Zum Hauptinhalt springen

Velobrücke wird zur Front im Fussgänger-Konflikt

Zwei Fussgängervereine streiten sich über die Velobrücke – und die Deutungshoheit beim Fussverkehr.

Beim Portal des Neufeldtunnels befände sich der westliche Brückenkopf der Velobrücke.
Beim Portal des Neufeldtunnels befände sich der westliche Brückenkopf der Velobrücke.
Adrian Moser (Archiv)

Die Debatte zur geplanten Velobrücke zwischen Breitenrain- und Länggassquartier ist in der Stadtpolitik zum Stellvertreterkrieg geworden. Das linke und das bürgerliche Lager liefern sich ein Wortgefecht darüber, welche sonstigen Verkehrsmittel – vom lautlosen elektrischen Shuttlebus bis zu Blechlawinen von der Autobahn – auf der Überführung zugelassen werden sollten.

Dabei geht oft die Mehrzahl der Verkehrsteilnehmer vergessen: die Fussgänger. Jedoch werden auch ihre Interessen von zwei sich streitenden Gruppen vertreten. Diese haben kürzlich Stellungnahmen zum Brückenprojekt veröffentlicht. Zu Beginn des Monats teilte der Verein Vortritt Fussgänger mit, eine Velobrücke sei nicht akzeptabel: Es sei eine Verbindung für alle Verkehrsteilnehmenden zu prüfen. Nun hat sich auch der Verband Fussverkehr Bern gemeldet. Man unterstütze die Velobrücke, solange es einen gut abgetrennten Fussgängerbereich gebe. Obwohl man für Shuttlebusse grundsätzlich offen sei, müsse ein intensiver motorisierter Verkehr auf der Brücke verhindert werden. Deswegen soll für die Shuttlebusse nur eine Spur eingeplant werden.

Fussgänger als Fassade

Die Ansichten zur Brücke machen die ideologischen Differenzen zwischen den beiden Fussgängergruppen deutlich. Der Verein Vortritt Fussgänger gilt als bürgerlich dominiert, Fussverkehr Bern hat Verbindungen zur rot-grünen Mehrheit im Stadtrat. So finden sich bei Vortritt Fussgänger oft auch Argumente, die Automobilisten dienen. So geschehen bei der Velobrücke – oder bei der Forderung, am Bubenbergplatz eine Unterführung zu bauen, damit sich Fussgänger und Autos nicht gegenseitig behinderten. Dies hat dem Verein den Ruf eingehandelt, er sei in Wahrheit eine Autolobby.

«Darüber kann ich nur müde lächeln», sagt Bernhard Eicher, FDP-Stadtrat und Präsident von Vortritt Fussgänger. «Die Linken hatten 20 Jahre lang die Deutungshoheit über die Anliegen der Fussgänger», sagt er. «Sie haben Mühe mit uns und versuchen uns deswegen in die Auto-Ecke zu drängen.» Dabei sei Fussverkehr Bern lange «ein Anhängsel der Velolobby» gewesen. Sein Verein wiederum habe keine Vorliebe für den Motorverkehr. Vielmehr versuche er, die Fussgängerthematik von der städtischen Velo-Offensive abzukoppeln. «Wir setzen auf kombinierte Mobilität», sagt Eicher. «Die Stadt muss auch künftig per Auto erreichbar sein, damit ältere und gebrechliche Menschen dort zu Fuss unterwegs sein können.»

Andrea Zryd, Co-Präsidentin von Fussverkehr Bern und SP-Grossrätin, sagt, auch ihr Verband könne die Velokampagne kritisieren. «Man müsste gleich viel für Fussgänger machen.» Trotzdem sieht sie Unterschiede zu Eicher: «Wir sind Verbündete von anderem Langsamverkehr.» Vortritt Fussgänger wolle Lösungen für «zu Fuss gehende Autofahrer». Zryd sagt, sie verstehe Eichers Ansatz. «Er versucht aber oft, den Velofahrern das Leben schwerzumachen.» Wird sich der Streit klären? Eicher versichert, er würde mit Fussverkehr Bern zusammenarbeiten. Auch Zryd sagt, ihre Gruppe sei für eine Partnerschaft offen – und äussert dann doch Bedenken. «Ich weiss nicht, ob Vortritt Fussgänger dieselben Interessen verfolgt.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch