Virus bedroht Wisente im Tierpark

Ziegen und Schafe tragen ein Virus in sich, das für die Hirsche und Wisente im Tierpark Dählhölzli eine ernsthafte Gefahr ist. Darum müssen die Schafe den Streichelzoo verlassen.

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Naomi Jones

Die Schafe ziehen als Erste aus. Voraussichtlich schon nächste Woche. Bis in wenigen Wochen soll auch ein Teil der Zwergziegen das Dählhölzli verlassen. Der Zoo prüfe derzeit neue Plätze für die Tiere, sagt der zuständige Tierarzt Stefan Hoby. Es gehe vor allem darum, einen guten Platz für die Tiere zu finden.

Der Grund ist ein Virus, das die Schafe und ein Teil der Ziegen in sich tragen, wie die Zeitung «20 Minuten» berichtete. Dieses Virus ist für die Ziegen und Schafe zwar harmlos. Doch bei den grossen Wiederkäuern kann es das Bösartige Katarrhalfieber auslösen. Für diese endet die Krankheit meist tödlich. Er habe in Basel zwei Fälle von Katarrhalfieber bei Wisenten erlebt, sagt Hoby, der seit Anfang Jahr Zootierarzt im Dählhölzli ist. «Das war schlimm.» Im letzten Herbst steckten sich im Tierpark Lange Erlen in Basel zwei Wisentkühe mit der Krankheit an und mussten schliesslich von ihren Leiden erlöst werden. Aufgrund der Erfahrung liess Hoby die Berner Schafe und Ziegen auf das Virus testen. Nun müssen die infizierten Tiere weg.

Da Ziegen und Schafe selbst nicht krank werden, können sie an Halter abgegeben werden, die keine durch das Katarrhalfieber gefährdeten Tierarten wie Rinder oder Hirsche halten.

Vom Auszug der Spiegelschafe profitieren die Alpakas. Sie erhalten zusätzlich zu ihrem Gehege jenes der Schafe. «Das ist ganz im Sinne unserer Devise mehr Platz für weniger Tiere», sagt Hoby. Und auch die verbleibenden Ziegen erhalten zumindest vorübergehend mehr Platz. Von sechs Tieren sind vorerst nur drei infiziert. Diese müssen gehen. Doch auf die beliebten Zwerggeissen, die sich von den Kindern sogar streicheln lassen, will der Zoo nicht ganz verzichten. Die Herde müsse aber virusfrei sein, sagt Hoby.

Für die Menschen ist das Virus völlig harmlos. «Mit dem Schaffleisch haben wir wohl schon oft solche Viren gegessen», sagt die Virologin Claudia Bachofen von der Universität Zürich. Das bösartige Katarrhalfieber sei schon lange bekannt. Eine Übertragung auf Menschen habe es aber noch nie gegeben. Auch den Haustieren wie Hund und Katze oder Meerschweinchen geschieht davon nichts.

Auch für Kühe gefährlich

Das Virus ist eine Unterart der Herpesviren. Wer sie einmal hat, wird sie nie ganz los. Fieberbläschen kommen immer wieder. Das Herpesvirus der Schafe habe sich gut an seinen Wirt adaptiert, erklärt Bachofen. Es mache den Wirt nicht krank. «Denn solange das Schaf lebt, lebt auch das Virus.» Rund 90 Prozent der Schweizer Schafe seien infiziert. Für grosse Wiederkäuer wie Rinder- und Hirschartige kann das Schafvirus verheerend sein. Sie könnten innerhalb weniger Stunden sterben, sagt Bachofen. Die Symptome sind hohes Fieber, Atemprobleme, entzündete Schleimhäute und starke Kopfschmerzen oder blutiger Durchfall. «Diesen Tieren geht es sehr schlecht», sagt Bachofen, die selbst eine erkrankte Kuh erlebt hat.

Die Krankheit ist denn auch ein Risiko für Bauern, die sowohl Schafe als auch Kühe halten. Denn die Schafe können die Viren über ihre Schleimhäute ausscheiden, wenn sie auf der Weide grasen. Kühe können sich anstecken, wenn sie die gleiche Weide benutzen. «Bauern, die beide Arten halten, sollten diese strikte voneinander trennen, wenn sie das Katarrhalfieber vermeiden wollen», sagt die Virologin. Alternativ könnte versucht werden, eine virusfreie Schafherde aufzubauen. «Das ist aufwendig, aber möglich.» Dazu müssten die Lämmer kurz nach der Geburt von den Müttern getrennt und von Hand aufgezogen werden. Danach dürften sie keinen Kontakt zu fremden Schafen haben, sofern diese nicht negativ auf das Virus getestet worden seien. «Die Tests sind aber nicht billig», sagt Bachofen und erklärt damit, weshalb die Schafzüchter nicht versuchen, das Virus auszurotten.

Doch wie können sich Hirsche und Wisente im Tierpark mit dem Schafvirus anstecken? Ihre Gehege sind vom Streichelzoo weit entfernt. Die Tiere hätten zwar keinen direkten Kontakt miteinander. Doch könne das Virus etwa von Tierpflegern via Werkzeug auf die Hirsche und Wisente übertragen werden. Es sei eine reine Sicherheitsmassnahme, die infizierten Schafe und Ziegen wegzugeben, sagt Bachofen. Sie hat die Tiere aus Bern auf das Virus getestet und den Tierpark beraten.

Der Bund

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