Via Felsenau – oder: Die Quadratur des Kreises

Die Wohnbaugenossenschaft Via Felsenau will am Spinnereiweg in Bern eine dritte Etappe realisieren. Ein Siegerprojekt ist bereits gekürt worden.

Freiraum für Kinder: Aussenansicht des Siegerprojekts.

Freiraum für Kinder: Aussenansicht des Siegerprojekts.

(Bild: zvg)

Markus Dütschler

Wohnen in der Stadt ist teuer. Und Bauland gibt es kaum noch. Ein «Blätz» ist noch verfügbar: am Spinnereiweg in der Felsenau. Dort gibt es bereits zwei Überbauungen mit gemeinnützigen Wohnungen, in der etwa 70 Personen zu Hause sind. Am Dienstagabend sind die Wettbewerbsbeiträge für die dritte Etappe enthüllt worden, für Via Felsenau 3.

Die Genossenschaft Via Felsenau trat wiederum als Pionierin im genossenschaftlichen Wohnungsbau auf, indem sie freiwillig einen Projektwettbewerb durchführen liess. Sieben Architekturbüros beteiligten sich und reichten Vorschläge ein. Sie tragen Namen wie Unter den Bäumen, Vita, Series and Singles, Jota, Sommerlinden, Mimi oder Casa Via. Letzteres, entworfen von der Arbeitsgemeinschaft Patrick Kräuchi, Wahli Rüefli Architekten und Raumplaner aus Biel, löst nach Meinung der Jury das Problem am besten, auf einer kleineren Parzelle das Optimum zu erzielen.

Wenig Platz – hohe Ansprüche

Die Vorgaben hätten «die Quadratur des Kreises» verlangt, sagt Erich Gartmann, Präsident der Wohnbaugenossenschaft (WBG) Via Felsenau. «Das ist zwar unmöglich, aber dem Siegerprojekt ist die beste Annäherung gelungen.» Es enthalte vernünftige Grundrisse und maximalen Komfort bei hoher ökologischer Qualität. Enthalten ist auch eine 9-Zimmer-Wohnung, die laut Gartmann für eine kinderreiche Patchworkfamilie ebenso attraktiv ist wie für eine Wohngemeinschaft. Diese Zimmerzahl gibt es sonst höchstens in einem Haus – und das eher auf dem Land.

Das mit 35'000 Franken prämierte Projekt weist gemäss den Anforderungen des Wettbewerbsprogramms Jokerzimmer auf. Oft brauchen junge Familien noch wenig Platz, doch wenn die Kinder in die Pubertät kommen, gibt es nicht selten Bedarf nach einem zusätzlichen Raum. Später fliegen die jungen Erwachsenen aus, und der Raumbedarf verringere sich wieder. Das vorübergehende Raumbedürfnis lässt sich durch das dazumietbare Jokerzimmer befriedigen. «Wir liegen richtig, das spüren wir», sagt Gartmann.

Wird das Projekt genau so verwirklicht? Gartmann sagt, womöglich werde bei den Grundrissen noch «geschräubelt», doch im Grossen und Ganzen sei das Projekt sehr gut. So befindet sich der Zugang nicht am Spinnereiweg, sondern hinten. «So kann man Kinder alleine hinausgehen lassen, ohne dass sie in Gefahr sind», sagt Gartmann.

Initiative gab zusätzlichen Schub

Die Überbauung liegt im Trend. Am 18. Mai 2014 nahm die Stadtberner Stimmbevölkerung die Initiative «Für bezahlbare Wohnungen» an, und zwar buchstäblich haushoch mit 71,6 Prozent Ja-Stimmen. Das Volksbegehren will unter anderem, dass bei Um- und Neueinzonungen von Wohnzonen mindestens ein Drittel der Wohnnutzung mit preisgünstigen Wohnungen bebaut oder an gemeinnützige Wohnbauträger abgegeben wird. Die Wohnungen müssen demnach in Kostenmiete vermietet werden. Gartmann sagt, indem sich Menschen genossenschaftlich organisierten, flössen die Gewinne nicht an einen Investor ab.

Alte dachten an Junge

In der Via Felsenau werden etwa 25 Parteien in dieser dritten Etappe erschwingliche Wohnungen bekommen – und dies erst noch an attraktiver Lage. Die Felsenau ist als Standort für gemeinnützigen Wohnungsbau beliebt. Die Ideen für die erste Etappe reichen in die frühen 1980er-Jahre zurück, in die Zeit der Jugendunruhen.

Der – inzwischen verstorbene – Bauunternehmer Hans-Rudolf Ramseier initiierte mit anderen ein Projekt, in dem sich unzufriedene Jugendliche legal in alternativen Wohnformen verwirklichen können. Bis es Gestalt annahm, dauerte es. Später wurde als weitere Etappe die Via Felsenau 2 realisiert.

Die Projekte sind bis zum 5. Dezember im Kornhausforum zu besichtigen, Eintritt frei, Führung, Do, 3. 12., 19 Uhr, Anmeldung unter www.wbg-beso.ch.

Der Bund

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