Verkehrsader auf Abwegen

In den kommenden Jahren wird die Berner Muristrasse saniert. Die dafür erforderlichen Verkehrsumleitungen müssen sorgfältig geplant werden.

Der Burgernzielkreisel wird voraussichtlich erst im Jahr 2022 saniert.

Der Burgernzielkreisel wird voraussichtlich erst im Jahr 2022 saniert. Bild: Manu Friederich

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Man betrachtet sie als selbstverständlich, bis sie plötzlich ganz anders sind: Der Verlauf der dicht befahrenen Verkehrsadern einer Stadt ist tief im Bewusstsein ihrer Bewohner verankert. Gibt es wegen Sanierungen oder Bauprojekten eine Verkehrsumleitung, benötigen Pendler, Anwohner und ÖV-Chauffeure meist eine gewisse Gewöhnungszeit. In der Bundesstadt wurde dies im letzten Sommer deutlich, als Bernerinnen und Berner erst kurz vor der Wiedereröffnung der Kirchenfeldbrücke die «Pop-up-Büssli» über den Muristalden zu lieben lernten.

Nun stehen weitere transporttechnische Zäsuren bevor: Neben bereits angekündigten Grossprojekten wird in den kommenden Jahren die Sanierung der Verkehrsachse Muristrasse stattfinden. Das Tiefbauamt der Stadt Bern bestätigte eine Information des «Bund». Die breite Allee zwischen Burgernziel und Egghölzli am östlichen Rand der Stadt ist eine wichtige Verkehrsachse. Sie wird sowohl vom Individual- wie auch vom öffentlichen Verkehr – die Tramlinien 6 und 8 sowie der RBS-Bus 40 – rege genutzt.

Bis etwa 2026 müssten die Gleisanlagen an der Muristrasse abnützungsbedingt ersetzt werden, sagt Stadtingenieur Reto Zurbuchen auf Anfrage. Ausserdem würden die Tramhaltestellen Weltpostverein barrierefrei umgestaltet. Zurzeit werde dafür ein sogenanntes Betriebs- und Gestaltungskonzept erarbeitet. Dieses werde die Grundlage für die weitere Planung bilden.

Erfahrungen aus Bern-West

Im Moment sei es noch nicht möglich, konkrete Aussagen zu den Kosten und zu den verkehrstechnischen Auswirkungen der Sanierung zu machen, so Zurbuchen. Bezüglich Umleitungen bestünden aufgrund des Strassennetzes aber nur wenige Vorgehensvarianten. Möglich seien praktisch nur eine Umleitung des regionalen Verkehrs über die Autobahn und eine Umleitung des lokalen Verkehrs über die Brunnadernstrasse, also durch ein eher ruhiges Wohnquartier.

Bei länger währenden Verkehrsumleitungen kommt seit gut zehn Jahren das beim Bau der Tramlinien Bern-West entwickelte Vorgehen zum Einsatz. Damals wurde eine Taskforce aus 15 Fachpersonen eingesetzt, deren Ziel es war, die Quartiere soweit möglich vor zusätzlicher Verkehrsbelastung zu schützen.

Der Verkehrsingenieur Steven Kappeler war der Leiter dieser Taskforce. Ein möglichst umfassender Austausch mit Verkehrsteilnehmern und Anwohnern sei von grosser Bedeutung gewesen, sagt er. «Die Stadt und Bernmobil haben während dieser Zeit über mehr als 20 Kanäle über die Umleitungen informiert.» Es hätten zudem mehrere Begehungen mit Quartierorganisationen stattgefunden, um problemhafte Umleitungen zu optimieren, etwa um die Schulwegsicherheit zu erhöhen.

Dies alles habe dazu beigetragen, einen «enormen Goodwill» unter der Quartierbevölkerung zu schaffen, so Kappeler. Das kann Bernardo Albisetti, Präsident der Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem, bestätigen: «Der sensible Kontakt zu den Betroffenen ist der Stadt Bern sehr gut gelungen.» Es habe Infoveranstaltungen gegeben, Flyer seien an jeden Haushalt versandt worden, man habe über die Route und neue Strassenübergänge Bescheid gewusst.

Diese Informationsflut steht den Bewohnern der Brunnadernstrasse, der Elfenstrasse und der Egghölzlistrasse noch bevor: Bei der letzten Sanierung der Muristrasse wurde der Verkehr über diese Route umgeleitet. «Bei der Planung von Umleitungen stützt man sich oft auf frühere Routen», sagt Urs Amstutz, Leiter Baustellen bei Bernmobil. Entlang der Strecke müssten oft Parkplätze aufgehoben werden, um Platz für Busse und Haltestellen zu schaffen. Um die Kapazität der ÖV-Linie zu gewährleisten, müssten oft mehr Fahrzeuge und Personal aufgeboten werden. «In den ersten Tagen ist es oft ein ‹Puff›, danach löst es sich meistens.» (Der Bund)

Erstellt: 09.01.2019, 06:46 Uhr

Verschiedene Herausforderungen in Bern

Nach einer Überarbeitung ist das Projekt Sanierung Ostring durch das Bundesamt für Verkehr (BAV) bewilligt worden. Die Erneuerung der Strasse zwischen Burgernziel und Freudenbergplatz sowie der Gleise der Tramlinie 7 hatten bei Anwohnern und beim Bundesamt für Strassen (Astra) für Bedenken gesorgt. Das Astra hatte Rückstau auf die Autobahn befürchtet. Nach Bereinigung der Konfliktpunkte sprach der Gemeinderat im November 2018 einen Ausführungskredit von 6,83 Millionen Franken. Dieser muss noch vom Stadtrat genehmigt werden. Laut Stadtingenieur Reto Zurbuchen beginnen die etwa einjährigen Bauarbeiten voraussichtlich im April. Dabei werden der motorisierte Verkehr und Tramersatzbusse durch den Bauperimeter geleitet, der Veloverkehr durch das Quartier. Die Arbeiten gehören zum Gesamtprojekt Thunstrasse-Ostring. Die Sanierung von Thunplatz, Thunstrasse Ost und Burgernziel ist erst für 2022 geplant. Zurbuchen verweist darauf, dass weitere Vorhaben in Bern den Verkehr tangieren: das Projekt Zukunft Bahnhof Bern, die Gesamtsanierung der Monbijoustrasse und das Projekt «Dr nöi Breitsch». (mck)

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