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Vatter schliesst Bio-Markt - 47 Angestellte betroffen

Eine Epoche im Detailhandel mit Bioprodukten geht zu Ende: Nach 18 Jahren schliesst Vatter seinen Bio-Supermarkt an der Berner Spitalgasse. Das Unternehmen begründet den Schritt mit wirtschaftlichen Zwängen.

Aus für Vatter in Bern: Das Geschäft wird am 2. April geschlossen. (Keystone)
Aus für Vatter in Bern: Das Geschäft wird am 2. April geschlossen. (Keystone)

47 Angestellte sind betroffen, teilte die Vatterland AG am Freitag mit. Mindestens 38 werden entlassen. Daneben möchte das Unternehmen die Arbeitsplätze von sechs Lehrlingen und drei Erwachsenen sichern, indem man einen Lehrlingsladen in einem Quartier eröffnet. Das setze allerdings die Unterstützung der Behörden voraus.

Der Umsatz des Bio-Supermarkts sei seit 2008 um mehr als 15 Prozent zurückgegangen, sagte Verwaltungsrat Thomas Vatter vor den Medien. Im letzten Jahr betrug er noch rund acht Millionen Franken.

Der Entscheid zur Schliessung sei unumgänglich, schmerze aber sehr, sagte Vatter, dessen Familie am selben Standort einst den Gartenbedarf «Samen Vatter» führte. 1992 eröffnete er dann den ersten Bio-Supermarkt der Schweiz.

An der Spitalgasse habe der Laden zwar lange Zeit vom Bio-Boom profitiert und sei rasch gewachsen, habe aber stets mit den engen Platzverhältnissen auf zwei Stöcken zu kämpfen gehabt. Zur Verkaufsfläche von 400 Quadratmetern kamen bloss 200 m2 Lagerfläche.

Deshalb mussten Frischprodukte zweimal pro Tag bestellt und angeliefert werden. Diese komplizierte Logistik kostete bis zu 400 Stellenprozente, schätzt Vatter. Wirtschaftlich habe sich der Laden also immer auf dünnem Eis bewegt, obwohl er im Stadtzentrum «hohe Kundenfrequenzen und traumhafte Quadratmeter-Umsätze» erreichte.

Konkurrenz von Coop und Migros

Der zentrale Standort hat für einen Bioladen einen weiteren Nachteil: Während Bioläden in den Aussenquartieren eher überleben können, müssen sie in den Stadtzentren mit den Grossverteilern konkurrenzieren.

Als Coop 1993 ins Bio-Geschäft eingestiegen sei, habe sich das zunächst belebend auf den Biofachhandel ausgewirkt, erinnert sich Vatter. Als auch Migros sowie Manor und Globus aufsprangen, wurde es zusehends eng.

Heute sei die Konkurrenz gross. Wenn Coop im Januar eine Aktion mit marokkanischen Bio-Rispentomaten zum Jahrestiefpreis von 2.35 Franken lanciere, könne und wolle ein Bio-Supermarkt kaum mithalten.

Kleines Kuchenstück

Die Umsätze im Biomarkt Schweiz, der seit 1995 zum Teil zweistellig gewachsen ist, sprechen eine deutliche Sprache: 2008 betrug der Umsatz laut Vatter insgesamt 1,4 Milliarden Franken, von diesem Kuchen schnitt sich Coop gut die Hälfte ab.

Zusammen mit der Migros kam Coop auf 80 Prozent. Für Reformhäuser und Bioläden blieben 225 Millionen Fr., der Rest geht unter anderem an Direktvermarkter.

Die Rezession habe den Niedergang des Bio-Markts an der Spitalgasse noch beschleunigt, sagte Vatter. Kunden, welche die Ebbe im Portemonnaie spürten, kauften ihre Bio-Produkte verstärkt bei den Grossverteilern. Bei Vatter gab es letztes Jahr 80'000 Einkäufe weniger als noch 2008.

Suche nach Mieter

Die Ladenfläche auf zwei Stöcken an der Spitalgasse will die Vatterland AG nun vermieten. Vatter kann sich verschiedene mögliche Mieter vorstellen. In jedem Fall werde man ortsübliche Mietzinsen verlangen.

Weiterführen will Vatter seine anderen Zweige. Dazu gehören die Modeboutique nature à porter sowie das Vatterland-Sitzungszentrum und der Wellness-Bereich espace bien-être in den oberen Etagen der Liegenschaft an der Spitalgasse.

(SDA)

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