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Veganer zeigen an der BEA Schockvideos

An der diesjährigen BEA fällt ein Messestand aus dem Rahmen: Der Verein Tier-im-Fokus zeigt Szenen von Tierschlachtungen, miserablen Haltungsbedingungen und bezahlt die Zuschauer dafür.

«Schau nicht weg. Öffne deine Augen und dein Herz», heisst die Botschaft zum Schluss des Filmes, den der Verein Tier-im-Fokus auf vier Bildschirmen an ihrem Stand abspielt. Er zeigt fünf Minuten lang brutale Szenen von Tierschlachtungen und eingepferchten Tieren.
«Schau nicht weg. Öffne deine Augen und dein Herz», heisst die Botschaft zum Schluss des Filmes, den der Verein Tier-im-Fokus auf vier Bildschirmen an ihrem Stand abspielt. Er zeigt fünf Minuten lang brutale Szenen von Tierschlachtungen und eingepferchten Tieren.
Liliane Manzanedo
Hühner, Küken, Truten, Thunfische, Kühe, Schweine...alle haben in den gezeigten Szenen eins gemeinsam: Sie werden von Menschen gequält und getötet. Wer fünf Minuten durchhält, erhält einen Franken bar auf die Hand. ©Franziska Rothenbuehler
Hühner, Küken, Truten, Thunfische, Kühe, Schweine...alle haben in den gezeigten Szenen eins gemeinsam: Sie werden von Menschen gequält und getötet. Wer fünf Minuten durchhält, erhält einen Franken bar auf die Hand. ©Franziska Rothenbuehler
Franziska Rothenbühler
Junge Leute seien dem Thema Veganismus gegenüber aufgeschlossener.
Junge Leute seien dem Thema Veganismus gegenüber aufgeschlossener.
Franziska Rothenbühler
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Geht es um die BEA, denken viele an Zelte mit Kühen und Kälbern sowie an Stände mit Müsterchen von Trüffelkäse und Salami-Häppchen. Doch mittendrin befindet sich auch ein Messestand, der diese Idylle stört.

Es ist der Stand des Berner Vereins Tier-im-Fokus: Dort bieten die Standbetreuer kein Essen an, sondern bittere Realität – in Form eines fünfminütigen Films: Zu sehen sind Schlachtungen und eingepferchte Tiere in Ställen und Lastern. Es sind drastische Bilder, aufgenommen wurden die Szenen vor allem in der Schweiz und im Ausland. Wer sich das Video anschaut, erhält von den Standbetreuern einen Franken bar auf die Hand.

Dori Baumgartner (63) hat soeben einen Franken kassiert: «Solche Szenen sind mir nicht neu, meine Eltern waren Viehhändler. Dennoch schockiert es mich, wie die Tiere ihr Leben lassen.» Die Klappstühle vor den vier Laptops bleiben stets nur kurze Zeit unbesetzt. Dafür sorgen die Standbetreuer, die aktiv auf Passanten zugehen. Nadja und Jasmin (13) lassen sich überzeugen. Der Franken lockt ins Zelt. Sie sind erstaunt: «Wir hätten nicht gedacht, dass es so wüst zugehen kann mit den Tieren.»

Tierrechtler, keine Tierschützer

Nicht alle nehmen das Angebot des Vereins gut auf. Es habe bereits Reibereien mit Bauern auf der Messe gegeben, auch seien sie schon beschimpft worden. «Viele ertragen keine Kritik. Die meisten können sich eine Landwirtschaft ohne Tiere nicht vorstellen. Wir dagegen sind überzeugt davon», so Standbetreiber Florian Keller, der seit vier Jahren vegan lebt.

Er und seine Vereinskollegen – ebenfalls Veganer – seien Tierrechtler und keine Tierschützer. Tierschützer würden bessere Haltungsbedingungen für Nutz- und Haustiere verlangen, sie hingegen seien für die Abschaffung von Nutztierhaltung generell. «Tiere sollen nicht als Besitz betrachtet werden.»

Angesichts der Kritik von gewissen BEA-Gängern stellt sich durchaus die Frage, ob die Frühlingsmesse der richtige Ort ist, eine solche vegane Lebensweise zu propagieren. Der 29-jährige Florian Keller zweifelt nicht daran: «Wir begeben uns in die Höhle des Löwen, dies hat eine grosse Symbolwirkung.» Ausserdem seien nicht die Bauern ihre primäre Ansprechgruppe, sondern die Konsumenten. «Jüngere Leute sind generell aufgeschlossener.»

Erstmals an der BEA

Die Tierrechtler sind zum ersten Mal an der BEA, und das, obwohl es den Verein schon seit fünf Jahren gibt. Um die 1-Franken-Aktion zu finanzieren, startete der Verein eine Crowdfunding-Aktion.

BEA-Messeleiter Daniel Beyeler sagt, vonseiten der BEA habe es keine Ängste oder Bedenken gegeben, wonach der Verein Besucher abschrecken oder andere Aussteller verärgern könnte: «Wichtig ist, dass die Besucher während ihres Aufenthalts die freie Wahl haben, einen Stand zu besuchen oder nicht.» Auch seien bisher keine Beschwerden wegen des Standes eingegangen, so Beyeler.

Ob die Veganer ihr Ziel, neue Anhänger zu finden, erreichen, ist allerdings nicht klar. Nadja und Jasmin, die beiden 13-Jährigen, die sich den Film angeschaut haben, wurden zwar sensibilisiert. Doch ihren Speiseplan stellen sie nicht um: «Wir werden vorläufig nicht auf Fleisch verzichten», sagen sie.

Die BEA ist noch bis Sonntag, 8. Mai, geöffnet.

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