue und verbreiterte Perrons sowie eine Fussgängerunterführung sollen die Kapazität des Bahnhofs steigern. Zudem plant die Stadt im Rahmen der Velooffensive, auch am Bahnhof Wankdorf eine Velostation zu bauen.

Grosse/Kleine Allmend (4): Seit Jahren sind Allmenden als Freiflächen unter Druck. Fussballplätze und Strassenprojekte fressen an den Rändern der grossen Wiesen. Der Richtplan will diese Flächen besser schützen. So sollen Parkplätze auf der Kleinen Allmend aufgehoben und die beiden Bereiche besser miteinander verbunden werden. Die Young Boys hätten auf der Grossen Allmend gerne weitere Fussballfelder, die sie exklusiv nutzen dürfen – für die Stadt war dieses Anliegen bisher kein Thema. Auf der Kleinen Allmend sind zwei neue Fussballfelder mit Naturrasen angedacht – was von Dialog Nord kritisiert wird. (Der Bund)

Erstellt: 22.10.2018, 19:17 Uhr

ESP: Kompass für Jahrzehnte

Seit 1989 definiert der Kanton Bern sogenannte Entwicklungsschwerpunkte (ESP). Diese sind im kantonalen Richtplan festgeschrieben. Neben dem Perimeter Wankdorf ist in der Stadt Bern etwa der Bereich Ausserholligen als ESP definiert, auch Brünnen ist ein ESP – wo die Entwicklung bereits weitgehend abgeschlossen ist. Ein Richtplan für einen ESP sei ein «Kompass», der weit über einzelne Legislaturperioden hinausweise, sagt der bernische Baudirektor Christoph Neuhaus (SVP). Das Gremium, das den Richtplan erarbeitet, steht unter der Leitung der kantonalen Baudirektion. Mitglieder sind der Kanton, die Stadt Bern, die Gemeinden Ittigen und Ostermundigen, die Burgergemeinde, Bernexpo und die SBB – für die neuste Version des Plans wurden auch die Armasuisse und das Bundesamt für Bauten und Logistik einbezogen. Die neue Planung soll ab Ende 2019 gelten und ersetzt den Richtplan von 2010. Dafür, dass die Pläne auch umgesetzt und eingehalten werden, sind eine Behördendelegation auf politischer Ebene sowie eine Fachkommission zuständig. Die Entwicklung wird dabei in einem Monitoring alle fünf Jahre überprüft. (zec)

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