Keine bürgerliche Front gegen Viererfeld

Für die bürgerlichen Befürworter der Überbauung Viererfeld ist es wichtig, dass in der Stadt Bern wieder gebaut wird.

Umstrittene Wiese: Das Viererfeld.

Umstrittene Wiese: Das Viererfeld. Bild: Adrian Moser

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Das ganze bürgerliche Bern ist gegen den Wohnungsbau auf dem Viererfeld. Das ganze bürgerliche Bern? Nein. Rund 40 Persönlichkeiten haben sich im sogenannten «Personenkomitee» zusammengeschlossen, um den Bau einer zentrumsnahen Siedlung für rund 3000 Menschen zu ermöglichen.

Im Komitee finden sich nebst der einstigen FDP-Gemeinderätin Barbara Hayoz auch Exponenten der Wirtschaft wie Bernhard Emch, Präsident der Lokalsektion des Handels- und Industrievereins (HIV), der einstige FDP-Stadtrat Pascal Rub und der Unternehmer Peter Stämpfli.

Dies erstaunt, haben die bürgerlichen Fraktionen im Stadtrat mit Ausnahme der GLP die Vorlage doch abgelehnt. «Das ist keine Überbauung, sondern eine Erziehungsvorlage», definierte FDP-Fraktionschef Bernhard Eicher die Argumentationslinie.

«Wir haben in Bern ein Problem»

Eicher und seinen Mitstreitern ging es vor allem um die Parkplatzfrage und den Anteil gemeinnütziger Wohnungen. Die rot-grüne Mehrheit im Stadtparlament limitierte die Parkplatzzahl pro Wohnung auf maximal 0,5 Einheiten.

Zugleich erhöhte sie den Anteil gemeinnütziger Wohnungen von rund einem Drittel auf die Hälfte aller Wohnungen. Auf einen Kompromissantrag der Bürgerlichen, diesen Anteil auf 40 Prozent zu beschränken, stieg Rot-Grün-Mitte (RGM) gar nicht erst ein. Dadurch handelte sich die Mehrheit nicht nur die Gegnerschaft fast aller bürgerlichen Parteien ein, sondern auch diejenige der Wirtschaftverbände.

Nicht alle Bürgerlichen gewichten Parkplätze und gemeinnützige Wohnungen jedoch gleich stark. «Es erstaunt Sie vielleicht, dass heute ein Vertreter des Handels- und Industrievereins (HIV) auf diesem Podium spricht», sagte am Dienstag HIV-Präsident Bernhard Emch gegenüber den Medien.

Der Lifthersteller erinnerte daran, dass sich die Sozialpartner letzten November für eine «liberale und wirtschaftsfreundliche Auslegung» der Zonenplanordnung auf dem Vierer- und Mittelfeld stark gemacht hätten. In den Verhandlungen mit den Gewerkschaften habe man einen «breiten Konsens» angestrebt und auch Abstriche machen müssen, sagte Emch.

Leider sei die Mehrheit im Stadtrat aber nicht darauf eingegangen. Dies sei «enttäuschend», da die rot-grüne Mehrheit im Rat den «ideologischen Machtspielen und Grabenkämpfen» einen höheren Stellenwert eingeräumt habe als einem «konstruktiven Vorwärtsbringen» der Stadt Bern.

Er sei aber zum Schluss gekommen, dass ein Nein die falsche Antwort sei, so Emch. «Ein Nein löst keine Probleme, und wir haben in der Stadt ein Problem.» Die Nachfrage nach Wohnraum sei grösser als das Angebot. In der Bundesstadt werde aber weniger gebaut als in anderen Ballungszentren.

«Die Folge davon sind tiefe Leerstandsziffern, steigende Immobilienpreise und steigende Mieten.» Der angespannte Markt werde sich nur entspannen, wenn Wohnungen gebaut würden, sagte Emch.

Ex-FDP-Stadtrat leitet Kampagne

Dieser Meinung ist auch der einstige FDP-Stadtrat Pascal Rub, Kampagnenleiter des Personenkomitees. Natürlich sei der gemeinnützige Wohnungsbau «keine Herzensangelegenheit» von ihm, sagt der Unternehmer. Auch trete er normalerweise nicht in Komitees zu Vorlagen ein, die von seiner Partei bekämpft würden.

Aber das sinnvollste Mittel im Kampf gegen steigende Mietpreise sei nun einmal der Wohnungsbau. Im Viererfeld seien zudem nicht «nur» Wohnungen geplant, sondern auch gewerbliche Nutzungen und Dienstleistungen. «Diese Kombination überzeugt mich mehr als der Streit um gemeinnützige Wohnungen und Parkplätze.»

Zudem seien in beiden Fällen «Sicherungen» in die Vorlage eingebaut worden: Falls die Wohnbaugenossenschaften innerhalb von fünf Jahren nicht in der Lage seien, ihren Anteil zu überbauen, werde die dafür reservierte Fläche dem freien Markt übergeben. Und bei anhaltend erhöhtem Parkplatzbedarf müssten nachträglich Parkplätze auf dem Areal erstellt werden.

«Der HIV wird das Projekt sicher nicht bekämpfen», so Vorstandsmitglied Rub. Ob der Verband als solcher dem Pro-Komitee beitrete, werde der Vorstand Ende Mai entscheiden. In der FDP wiederum werde seine Haltung respektiert. «Ich habe sie intern auch früh genug deutlich gemacht», sagt Rub.

Nicht erreichbar war am Dienstag Unternehmer Peter Stämpfli. Er hat sich aber schon verschiedentlich für mehr wirtschaftliche Dynamik und eine Eindämmung des Pendlerverkehrs ausgesprochen. Die bürgerlichen Viererfeld-Befürworter sind eine kleine, aber prominente Minderheit, die bisher nur in der FDP zu finden ist.

Dabei hatte die FDP die Vorlage an ihrer Parteiversammlung mit 44 zu 6 Stimmen klar verworfen. (Der Bund)

Erstellt: 10.05.2016, 12:46 Uhr

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